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Warum Naomi Osaka ihren Grand Slam-Sieg nicht genießen kann

US-Open-Siegerin Naomi Osaka hat erstmals seit dem Finalsieg gegen Serena Williams über ihre Wahrnehmung des Erfolges und die endbrandete Debatte um die Schiedsrichterentscheidungen gegen ihre Finalgegnerin gesprochen.

von Piet Bosse

Ein Grand Slam Finale steht immer für sich; Es erzählt seine eigene Geschichte. Das diesjährige Endspiel der US-Open war gleich aus zwei Gründen ein ganz besonderes: Naomi Osaka als erste japanische Grand-Slam-Siegerin und Serena Williams Clinch mit Schiedsrichter Carlos Ramos. Letzterer zog sehr viel Aufmerksamkeit auf sich, löste eine Sexismus-Debatte aus und überschattete den historischen Triumph Naomi Osakas.

Die 20-jährige Grand Slam-Siegerin spielte nach ihrem Sieg von New York das Heimatturnier in Tokio, wo sie erst im Finale Karolina Pliskova unterlag und kämpft nun in Peking um wichtige Punkte, um sich einen der noch sechs offenen Startplätze bei den WTA-Finals in Singapur zu sichern. Mittlerweile hat sie genug gesammelt und ist sicher qualifiziert.

Naomi Osaka: Bittersüße Erinnerungen wie Eis aus grünem Tee

Im Laufe des Turniers äußerte sich die zurückhaltende Japanerin erstmals über die Wahrnehmung ihres Triumphes von New York – und das nicht ausschließlich positiv: „Die Erinnerung an die US Open sind bittersüß. In den folgenden Tagen wollte ich nicht daran denken, weil es nicht unbedingt meine besten Erinnerungen sind.“

Einen Reporter fragte sie, ob er schon einmal Speiseeis mit grünem Tee–Geschmack gegessen habe und führte aus: „Wenn man reinbeißt, schmeckt es süß aber auch sehr stark, so fühlt sich die Erinnerung für mich an.“

Für gewöhnlich sind Grand-Slam-Titel die Karriere-Höhepunkte eines jeden Tennisprofis, gerade der erste Sieg löst besonders freudige Emotionen aus. Nicht so bei Osaka, die schon während der Siegerehrung im Arthur-Ashe-Stadium fast entschuldigend daherkam, und im Moment ihres größten Erfolges unter Pfiffen des amerikanischen Publikums leiden musste.

Die Diskussion über Williams habe sie laut eigener Aussage versucht komplett auszublenden: „Ich habe mein Handy ausgeschaltet und versucht, alles drum herum nicht wahrzunehmen. Ich war dabei und habe meine eigene Version der Wahrheit.“ Das Heim-Turnier in Tokio sei gut gewesen um sich abzulenken, so Osaka, die sich nun auf die kommenden Aufgaben konzentrieren möchte, um nicht bloß an einem für sie nicht ganz genießbaren Grand-Slam-Sieg gemessen zu werden.

Lesen Sie HIER unser Portrait über Osaka


  1. Joseph

    Nicht Stuhlschiedsrichter Carlos Ramos hat die sogenannte „Sexismus-Debatte“ initiiert.
    Dieser hat sich absolut korrekt und regelkonform gemäß den Statuten – wie auch von der ITF bestätigt – verhalten.

    Einzig und allein Serena Williams hat dieses „Faß aufgemacht“, und damit den (bisher) schönsten Moment der klar überlegenen US-Open-Siegerin Naomi Osaka getrübt.

    Hinzu kommt, daß die Präsidentin der United States Tennis Association (USTA) Katrina Adams im Verlauf der Siegerehrung vor dem Publikum auch noch bedauert, daß Williams nicht gewonnen hat…


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