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Konnten Dubai verlassen: Daniil Medvedev und Andrej Rublev. Bild: IMAGO

Medvedev und Rublev: Endlich raus aus Dubai – per Privatjet

Tagelang sitzen schon Tennisprofis und ihre Teams in Dubai fest. Daniil Medvedev und Andrey Rublev sind nun rausgekommen. 

Seit dem Wochenende hält das Thema die internationale Tennisszene auf Trab: Eine Reihe von Tennisprofis mit ihren Teams und Familien, einige Offizielle der ATP-Tour sowie ein paar Tennis-Journalisten aus aller Welt hängen in Dubai fest. Durch den eskalierenden Nahost-Konflikt und der Sperrung des Luftraums über dem Flughafen von Dubai können sie die arabische Halbinsel nicht verlassen. Nun aber sollen Daniil Medvedev, Andrey Rublev und Karen Khachanov es auf ihrem eigenen Weg geschafft haben, aus Dubai wegzukommen.

Ihre Reiseroute soll sie zunächst über den Landweg ins Nachbarland Oman zum Flughafen von der Hauptstdt Maskat geführt haben. Von dort ging es weiter per Privatjet nach Istanbul, danach folgte ein Linienflug nach Los Angeles. Das russische Trio würde es auf diesem Weg tatsächlich noch rechtzeitig zum Masters-1000er-Event nach Indian Wells schaffen. Weil alle drei Profis zu den gesetzten Spielern in dem 96er-Feld zählen und in der ersten Runde ein Freilos haben, werden sie voraussichtlich erst am Samstag ihren ersten Einsatz haben.

Mutter von Rublev: „Sie haben Istanbul erreicht“

Rublevs Mutter, Marina Marinenko, gab gegenüber der russischen Nachrichtenagentur RIA Novosti einige Details zu der Reise ihres Sohnes bekannt: „Ich warte darauf, dass Andrey mich anruft, wenn er in Istanbul angekommen ist. Sie sind am Dienstag um 16 Uhr aus dem Oman abgeflogen, und ich warte auf einen Anruf, wenn sie in Istanbul ankommen, von wo aus die Jungs nach Los Angeles weiterfliegen werden. Sie sagten, der Flug würde sechs Stunden und 30 Minuten dauern.“ Später fügte sie noch hinzu: „Sie haben Istanbul erreicht.“

Für die Doppelspezialisten Harri Heliovaara und Henry Patten scheiterte ein ähnlicher Versuch, um aus Dubai wegzukommen. Darüber berichtet Heliovaara, der mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Dubai ist, in seinem auf finnisch geschriebenen Blog. Die Reise-Route sollte ihn und seine Mitreisenden per Mietwagen nach Maskat in den Oman führen. Von da sollte es mit einem Linienflug nach Jeddah, Saudi-Arabien, gehen. Dann weiter nach London und schließlich nach Helsinki. Gesamtreisezeit: 36 Stunden. Doch die Reisegruppe kam nicht weit: Das gemietete Auto war zu klein und an der Grenze zum Oman gab es massive Probleme. Schließlich kehrten sie um und fuhren zurück nach Dubai ins Hotel – was für ein Trip.

Medvedev und Rublev: Auf dem Weg nach Los Angeles

Heliovaara und Co. waren auf eigene Faust unterwegs – vor allem, um Geld zu sparen. Die Reise, die Medvedev, Rublev und Khachanov unternahmen, kostet bis zu 350.000 Euro – pro Person. Es sind geführte SUV-Konvois und gecharterte Privatflieger, die vor allem für sehr wohlhabende Reisende eine inzwischen wohl durchaus gängige Option darstellen, um aus Dubai rauszukommen. Laut einem Bericht der US-Nachrichtenseite Semafor werden diese Reisen von speziellen Dienstleistern organisiert: Sicherheitsfirmen übernehmen Transport, Visabeschaffung und Koordiantion der Learjets. Weil die Anfragen anscheinend so hoch sind, treibt es die Preise immer weiter in die Höhe. „Die logistische Kette wirkt wie ein temporärer Exodus der Super-Reichen“, bilanziert Semafor.

„Auch wir haben die Anmietung eines Privatjets in Betracht gezogen, und die russischen Spieler, die mehrere Umwege in Kauf nehmen mussten, schafften es schließlich über Maskat. Aber auch sie hatten keine einfache Reise“, schreibt Heliovaara. „Allerdings sind die Preise mit mehreren Zehntausend Euro pro Sitzplatz astronomisch hoch.“ Letztlich gelang es dem Finnen, Tickets für einen der seltenen Flüge aus Dubai zu bekommen. Der Flieger sollte am Mittwochmorgen nach Mailand starten. Ob Heliovaara mit Familie und Doppelpartner nun wirklich wegkam, ist derzeit noch unklar.

Challenger in Fujairah wurde abgesagt

Unterdessen hat sich die Gruppe der in den Vereinigten Arabischen Emiraten gestrandeten Tennisprofis vergrößert. Denn: Das Challenger-Turnier in Fujairah, 120 Kilometer östlich von Dubai am Golf von Oman gelegen, ist nach einem ernsten Zwischenfall gestern inzwischen komplett abgesagt worden. Am Dienstag wurden Spieler, Ballkinder und Schiedsrichter von den Plätzen geholt. Die Evakuierungsmaßnahme war nötig geworden, weil ein iranischer Vergeltungsangriff auf die Hafenstadt zwar abgewehrt werden konnte, Trümmerteile einer abgeschossenen Drohne aber ein Öl-Depot in Brand setzten.

Die Challenger-Spieler erhielten eine Mail vom Turnierveranstalter, in der die Absage bestätigt wurde. Zudem wurde ihnen in Aussicht gestellt, dass sie für 5.000 Euro Chancen auf einen Flug nach Europa hätten: „Die ATP plant möglicherweise einen Charterflug am Donnerstag, den 5. März, von Maskat nach Mailand. Abflug ist um 15:00 Uhr mit Zwischenstopp in Ägypten. Die Kosten betragen 5.000,- Euro pro Person.“

ATP-Angebot ist eine Frechheit

Schnell gingen Screenshots des Briefs in den sozialen Medien viral, viele Spieler halten das Reise-Angebot für eine „Frechheit“. Der französische Profi Laurent Lokoli schrieb auf X: „Dass die Absage des Turniers so lange gedauert hat, ist schon schwer nachzuvollziehen, aber dass dann auch noch ein Charterflug für 5.000 € pro Spieler angeboten wird, lässt einen daran zweifeln, ob ihnen die finanziellen Schwierigkeiten der Spieler außerhalb der Top 250 überhaupt bewusst sind. Unglaublich!“

Marat Sharipov, ein russischer Profi mit dem aktuellen Ranking von 276, schrieb voller Ironie auf Instagram: „Danke @atpchallenger, dass ihr uns einen Charterflug für NUR 5.000 Euro organisiert habt! Das ist zwar etwas mehr als das Preisgeld nach Steuern für den Turniersieg, aber ich weiß diese Geste sehr zu schätzen!“

Die Mail des Turnierveranstalters weckte aber auch den Argwohn der Spieler. Viele konnten nicht glauben, dass die Mail echt war. Insofern sah sich die ATP dazu gezwungen, eine „klärende“ E-Mail zu verschicken. Darin wies sie darauf hin, dass der Flug nicht von der ATP organisiert werde, sondern dass sie „verfügbare Reisemöglichkeiten mit Drittanbietern prüft und relevante Informationen an die Spieler weitergibt, sobald diese verfügbar sind. Alle identifizierten Chartermöglichkeiten werden unabhängig betrieben, und die Teilnahme ist völlig freiwillig. Wir beobachten die Verfügbarkeit von kommerziellen Flügen und alternative Abflugrouten“.

Zwei-Klassen-Gesellschaft auf der ATP-Tour

Wirklich zufrieden dürften die Profis mit dieser Mail auch nicht sein. Die meisten Profis, die beim Challenger in Fujairah am Start waren, stehen jenseits der Top 200. Für sie sind Flugkosten in Höhe von 5.000 Euro ein erheblicher finanzieller Aufwand. Ein Spieler wie der Japaner Renta Tokuda, der im Hauptfeld von Fujairah stand und die  Nummer 317 der Weltrangliste ist, kommt auf aktuelles Preisgeld für die laufende Saison von knapp 3.000 Euro.

Und so zeigt sich am Beispiel Dubai die Zwei-Klassen-Gesellschaft der Tennisprofis. Etablierte Top-Kräfte können sich – wenn es hart auf hart kommt – einen Privatjet gönnen. Andere können sich nicht einmal womöglich gut gemeinte, aber teure Reiseangebote von der ATP-Tour leisten.

Bleibt die Frage, warum es nicht möglich ist, dass ein präsenter Top-Sponsor der ATP-Tour – die Airline Emirates nämlich – nicht dazu in der Lage ist, in dieser Krisen-Situation mit einem günstigen Flug zu helfen. Es wäre eine Top-Headline für alle Beteiligten: „Emirates bringt Tennisprofis sicher aus dem Krisengebiet.“

EDIT: Harri Heliovaara hat mit Familie und Doppelpartner Henry Patten inzwischen Dubai verlassen können und ist in Mailand gelandet. Mittwochabend sei er in Helsinki, schrieb er in einem Blog-Update.