Belgium v Great Britain: Davis Cup Final 2015 – Day One

Clijsters‘ fragwürdiges Comeback

Kim Clijsters, vierfache Grand Slam-Siegerin und ehemalige Nummer eins, verkündete, dass sie 2020 auf die WTA-Tour zurückkehren wolle. Doch ist die mittlerweile 36-Jährige immer noch in der Lage, mit den aktuellen Spielerinnen zu konkurrieren?

Fast acht Jahre sind vergangen, seit Kim Clijsters ihr Karriereende 2012 verkündete. Zu dieser Zeit belegte die Belgierin Position 20 in der Weltrangliste. Grund für den Rücktritt waren vor allem die Verletzungsprobleme der vorherigen Monate. 2011 beendete sie bereits nach den French Open im Juni ihre Saison wegen Handgelenksproblemen. Bei ihrem Wiedereinstieg 2012 erreichte sie nochmals das Halbfinale der Australian Open. Anschließend war das Warten auf weitere Erfolge vergeblich, weshalb sie sich für einen Rücktritt entschied.

Zwischen Familie und Tennis

Mittlerweile ist die vierfache Grand Slam-Siegerin 36 Jahre alt und glückliche Mutter dreier Kinder. Acht Jahre lang lag ihr Fokus ausschließlich auf ihrer Familie. Ein Comeback auf die Tennistour schien für Clijsters schier unmöglich. „Mein Leben ist jetzt hier zuhause und mit meinen drei Kindern, mein Jüngster braucht mich am meisten. Ich habe Tennis nicht als diesen Teil meines Lebens gesehen“, erklärte sie ihre Situation in einem Podcast der WTA. Erst nach einem Familien-Ausflug zu den Australian Open und einem Gespräch mit ihrer elfjährigen Tochter Jada schien der Gedanke an ein Comeback nicht weiter verwerflich.

Aber wie einfach ist ein Wiedereinstieg in der Position von Kim Clijsters als dreifache Mutter, Ehefrau und nach fast acht Jahren Pause? Erst nachdem ihr zweijähriger Sohn zur Kindergrippe gehen konnte, nahm sich die 36-Jährige wieder mehr Zeit für sich und suchte bei regelmäßigen Fitnesseinheiten ihren Ausgleich. Sie gesteht, dass sie zuvor „hier und da“ etwas trainiert habe, allerdings ohne Konstanz. Mittlerweile fühle sie wieder mehr Energie, seit sie wieder beständig trainiert.

Reicht Clijsters‘ Fitness aus?

Vorerst will Clijsters sich auf die Fitnesseinheiten konzentrieren. Unterstützung erhält sie hierbei von ihrem ehemaligen Fitnesscoach Sam Verslegers. Ihren Kampfgeist hat die 36-Jährige definitiv noch nicht verloren: „Es fällt mir erstaunlich leicht, im Training zu kämpfen und mich durchzubeißen.“ Ebenso wird ihr aber bewusst sein, dass der Einstieg nicht einfach werden wird. Besonders unter Betrachtung der aktuellen Spielform der Top 100-Spielerinnen. In acht Jahren kann sich einiges ändern.

Clijsters verfügte über ein kluges und kraftvolles Spiel und rückte durchaus gerne ans Netz vor. Durch schnelle und kurze Ballwechsel konnte sie insgesamt 41 Turniere für sich entscheiden. Wenn man sich aber die aktuelle Spielweise der Damen anschaut, stellt man fest, dass mittlerweile vor allem auch die Defensivqualitäten, wie zum Beispiel bei Simona Halep und Elina Svitolina, gefragt sind. Kurze Ballwechsel gehören mehr und mehr der Vergangenheit an. Spielerinnen wie Angelique Kerber zeigten immer wieder, dass Matches auch durch die eigene Fitness gesteuert werden können.

Nach drei Kindern und acht Jahren Pause kann man der Belgierin nun auch nicht verübeln, dass ihr Körper nicht mehr auf dem alten Level ist. Aber um annähernd das Leistungsniveau der Top 100-Spielerinnen zu erreichen, wird ein weiter Weg vor Clijsters liegen. Auch Martina Navratilova erkennt diese Problematik. „Es wird immer schwieriger, besonders wenn man so lange Zeit nicht gespielt hat“, erklärt die 18-fache Grand Slam-Siegerin, die bei ihrem Comeback in ihren Vierziger-Jahren hauptsächlich in der Doppel- und Mixed-Konkurrenz aktiv war.

Melbourne 2019: Clijsters im Legenden-Doppel.

Nicht das erste Comeback

Jedoch hat Clijsters auch mehrfach gezeigt, wie ein erfolgreiches Comeback aussehen kann. Wegen verschiedenen Verletzungen pausierte sie 2004 für zehn Monate. Als sie 2005 wieder auf die Tour zurückkehrte, gewann sie die US Open und kämpfte sie sich gleich wieder unter die besten zehn Spielerinnen. 2007, mit 23 Jahren, trat sie erstmals vollständig zurück, um sich Zeit für ein neues Leben zu nehmen. Noch im gleichen Jahr heiratete sie den Profi-Basketballer Bryan Lynch. Ein Jahr später kam Tochter Jada zur Welt. 2009 folgte dann die große Rückkehr. Als Mutter nahm sie, dank einer Wildcard, an den US Open teil. Nach Siegen über Venus und Serena Williams und im Finale gegen Caroline Wozniacki entschied sie das Grand Slam-Turnier für sich. Bis 2012 folgten zwei weitere Major-Titel sowie ein kurzer Aufenthalt an der Weltranglistenspitze.

Ob sie solche Comebacks wiederholen kann, bleibt trotzdem fragwürdig. Denn diesmal ist ihre Rückkehr auch mit vielen Sorgen verbunden. Denn das Tour-Leben bedeutet auch private Veränderungen für die Familie. Nicht nur, dass Clijsters weniger zu Hause sein wird, mit ihr wird auch ihre Familie wieder in den Fokus der Medien rücken. Besonders für ihre drei Kinder wird das eine enorme Herausforderung werden.

Noch in Topform: Clijsters 2012 beim Fed Cup gegen Tschechien.

Ein enger Turnierplan steht deshalb nicht zur Debatte. Clijsters möchte weiterhin so flexibel sein, um auch kurzfristig zu Hause mitwirken zu können. Sie ist sich ebenfalls sicher, dass sie auch nur mit freiem Kopf spielen könne, wenn in ihren eigenen vier Wänden alles organisiert ist.

Ob Clijsters allerdings gleich zu Beginn des neuen Jahres wieder auf der Tour zu sehen ist, lässt sie offen. Denn einsteigen will sie erst, wenn sie sich auch wirklich bereit fühlt. „Mal sehen, ob ich meinen Körper wieder in Form bringen kann, um auf einem Level zu spielen, auf dem ich gerne spielen möchte. Ich muss erst mal sehen, ob mein Körper das alles mitmacht“, erklärt sie.

Drei Monate bleiben Clijsters und ihrem Mann nun, um den Einstieg und das Tour-Leben genauestens zu planen. Eins ist aber sicher für die dreifache Mutter: „Selbst wenn es nicht so funktioniert, hat sich der Prozess gelohnt, um zu meiner guten Routine zurückzufinden.“