Alexandra Vecic (GER), Maedchen Einzel  GSTennis – Australian Open 2020 – Melbourne – Grand Slam / ATP / WTA –  Melbourne  Park  – Australia – 2020

Halbfinale bei den Australian Open: Wer ist Alexandra Vecic?

Als erste deutsche Juniorin seit Marlene Weingärtner 1997 steht Alexandra Vecic im Halbfinale der Mädchen-Konkurrenz von Melbourne. Wir stellen die 18-Jährige genauer vor.

Foto: Jürgen Hasenkopf

23 Jahre ist es her, dass eine deutsche Juniorin im Jugendwettbewerb der Australian Open so weit vordrang wie nun Alexandra Vecic aus Immendingen in Baden-Württemberg. 1997 stand Marlene Weingärtner im Halbfinale der Juniorinnen, gewann dort gegen Christina Popescu und verlor erst im Endspiel gegen die Kroatin Mirjana Lucic.

Alexandra Vecic war zu dieser Zeit noch nicht einmal auf der Welt. Sie ist erst am 7. Januar 2020 18 Jahre alt geworden. Und vermutlich wird ihr der Name Weingärtner nicht allzu viel sagen. Vertrauter dürften ihr dagegen die Namen Kerber und Lottner sein. Die eine, Kerber, stand bei den Juniorinnen der Australian Open 2004 im Viertelfinale. Die andere, Lottner, kam 2013 so weit. Vecic hat sie mit ihrem Sieg am Donnerstag überflügelt – zumindest in dieser Hinsicht.

Superfitte Vecic trotzt der Hitze

Das Viertelfinale gegen die Spanierin Ane Mintegi Del Olmo wurde bei 39 Grad im Schatten zur Hitzeschlacht, auch wenn die Veranstalter den Start der Einzel im Jugendbereich aufgrund der hohen Temperaturen in den späten Nachmittag verlegt hatten. Beim Stand von 6:4, 1:1 aus der Sicht von Vecic musste die Gegnerin entkräftet aufgeben. Zuvor hatte Mintegi Del Olmo schon mit Atemproblemen zu kämpfen gehabt.

Vecic machte die Hitze nicht allzu viel aus. „Ich hätte lieber weitergespielt und dann gewonnen, aber das nehme ich trotzdem gerne mit. Ich freue mich jetzt aufs Halbfinale“, sagte sie nach dem Match. „Sie ist superfit und agiert mit viel Selbstvertrauen. Mal sehen, was da noch geht“, erklärte DTB-Bundestrainerin Jasmin Wöhr, die mit Vecic vor Ort ist und als Betreuerin fungiert.

Fitness und Athletik sind tatsächlich entscheidende Bausteine in der Entwicklung von Vecic. Als tennis MAGAZIN vergangenen Winter einen Lehrgang mit Nachwuchsspielerinnen im DTB-Stützpunkt von Stuttgart-Stammheim begleitete, lobte Barbara Rittner, Head of Women’s Tennis, Vecic als „ihre Musterschülerin“. Was sie damit meinte: Vecic mache stets mehr als nötig. „Sagt man ihr: `Mach 200 Seilsprünge´, dann absolviert sie 250“, erzählte Rittner damals.

Vecic: „Mein Traum ist ein Grand Slam-Titel“

Vecic wird im Frühsommer 2020 ihr Abitur machen – und dann richtig durchstarten. Ihr Traum? „Natürlich ein Grand Slam-Turnier gewinnen“, sagte sie Birgit Nössing im Interview bei Eurosport. Noch besucht sie das Privatgymnasium Weinheim bei Mannheim. Wobei „besuchen“ nicht ganz treffend ist. Die 18-Jährige kann dort ihre „Profikarriere“ parallel zur Schule vorantreiben – entsprechende Fehlzeiten sind eingeplant und müssen unterwegs oder zu Hause nachgearbeitet werden.

Vecic

TRÄUMT VON EINEM GRAND SLAM-SIEG: Musterschülerin Alexandra Vecic steht im Juniorinnen-Halbfinale bei den Australian Open. (Foto: Paul Zimmer)

Der Tennissport wurde der zweifachen Deutschen Jugendmeisterin in die Wiege gelegt, denn ihr Vater Srdjan Vecic ist Tennistrainer und hat die B-Lizenz des Deutschen Tennis Bundes. Vater Vecic kommt aus Kroatien, studierte in Belgrad Wirtschaftswissenschaften und legte dort auch sein Trainer-Diplom ab. Er betreute früher jugoslawische Jugendteams. Heute ist er Vereinstrainer beim TC Empfingen.

Seine Tochter spielte 2019 bei den French Open ist erstes Grand Slam-Turnier bei den Juniorinnen, wo sie sich noch durch die Qualifikation kämpfen musste. Es folgten Auftritte in den Hauptfeldern von Wimbledon und New York. Vecic gewann dort allerdings kein Match.

Vecic auf den Spuren von Heike Rusch

Das hat sich nun bei den Australian Open 2020 geändert, ihrem vierten Auftritt mein den Junioren-Majors in Folge. Nach vier Siegen in Serie trifft sie im Halbfinale auf die Polin Weronika Baszak, 17, die derzeit in der Jugend-Weltrangliste auf Platz 44 steht. Zum Vergleich: Vecic rangiert auf Position 41. Es dürfte also ein ausgeglichenes Match werden.

Im zweiten Halbfinale stehen sich die Chinesin Zhuoxuan Bai (17 Jahre, ITF-Ranking 28) und Victoria Jimenez Kasintseva (14 Jahre alt, ITF-Ranking 19) aus Andorra gegenüber. Die Konkurrenz ist komplett offen, die großen Favoritinnen sind schon alle ausgeschieden. Zum Beispiel die topgesetzte Französin Elsa Jacquemot, die – genau – gegen Alexandra Vecic in der zweiten Runde verlor.

Sollte Vecic tatsächlich die ganz große Überraschung gelingen, würde sie Heike Rusch beerben, die 1993 als bislang einziges deutsches Mädchen den Juniorinnen-Titel in Melbourne holte. Rusch schlug damals übrigens in einem deutschen Endspiel Andrea Glass.

Aber jetzt steht für Vecic zunächst das Halbfinale an, was für sich genommen schon ein riesiger Erfolg für die Spielerin aus dem Porsche Talent-Team ist. Ihre Begegnung ist als zweites Match nach 5:00 Uhr (deutscher Zeit) am Freitagmorgen auf Platz 5 angesetzt.

Edit: In einer vorherigen Version schrieben wird, dass Alexandra Vecic das Kurpfalzgymnasium in Mannheim besucht. Diese Information war falsch! Vecic ist Schülerin am Privatgymnasium Weinheim. Wir haben die Fehler entsprechend korrigiert.