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Sagten beide kurzfristig ab: Iga Swiatek (li.) und Aryna Sabalenka spielen nicht in Dubai. Bild: IMAGO

„Geldstrafen bringen nichts“: Turnierchef fordert Punktabzug für Sabalenka und Swiatek

Der Turnierdirektor des WTA-1000-Events in Dubai, Salah Tahlak, übt Kritik an den kurzfristigen Absagen von Aryna Sabalenka und Iga Swiatek. Er will härtere Sanktionen.

Den Freitagabend vergangener Woche wird Salah Tahlak, Turnierdirektor der Dubai Duty Free Tennis Championships, sicherlich nicht so schnell vergessen: Erst sagte die Nummer eins der Welt, Aryna Sabalenka, ab, dann trudelte die nächste Hiobsbotschaft ein: Auch Iga Swiatek, Weltranglistenzweite, werde dem Event fernbleiben.

Sabalenka hatte ihre Teilnahme in den Vereinigten Arabischen Emiraten mit einer Hüftverletzung begründet („Ich habe eine so besondere Verbindung zu dem Turnier, den Fans und der Stadt. Leider fühle ich mich nicht hundertprozentig“), nachdem sie bereits beim WTA-1000-Event in Doha gefehlt hatte. Swiatek begründete ihren Rückzug mit einer „Änderung ihres Zeitplans“. Die Absagen erreichten Tahlak am Abend vor der Auslosung des Hauptfeldes: „Das war eine eher unglückliche Überraschung!“

 

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Er bezeichnete die Begründungen als „etwas merkwürdig“ und erklärte, er habe sich beim Turnierarzt erkundigt: Die Verletzung Sabalenkas sei nach Ansicht des Arztes „nur geringfügig“ und allein kein zwingender Grund für eine Absage gewesen, so Tahlak gegenüber der englischsprachigen Tageszeitung „The National“, die in der Hauptstadt Abu Dhabi erscheint.

Inzwischen dürfte Tahlak noch unzufriedener sein, denn nach Sabalenka und Swiatek sagten auch noch Rising-Star Victoria Mboko, Doha-Siegerin Karolina Muchova, Maria Sakkari, Zheng Qinwen und Elisabetta Cocciaretto ab. Insgesamt sieben Lucky Loser rückten nach: Kamilla Rakhimova, Anastasia Zakharova, Magdalena Frech, Peyton Stearns, Antonia Ruzi, Hailey Baptiste und Petra Marcinko.

Sabalenka will mehr Schutz

Die Absagenflut zeigt in erster Linie: Zwei Großevents in Serie – erst Doha, dann Dubai – verdeutlichen die Probleme eines zu dichten WTA-Turnierkalenders. Beide Turniere sind insbesondere für die Top-Stars verpflichtend, was unter den Spielerinnen regelmäßig zu Beschwerden führt. Neben den vier Grand Slam-Turnieren sollen sie zehn WTA-1000er und sechs WTA-500er pro Saison spielen. Wer dieses Pensum nicht abspult, muss in erster Linie mit Geldstrafen rechnen. Zu Saisonbeginn kommentierte Aryna Sabalenka den Turnierkalender in Damentennis so: „Die Verbände konzentrieren sich nicht darauf, uns Profis zu schützen.“

Auch Salah Tahlak bringt wenig Verständnis für die vielen Absagen auf. Stattdessen wünscht er sich härtere Maßnahmen, damit die Spielerinnen nicht so schnell einen Turnierstart canceln. „Ich denke, dass Geldstrafen nichts bringen“, sagte er „The National“. Er verwies darauf, dass bei hohe Einnahmen aus Preisgeldern und Sponsoring Geldstrafen zu lasch seien: „Vor vielen Jahren hat Serena Williams zurückgezogen und wurde mit 100.000 Dollar bestraft. Aber was sind 100.000 Dollar? Sie spielt woanders und verdient eine Million. Die Strafe ist also keine große Sache.“

Sein Vorschlag: Den Spielerinnen bei einer Absage Punkte für die Weltrangliste abzuziehen – beispielsweise 500 oder gar 1000 Punkte. Dies hätte unmittelbare sportliche Konsequenzen. Tahlak kündigte an, das Thema bei der kommenden WTA-Sitzung in Rom vorzubringen.

WTA-Tour mit dem „Zero-Pointer“

Grundsätzlich ist die Regel so: Wenn eine Topspielerin ohne gültige Entschuldigung (z.B. Verletzung oder Krankheit) bei einem WTA-1000er-Turnier absagt, bekommt sie einen sogenannten „Zero-Pointer“ und eine Geldstrafe. Ein „Zero-Pointer“ heißt: Die Spielerin bekommt null Weltranglistenpunkte für das kurzfristig abgesagte Turnier und kann dieses Ergebnis nicht durch ein besseres ausgleichen. Die null Punkte verbleiben 52 Wochen lang in den 16 besten Ergebnissen, die letztlich die Gesamtsumme der Weltranglistenpunkte bilden.

Normalerweise lassen sich null Punkte durch bessere Ergebnisse kompensieren, man spricht von einem Streich-Resultat. Bei einem „Zero-Pointer“ ist genau das nicht möglich. So gesehen werden also Spielerinnen, die kurzfristig absagen, auch in Sachen Weltranglistenpunkte bestraft.

Wobei: Die Regel bietet Schlupflöcher. Eine gültige Entschuldigung – sprich: eine Verletzung oder Krankheit – kann im Zweifel jede Spielerin nachweisen. Außerdem gibt es eine Ausnahmeregelung namens „Schedule Change“: Spielerinnen dürfen pro Saison bis zu dreimal ein Pflichtturnier aufgrund einer Planänderung auslassen, ohne eine Geldstrafe zu erhalten. Allerdings kommt auch in diesen Fällen ein „Zero-Pointer“ zum Tragen.

 

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Gauff: Punktabzug „nicht fair“

Coco Gauff, derzeit die Nummer vier der Welt, reagierte bei ihrer Pressekonferenz vor Turnierbeginn in Dubai auf die Vorschläge von Turnierdirektor Tahlak. „Ich glaube nicht, dass ich jemals bei einem 1000er-Turnier zurückgezogen habe – zumindest kann ich mich auf Anhieb nicht daran erinnern.“ Sie betonte, dass Absagen nicht aus Bequemlichkeit erfolgen: „Ich glaube definitiv nicht, dass Spielerinnen einfach absagen, weil sie keine Lust haben zu spielen.“ Hinsichtlich der hohen Belastung im Tourkalender ergänzte Gauff: „Man muss sich das ganze Jahr anschauen – auch wenn es dich jetzt vielleicht nicht trifft, wird es dich später treffen. Gerade dieser Teil der Saison war für mich immer schwierig.“

Punktabzüge bei kurzfristigen Absagen lehnt Gauff entschieden ab: „Wir bekommen bereits Zero-Pointer für verpasste Pflichtturniere.“ Die Forderung nach zusätzlichen Punktesanktionen seien angesichts des engen Kalenders „nicht fair“. In dem Zusammenhang sieht sie auch die Ausdehnung vieler 1000er-Events auf zwei Wochen kritisch: „Es ist schwer, alle Turniere zu spielen, wenn diese jetzt auch noch zwei Wochen dauern. Die Anforderungen an die Spielerinnen werden immer größer.“