BNP Paribas Open – Day 9

„Lex Isner“: Nur noch ein Aufschlag für Zwei-Meter-Riesen?

Stehen John Isner, Ivo Karlovic, Reilly Opelka und Kevin Anderson ab 2020 schwere Zeiten bevor? Die ATP plant eine revolutionäre Regeländerung.

Als Rod Laver im September 2018 vor dem Laver Cup auf Twitter zum modernen Herrentennis befragt wurde, stellte die australische Tennislegende fest: „Das Spiel hat sich verändert wegen der Größe der Spieler. Wenn ich gegen Isner spielen würde und als Returnspieler seinen Kickaufschlag gegenüberstehe, dann würde er über meinen Kopf gehen. Irgendwann müssen sie es erlauben, dass jeder eine faire Chance hat zu spielen. Vielleicht bekommen sie nur einen Aufschlag.“

Die ATP hat sich die Kritik zu Herzen genommen und plant mit Beginn der Saison 2020 eine Regel-Revolution. Für Spieler mit einer Körpergröße ab zwei Metern gilt dann: Sie haben nur noch einen Aufschlag zur Verfügung. Das beschloss die ATP in einer konstruktiven Sitzung am Rande des ATP-Masters-1000-Turniers in Miami. „Wir mussten handeln. Längere Ballwechsel in Matches mit Zwei-Meter-Spielern wurden immer weniger. Das konnte nicht so weitergehen. Die Zuschauer wollen mehr Tennis sehen“, sagte der zum Jahresende scheidende ATP-Präsident Chris Kermode.

Vier aktuelle Top-100-Spieler von Regel betroffen

„Der Vorschlag muss noch vom ATP-Board abgesegnet werden. Wir hoffen, dass zum Wohle des Tennissports entschieden wird“, ergänzte Kermode, der in seiner Amtszeit stets offen für revolutionäre Regeländerungen war. Ex-Wimbledonfinalist Wilhelm Bungert kommentierte vor Kurzem zur Entwicklung im Herrentennis: „Früher konnte man zuschauen und mitdenken. Heute gibt es nur eins: drauf, drauf, drauf. Heute schaue ich mir lieber ein Damenmatch als ein Herrenmatch an.“

Von der geplanten Regel wären vier aktuelle Top-100-Spieler betroffen: Ivo Karlovic (2,11 Meter), Reilly Opelka (2,11 Meter), John Isner (2,08 Meter) und Kevin Anderson (2,03 Meter). Diego Schwartzman, mit 1,70 Meter der kleinste Spieler auf der ATP-Tour, begrüßte die geplante Regeländerung der ATP. „Endlich wird etwas getan. Ich muss mich stets abmühen, um Punkte zu gewinnen. Andere Spieler servieren aus dem zehnten Stockwerk und haben dadurch einen entscheidenden Vorteil.“

Schwartzman (1,70) sauer nach Niederlage gegen Opelka (2,11)

Schwartzman scheiterte in Miami am Aufschlaggewitter von Opelka und war nach der Niederlage sauer, da das Match zwischenzeitlich auf Wunsch von Opelka gestoppt wurde, weil sich der 2,11-Meter-Riese nicht imstande sah, aufgrund der reflektierenden Sonne zu servieren. „Er ist zu groß. Wenn der Spieler ein Problem hat, kann er stoppen – das ist anscheinend eine neue Regel. Das ist nicht fair. Ich habe so etwas noch nicht gesehen“, kritisierte Schwartzman.

Neben dem kleinen Argentinier freut sich auch der Moldawier Radu Albot (1,75 Meter) über den Vorstoß der ATP. „Es ist eine sinnvolle Maßnahme, um mehr Chancengleichheit herzustellen.“ In Fachkreisen wird die neue Aufschlagregel bereits als „Lex Isner“ bezeichnet. Mit seinen Rekordmatches in Wimbledon 2010 gegen Nicolas Mahut (70:68 im fünften Satz) und 2018 gegen Kevin Anderson (26:24 für Anderson im fünften Satz) hatte der US-Amerikaner maßgeblichen Anteil daran, dass es in Wimbledon im fünften Satz nun einen Tiebreak ab 12:12 gibt. Die vielen Tiebreaks, die Isner und weitere Aufschlagriesen wie Karlovic und Opelka in ihren Matches spielen, haben nun zum Umdenken geführt.

Isner: „Was soll der Mist?”

Isner, der in Miami auf dem Weg Ins Miami-Finale neun Tiebreaks gewann, reagierte auf der Pressekonferenz nach der bitteren Niederlage gegen Roger Federer erzürnt über den Regelvorstoß der ATP. Zunächst die Fußverletzung, die ihn zu Ende des Matches behinderte, direkt im Anschluss erfuhr der US-Amerikaner von den Regelplänen. „Was soll dieser Mist? Ich habe mich über das College in die Weltspitze im Tennis gespielt. All meine harte Arbeit soll nun durch diese dusselige Regel zunichtegemacht werden. Die ATP sollte mal darüber nachdenken, dass Spieler wie Ivo, Reilly und ich ebenfalls Nachteile haben, weil wir so groß gewachsen sind. Ich bin traurig“, echauffierte sich Isner. Der 2,11-Meter-Mann kündigte an. „Wenn diese Regel im nächsten Jahr tatsächlich eingeführt wird, dann werde ich umso mehr beweisen, dass ich viel mehr bin als ein Aufschlagriese.“

Achtung! Bei dieser Meldung handelt es sich natürlich um einen Aprilscherz von uns…



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