Djokovic-Brüder

„DjokoBros“ – Noles überraschende Erfolgsstory mit Marko Djokovic

Novak Djokovic war der überragende Spieler der zweiten Halbserie 2018. 2019 ist er mit etwas Mühe in sein erstes Einzel-Turnier in Doha gestartet. Für Aufmerksamkeit hat er überraschenderweise aber im Doppel gesorgt – mit seinem Bruder Marko.

Im Achtelfinale des ATP-Turniers von Doha musste Novak Djokovic Schwerstarbeit leisten. Marton Fucsovic, der mit Ungarn im Übrigen der Gegner des DTB-Teams in der ersten Runde des neu ausgerichteten Davis Cup sein wird, stellte den 14-fachen Grand Slam-Sieger vor echte Aufgaben. Erst als Djokovic mehr und mehr zur maschinenhaften, weil fehlerfreien Grundlinien-Spielweise seiner 2018-er Version reifte, stellte er den Ungar vor Probleme. Der 31-Jährige drehte einen Satzrückstand und trifft in der Runde der letzten Acht beim Wüstenturnier auf Nikolos Bassilaschwili. Marko Djokovic fieberte da auf der Tribüne mit.

Doch bemerkenswerter als seine Leistung im Einzel – in Doha will er seinen dritten Titel nach 2016 und 2017 feiern – sind seine Auftritte im Doppel. Gemeldet hat der serbische Superstar nämlich erstmals seit 2013 mit Bruder Marko Djokovic. Um festzustellen, wie lange das im Tenniszeitalter zurückliegt: Damals verlor das Brüderpaar in der ersten Runde des ATP-Turniers in Dubai gegen Nikolai Davydenko und Dick Norman – beide sind längst zurückgetreten.

Novak und Marko Djokovic waren bislang ohne Sieg

Insgesamt traten Novak und Marko fünfmal auf ATP-Ebene an. Zu einem Erfolg reichte es bis dato nie. Marko ist der mittlere der drei Djokovic-Brüder. Wie der dritte im Bunde Djorde versuchte auch Marko den Anschluss an die Weltklasse zu finden – vergeblich. Für den heute 27-Jährigen steht bis dato ein Future-Turniersieg zu Buche (2012 in Belgrad). Die wenigen Wildcard-Auftritte auf ATP-Niveau waren allerdings nicht erfolgreich.

2015 gab Novak Djokovic an, sein Bruder habe mit dem professionellen Tennis aufgehört. 2018 probierte es Marko Djokovic allerdings erneut auf der Challenger-Tour. Im September kämpfte er sich gar einmal erfolgreich durch die Qualifikation von Sevilla. Nach drei gewonnenen Einzeln scheiterte in der ersten Hauptrunde an Kenny de Schepper. Wegen dieser für ihn guten Leistung steht er Anfang 2019 Platz 574 im ATP-Ranking – so hoch wie noch nie.

Sein Doppelranking (Platz 607) wird er nun signifikant verbessern. Denn die 0:5-Bilanz mit Novak wurde diese Woche aufgehübscht. Beim Saisonauftakt, für das die Djokovics überraschend und ohne größeres Medieninteresse gemeldet hatten, gab es den ersten familieninternen Erfolg. In ihrem Auftaktmatch traf das Duo auf Lokalmatador Mubarak Shannan Zayid (Doppel-Weltrangliste nie höher als 1332) und den Türken Cem Iikel (momentan die 323 im Doppel-Ranking). Gegen ihre weitestgehend unbekannten Gegner reichte es im Matchtiebreak knapp zum Sieg – die Freude über den ersten gemeinsamen Erfolg war überdurchschnittlich hoch, wie in dem Video zu sehen.

Anschließend sagte Novak Djokovic emotionsgeladen: „Das war ein sehr spezieller Moment. Ich bin sehr froh, dass wir das Jahr 2018 mit einem Brüdererfolg abschließen können. Daran werden wir uns lange erinnern.“

Besonderes Verhältnis der Djokovic-Brüder

Unter normalen Umständen hätte im neuen Jahr im Viertelfinale das Weltklasse-Doppel Oliver Marach und Mate Pavic gewartet. Die verloren zum Auftakt aber knapp gegen die Balkan-Paarung Dusan Lajovic und Damir Dzumhur. Am Mittwoch folgte dann eine kleine Überraschung – die Djokovics setzten sich gegen Lajovic/Dzumhur durch und standen erstmals gemeinsam im Halbfinale eines ATP-Turniers – ebenfalls im Matchtiebreak. Dort warteten am Donnerstag David Goffin und Pierre-Hugues Herbert. Djokovic/Djokovic verloren trotz zweier Matchbälle mit13:15 im Matchtiebreak.

Ob die Djokovics in Zukunft wieder öfter gemeinsam Antreten wollen, dazu gibt es bislang keine Statements. Angesichts der Einzelambitionen von Novak gilt diese Variante als unwahrscheinlich. Fakt ist: Die Familienbande ist eng miteinander verbunden. Das Verhältnis zwischen den Brüdern gilt als innig. Als Novak im Frühjahr 2018 nach seiner Verletzungsmisere große Probleme hatte, zurück in die spielerische Erfolgsspur zu finden, soll auch ein gemeinsames Wochenende mit der Familie in Belgrad geholfen haben.

Nach der Auftaktpleite in Barcelona gegen Martin Klizan verbrachten die drei Brüder gemeinsame Tage in der Heimat. Novak Djokovic teilte damals seine Dankbarkeit über die Familienzeit auch öffentlich auf Twitter.

In der Vergangenheit sickerten Meldungen durch, die verdeutlichten, dass es für die im Tennis erfolgloseren Djokovic-Brüder nicht einfach gewesen sein muss. Gerade zu Hochzeiten des kritisch gesehenen Djokovic-Gurus Pepe Imaz, mit dem Novak zumindest während seiner sportlichen Auftritte seit der Rückkehr seines alten Teams um Marián Vajda nichts mehr zu tun hat, meldete sich Marko Djokovic zu Wort. Imaz habe ihm geholfen, zu sich selbst zu finden und eine Depression zu überwinden. Er habe, ohne, dass Novak etwas dafür gekonnt habe, immer zu wenig Selbstwertgefühl gehabt. In den vergangenen zwei Jahren war dieses Thema zumindest öffentlich keines mehr.

Die gemeinsamen Siege nun Anfang 2019 wirken unter diesem Gesichtspunkt umso schöner. Novak Djokovic rief auf Twitter euphorisch gar dazu auf, einen geeigneten Teamnamen zu finden und präsentierte zeitig ebenfalls einen Gewinner. „DjokoBros“taufte er die Paarung mit Marko Djokovic.

In einer Woche mit mehreren ATP-Turnieren und dem medienwirksamen Hopman Cup geht diese Geschichte ein wenig unter. Spätestens aber, wenn die DjokoBros am Donnerstag erneut zuschlagen, wird das Interesse steigen.