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Der Herausforderer: Dave Miley will ITF-Präsident Haggerty ablösen

Es bahnt sich ein Machtkampf im Tennis-Weltverband ITF an: Der Ire Dave Miley wird sich als Gegenkandidat zum umstrittenen ITF-Präsidenten David Haggerty bei den Neuwahlen im September 2019 aufstellen lassen.

Was sich in den letzten Monaten bereits abzeichnete, wird nun zur Gewissheit: Der irische Tennis-Funktionär Dave Miley wird am 20. März im Rahmen der Miami Open seine Kandidatur für das Amt des ITF-Präsidenten offiziell bekannt geben. Ausgewählte Journalisten sind zu einem entsprechenden Treffen eingeladen worden. Miley fordert damit den amtierenden ITF-Präsidenten David Haggerty heraus, der durch seine Reformen in Sachen Davis Cup und ITF-World Tour als umstritten gilt. Ende September 2019 findet in Lissabon im Rahmen der jährlichen ITF-Vollversammlung die nächste Präsidentschaftswahl statt. Haggerty ist seit 2015 im Amt.

Herausforderer Miley ist in ITF-Kreisen bestens bekannt. Von 1991 bis 2015 war er für den Tennis-Weltverband tätig, die letzten 17 Jahren leitete er dessen Entwicklungsabteilung. Kurz nachdem Haggerty 2015 zum Präsidenten gewählt wurde, trat Miley von seinen Ämtern zurück. „Aus persönlichen Gründen“, wie er damals mitteilen ließ. Zuletzt war er als Berater das asiatischen Tennis-Verbandes tätig.

Dave Miley gilt als Tennis-Fachmann

Jetzt will der 60-jährige zum Weltverband zurückkehren – als dessen Präsident. Miley gilt als ausgewiesener Tennis-Fachmann. Geboren in Guyana und aufgewachsen in Jamaika, kehrte er im Alter von acht Jahren nach Irland zurück, der Heimat seiner tennisverrückten Familie. Sein Großvater spielte in Wimbledon und war erster irischer Davis Cup-Kapitän. Miley selbst wurde dreimal irischer Meister im Doppel. Später spielte er Collegetennis in den USA, schloss sein Studium der Wirtschaftswissenschaften ab und absolvierte danach einige Matches auf unterstem Profilevel.

Während seiner Tätigkeit für den Weltverband kümmerte sich Miley um echte Basisthemen: Junioren-Tennis, Senioren-Tennis, Rollstuhl-Tennis, Trainerfortbildungen und technische Aspekte des Sports (z.B. Ballzulassungen). Er brachte wegweisende Projekte auf den Weg: etwa die „International Tennis Number“ (eine Art Handicap des Tennis) oder das Kindertenniskonzept „Play and Stay“. Auf seiner eigenen Homepage davemileytennis.com nennt er sich selbst „International Tennis Consultant“, also internationaler Tennis-Berater.

Dave Miley ITF-Präsident

BASISARBEIT: Dave Miley bei einer Trainerfortbildung in Katar. Der Ire will jetzt ITF-Präsident werden (Facebook Dave Miley).

Vor diesem Hintergrund wirkt Miley wie ein kompletter Gegenentwurf zum Geschäftsmann Haggerty. Gerne betont er, dass er jahrelange all jene Bereiche der ITF zu verantworten hatte, die „keine kommerziellen Ziele“ verfolgten. Ein Seitenhieb in Richtung Haggerty, der sich gerne damit brüstet, dass der durch ihn und der Investment-Gruppe Kosmos reformierte Davis Cup jede Menge Geld in die ITF-Kasse spülen wird. Miley hingegen sieht sich als Mann der Basis; als jemanden, der Tennis als das sieht, was es in erster Linie ist: ein Sport – und kein Business.

Rückhalt für ITF-Präsident Haggerty noch groß

Ob diese Strategie aufgeht, ist allerdings ungewiss. Haggerty schaffte es, dank des Geldsegens durch den Kosmos-Deal im Rahmen der Davis Cup-Reform viele nationale Tennis-Verbände hinter sich zu bringen. Im Interview mit tennismagazin.de betonte Haggerty jüngst, dass „eine überwältigende Mehrheit der Verbände, nämlich 71 Prozent“ für die Veränderung des Mannschaftswettbewerbs gestimmt hätten. Auch wenn nicht all diese Verbände automatisch Haggerty als ITF-Präsidenten wiederwählen werden: Sein Rückhalt dürfte dennoch groß sein.

Aber: Unangreifbar ist Haggerty nicht. Denn nachdem offensichtlich wird, dass die Davis Cup-Reform im Profilager trotz hoher Preisgelder insbesondere bei den Top-Stars nicht gut ankommt und dass auch die zu Jahresbeginn neu aufgegleiste ITF World Tour auf immensen Widerstand stößt, so dass sich die ITF nun dazu gezwungen sieht, kleinere Nachbesserungen vorzunehmen, ist der Gegenwind für den amtierenden Präsidenten stärker geworden.

Miley positioniert sich nun ganz bewusst als bestens vernetzter Tennis-Experte, der etwa in einem Interview mit der englischen Gratis-Tageszeitung Metro die Davis Cup-Reform als „zu schnell und zu extrem“ und die ITF World Tour als „nicht durchdacht“ bezeichnet. Die ITF habe sich bei ihrer Urteilsfindung zu sehr von „Statistiken“ leiten lassen, statt sich „auf Erfahrung und Wissen im Tennis“ zu verlassen, sagte Miley. Was er Haggerty damit vorwirft, ohne ihn selbst direkt anzugreifen („vielleicht ist er falsch beraten“), ist mangelndes Fachwissen.

Der Metro erzählte Miley auch, dass er schon im Januar 2018 seine Zweifel an der geplanten ITF World Tour dem kompletten ITF-Board schriftlich habe zukommen lassen: „Ich warnte davor, dass dieses System nicht funktionieren kann.“  Die angebliche Antwort der ITF: „Man teilte mir mit, dass ich verrückt sei.“

Dave Mileys Motto: „Together for Tennis“

Dem Iren, Vater von drei Kindern, geht es aber nicht nur um die aktuellen Baustellen im Tennis-Weltverband. Er sei grundsätzlich nicht damit einverstanden, so zitiert ihn Metro, wie Haggerty mit den anderen Institutionen des Welttennis (ATP Tour, WTA Tour, Grand Slam-Turniere) umgehen würde: „Unter seiner Führung sind die Beziehungen untereinander viel schlechter geworden.“

Unter dem Motto „Together for Tennis“ (gemeinsam fürs Tennis) will Miley nun seine Präsidentschaftskampagne anschieben. Das klingt vielleicht banal. Es lässt aber keine Zweifel daran aufkommen, wie Miley sich selbst sieht: als Teamplayer. Auch das soll ihn von Haggerty weiter abgrenzen, der in der Szene für seine Alleingänge berüchtigt ist.

Miley gegen Haggerty: Es wird ein spannendes Duell im kommenden halben Jahr auf der tennispolitischen Bühne.