2021 Australian Open: Day 14

Djokovic über die jungen Wilden: „Die haben noch viel Arbeit vor sich“

Novak Djokovic bleibt bei den Australian Open unantastbar. Gegen Daniil Medwedew triumphierte er zum neunten Mal in Melbourne.

Melbourne (SID) Auch den neunten Triumph in seinem „Wohnzimmer“ genoss Novak Djokovic wie beim ersten Mal in vollen Zügen. Strahlend reckte der König von Melbourne im Blitzlichtgewitter den mächtigen Norman Brookes Challenge Cup in die Höhe, gab dem silbernen Pokal einen innigen Kuss und schrieb noch lange Autogramme. „Ich liebe euch jedes Jahr mehr und mehr“, rief der Rekordchampion der Australian Open den Fans in der Rod-Laver-Arena entgegen: „Die Liebesbeziehung geht weiter.“

Mit einer Meisterleistung hatte der Weltranglistenerste zuvor sein Königreich verteidigt und den Angriff des „unschlagbar“ scheinenden Daniil Medwedew leicht und locker abgewehrt. Djokovic erteilte dem so formstarken Russen mit 7:5, 6:2, 6:2 eine Lehrstunde und blieb auch im neunten Finale in Melbourne unbesiegt – eine sensationelle Bilanz, die nur von Rafael Nadals 13 Titeln bei den French Open übertroffen wird.

Djokovic zu Medvedev: „Du wirst Grand Slam-Titel gewinnen“

„Du wirst irgendwann einen Grand-Slam-Titel gewinnen“, sagte Djokovic bei der Siegerehrung zu Medwedew – und ergänzte lachend: „Wenn es dir nichts ausmacht, noch ein paar Jahre zu warten.“ Denn der Serbe ist mit seiner Rekordjagd noch lange nicht fertig. Insgesamt steht Djokovic nun bei 18 Grand-Slam-Titeln, im historischen Dreikampf mit seinen Dauerrivalen Roger Federer und Nadal (beide 20) fehlen ihm nur noch zwei Major-Triumphe zu den Rekordhaltern.

„Emotional war es einer der herausforderndsten Grand Slams, den ich je gespielt habe“, sagte Djokovic. Ein in der dritten Runde erlittener Faserriss in der Bauchmuskulatur habe das Turnier zu einer „Achterbahnfahrt“ gemacht, verriet er: „Deshalb schmeckt der Erfolg für mich noch süßer.“

Djokovics famose Melbourne-Bilanz ließ auch Medwedew staunen. „Um hier neun Titel zu gewinnen, müsste ich jedes Jahr gewinnen, bis ich 34 bin. Ich glaube nicht, dass das möglich ist“, sagte der 25-Jährige, der nach zuletzt 20 Siegen in Folge wieder eine Niederlage einstecken musste und auch sein zweites Grand-Slam-Finale verlor.

Medvedev über die Big 3: „Das sind Tennis-Cyborgs“

Die drei Superstars seien einfach „Tennis-Cyborgs“, meinte Medwedew. Djokovics Machtdemonstration ließ gar keinen anderen Schluss zu. Nach nur 1:53 Stunden setzte er den begnadeten Schachspieler Medwedew matt – keinen seiner vorherigen acht Titel in Melbourne hatte der 33-Jährige so zügig gewonnen.

Dieses einseitige Endspiel war auch der nächste gescheiterte Anlauf der Spieler der sogenannten „Next Generation“, das Ende der Ära der Superstars Djokovic, Federer und Nadal einzuläuten. Zwar hatten die vergangenen US Open in Dominic Thiem bereits einen neuen Champion hervorgebracht – Federer fehlte dort aber verletzt, Nadal verzichtete auf einen Start, und Djokovic wurde im Achtelfinale wegen einer Unbeherrschtheit disqualifiziert.

„Es wird viel geredet über die neue Generation, die von uns übernehmen soll“, hatte Djokovic vor der Partie gesagt: „Aber realistisch gesehen ist das noch nicht passiert. Mit allem Respekt gegenüber den anderen Jungs, sie haben noch viel Arbeit vor sich.“

Djokovic eiskalt ab dem 2. Satz

Das zeigte sich im Finale von Melbourne: Von einem nervösen Start ließ sich Medwedew, der von Boris Becker zuvor als „Mann der Stunde“ geadelt worden war, zunächst nicht beeindrucken. Bis zum Ende des ersten Satzes hielt der Russe in einer bis dahin hochklassigen Partie gut mit – doch unter dem Druck des aggressiven Djokovic schlichen sich immer mehr Fehler ein. Mit der Führung im Rücken hatte der Serbe dann immer leichteres Spiel.

Aus Frust zerdepperte Medwedew im zweiten Satz seinen Schläger und haderte immer mehr mit sich. „Er ist so ein talentierter Spieler, aber heute packt er es mit den Nerven nicht“, urteilte Becker bei Eurosport. Der eiskalte Djokovic, dessen Bauchmuskelbeschwerden ausgestanden schienen, blieb hingegen hochkonzentriert und wehrte auch ein letztes Aufbäumen seines Kontrahenten locker ab.