Davis Cup Official Draw – Australia v United States

Sören Friemel bei der Davis Cup-Begegnung Australien gegen die USA 2016 (Getty Images)

Deutscher Schiedsrichter Sören Friemel für ein Jahr suspendiert

Bei den US Open 2020 geriet er ins Rampenlicht, weil er Novak Djokovic disqualifizierte. Nun ist der ranghöchste Tennisschiedsrichter, der Deutsche Sören Friemel, vom Weltverband suspendiert worden.

Sören Friemel aus Münster ist im internationalen Tennis-Schiedsrichterwesen eine Instanz. 2014 ernannte ihn der Tennis-Weltverband ITF zum „Head of Officiating“. Innerhalb der ITF ist Friemel damit der Chef der Schiedsrichter. An ihm führt kein Weg vorbei – egal, ob es um Regelauslegung, die Ausbildung von Nachwuchsschiedsrichtern oder um Beförderung schon erfahrener Schiedsrichter geht, die schon viele Matches auf unterschiedlichsten Ebenen vom „Bock“ aus geleitet haben. So nennt man in der Schiedsrichter-Szene den Schiedsrichter-Stuhl.

2019 wurde Friemel, der mittlerweile in London lebt, zum Oberschiedsrichter bei den US Open ernannt und trat damit die Nachfolge des Amerikaners Brian Early an. 2020 fiel Friemel im New Yorker Arthur Ashe-Stadion die undankbare Aufgabe zu, Novak Djokovic zu disqualifizieren, nachdem dieser eine Linienrichterin mit einem weggeschlagenen Ball an der Kehle getroffen hatte.

Friemel: unethisches Verhalten und Matchmissbrauch

Nun sieht sich Friemel mit Vorwürfen gegen seine Person konfrontiert, wie die englische Tageszeitung The Telegraph berichtet. Demnach ist Friemel vom Tennis-Weltverband für ein Jahr suspendiert worden – wegen unethischen Verhaltens und Machtmissbrauchs.

Hintergrund der Telegraph-Recherchen war eine längere Abwesenheit von Friemel bei den letzten Tennis-Großevents. Wie sich schließlich herausstellte, ließ sich Friemel am 19. Juni 2021 freiwillig suspendieren, nachdem ein jüngerer männlicher Schiedsrichter schwere Vorwürfe über sein Verhalten erhoben hatte.

Die ITF leitete eine Untersuchung in dem Fall ein, die fünf Monate lange dauerte und von einer unabhängigen Kommission durchgeführt wurde. Die zwölfmonatige Suspendierung wurde im Dezember 2021 ausgesprochen, aber erst nach einem erfolglosen Einspruch wurde Friemels Strafe am Montag endgültig wirksam.

Der Tennis-Weltverband ITF bestätigte den Vorfall. Im Mai 2021 wurden der ITF vier Fälle geschildert, die zwischen 2011 und 2015 stattfanden und jeweils denselben jüngeren männlichen Schiedsrichter betrafen. Das Gremium stellte fest, dass Friemel gegen drei Klauseln des Verhaltenskodex verstoßen hatte. Die beiden wichtigsten Paragrafen sind Artikel 13, der besagt, dass „Offizielle sich nicht unfair, unprofessionell, kriminell oder unethisch verhalten dürfen“, sowie Artikel 14, der vorsieht, dass „Offizielle ihre Autoritäts- oder Kontrollposition nicht missbrauchen und das psychologische, physische oder emotionale Wohlbefinden anderer Offizieller, Spieler oder des Turnierpersonals nicht gefährden dürfen“.

Friemel bis 18. Juni 2022 suspendiert

„Die Beschwerde lautete, dass Sören unangemessene Kommentare und Einladungen an eine Einzelperson gemacht hat“, sagte ein ITF-Sprecher dem Telegraph. „Es ging um die Situation und das Machtungleichgewicht, so dass die Untersuchungsbeauftragten und das Gremium einen Verstoß gegen unseren Kodex feststellten.“ Auf die Frage, ob sich das Urteil auf seine Position bei der ITF auswirken werde, antwortete der Sprecher: „Sören bleibt suspendiert und wir prüfen unser weiteres Vorgehen.“ Friemels Suspendierung begann rückwirkend am 19. Juni 2021 und endet am 18. Juni 2022.

Schon im August 2021 hatte die Washington Post verwundert darüber berichtet, dass Friemel als US Open-Oberschiedsrichter das Turnier kurz vor Beginn der Hauptrunde „aus persönlichen Gründen“ verlassen musste. Er wurde damals durch den Australier Wayne McKewen ersetzt. Wie der Telegraph nun schreibt, hätte Friemel zuvor noch die Qualifikationsmatches der US Open 2021 vom Büro der Schiedsrichters aus verfolgt. Ein Beobachter wird mit der Aussage zitiert, dass er, Friemel, sich so verhalten habe, „als ob nichts los wäre“.

Friemel hat auf Anfragen vom Telegraph und der Washington Post bislang nicht reagiert.