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Der neue Davis Cup: Wer spielt in Madrid?

Nach der Qualifikationsrunde für die 2019 erstmals ausgetragene Davis Cup-Finalwoche in Madrid steht fest: Der Plan von Gerard Piqué und seiner Kosmos-Gruppe, den in die Jahre gekommenen Team-Wettbewerb durch ein höheres Star-Aufgebot attraktiver zu gestalten, wird nicht aufgehen.

Was haben Alexander Zverev, Stan Wawrinka, Roger Federer, Dominic Thiem und Kevin Anderson gemeinsam? Sie werden bei der neuen Davis Cup-Finalwoche nicht dabei sein, die am Ende der Saison erstmals in Madrid ausgetragen wird. Der Termin vom 18. bis 24. November 2019 ist das Herzstück der vom Tennis-Weltverband und der Kosmos-Gruppe unter der Führung von Fußball-Star Gerard Piqué herbeigeführten Davis Cup-Reform. Ihr Ziel: Mehr Stars sollen wieder im Davis Cup auflaufen.

Doch aus unterschiedlichen Gründen wird dieser Plan nicht aufgehen. Alexander Zverev hatte sich von Beginn an gegen die Reform ausgesprochen und untermauerte seine ablehnende Haltung am Rande der Davis Cup-Qualfikationsrunde in Frankfurt gegen Ungarn. Zwar qualifizierte sich das DTB-Team mit einem 5:0-Sieg ungefährdet für Madrid, doch Zverev ließ keine Zweifel aufkommen, dass er das neue Format für einen schlechten Witz hält.

„Hoffentlich werde ich dann wieder die ATP-Finals gewonnen haben, dann kann ich auf den Malediven den Jungs zugucken“, scherzte Zverev nach dem Pflichtsieg gegen Ungarn. Zuvor hatte er mehrfach ausgeführt, was ihn an der Reform so stört. Sein Hauptkritikpunkt ist der Termin Ende November. Dadurch verlängert sich die Saison, die Erholungsphase und die Zeit für die Vorbereitung auf das nächste Tennisjahr werden insbesondere für jene Top-Spieler zu kurz, die sich für die ATP-Finals in London qualifizieren. „Ich spiele eh schon zu viel“, sagte Zverev in Frankfurt und stellte noch einmal klar: „Ich werde nicht dabei sein. Kein Mensch der Welt kann mich umstimmen.“

Einen Boykott der Topspieler schloss Zverev in Frankfurt nicht aus. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass viele aus der absoluten Weltspitze in Madrid aufschlagen werden. Wenn wir über die Top 10 oder die Top 20 sprechen, dann sind von denen 90 Prozent dagegen. Wir haben uns auch ausgetauscht. Ich bin da sehr offen in der Kommunikation und ich hoffe, dass noch mehr das offen so kommunizieren.“

Federer und Wawrinka nicht dabei

Nach dem Qualifikationswochenende haben sich nun einige Personalien von selbst erledigt. Die Schweiz, die mit einem B-Team gegen Russland antrat, verlor trotz großem Kampf von Henri Laaksonen mit 1:3. Heißt: Roger Federer und Stan Wawrinka brauchen sich mit dem neuen Davis Cup-Format erstmal nicht weiter zu beschäftigen; sie werden im November 2019 sowieso nicht dabei ein.

Auch Dominic Thiem wird fehlen. Nachdem Österreichs Top-Mann wegen anhaltender gesundheitlicher Probleme gegen Chile kurzfristig absagte hatte, verlor das Team von Ex-Profi Stefan Koubek mit 2:3 gegen die Südamerikaner. Für die ITF, Piqué und die Kosmos-Gruppe ist das ein herber Rückschlag. Thiem ist ein Befürworter der Reform. „Ich freue mich auf das neue Ding, weil der alte Modus schlecht war“, hatte Thiem nach der Davis Cup-Abstimmung im August 2018 gesagt. Und weiter: „Alle Leute reden von den ganz großen Davis Cup-Partien, aber das waren vielleicht ein oder zwei. Von den 40 Partien in St. Anton vor 1.000 Zuschauern redet keiner.“

Kevin Anderson, aktuell die Nummer 5 der Welt, wird ebenfalls nicht in Madrid auflaufen. Der Grund: Südafrikas Spitzenkraft spielt schon seit Jahren keinen Davis Cup mehr, weil es bereits 2011 zu unlösbaren Differenzen mit dem nationalen Tennisverband kam. Ohne Anderson dümpelt Südafrika in den unteren Ligen des Davis Cups herum.

Aus den Top 20 wird Stefanos Tsitsipas fehlen, weil das griechische Davis Cup-Team nur in der dritten Euro/Afrika-Liga aufläuft. Einige Fragezeichen stehen zudem hinter dem französischem Team, das sich als letztjähriger Finalist automatisch für Madrid qualifizierte hatte. Lucas Pouille, Halbfinalist in Melbourne und derzeit Frankreichs bester Profi mit Weltranglistenplatz 17, hatte sich 2018 vehement gegen die Reform ausgesprochen. Sein damaliges Urteil („Ihr ITF-Typen seid eine Schande für das Tennis“) ging um die Welt.

Spielt Lucas Pouille nun doch?

Jetzt deutet sich allerdings ein Umdenken bei Pouille an. Der Grund: die Olympischen Spiele 2020. Die ITF koppelt eine Zulassung für die olympischen Wettbewerbe in Tokio an die Teilnahme beim Davis Cup bzw. Fed Cup. Konkret legte die ITF fest: Die Spieler und Spielerinnen müssen während des vierjährigen olympischen Zyklus bei drei Davis Cup- oder Fed Cup-Begegnungen im Kader stehen, wobei eine Partie 2019 oder 2020 absolviert werden muss. Pouille deutete jüngst im französischen Fernsehen an, dass er unbedingt nach Tokio will und über eine Davis Cup-Teilnahme nachdenken würde.

Welche „Big Names“ nun tatsächlich in Madrid zu sehen sein werden, steht derzeit noch nicht fest. Rafael Nadal ist als Befürworter der Reform grundsätzlich gesetzt und Spanien ist als letztjähriger Halbfinalist sicher dabei. Aber aus der Vergangenheit weiß man: Insbesondere zum Ende der Saison nimmt sich der spanische Superstar oft seine Auszeiten.

Novak Djokovic, Marin Cilic, Kei Nishikori und Juan Martin del Potro wären mit ihren Ländern in Madrid vertreten und äußerten sich in der Vergangenheit durchaus positiv zu der Davis Cup-Reform. Ob sie nun tatsächlich antreten, ist aber noch nicht klar.

Die ITF setzt auf den Faktor Geld. Insgesamt 27 Millionen Dollar sollen in Madrid ausgeschüttet werden. 18 Millionen davon gehen an die Teams, neun Millionen an die 18 teilnehmenden Länder. Der DTB kann sich also drüber freuen, 500.000 Dollar durch den Sieg über Ungarn sicher zu haben.

Üppige Preisgelder machen aber nicht Jeden gefügig. Für Alexander Zverev jedenfalls ist das Geld kein Grund, um seinen Urlaub auf den Malediven zu verkürzen.nike air max 90 ebay