Sabalenka mit neuem Grand Slam-Rekord: Sogar besser als Djokovic
Es passiert nicht oft, dass Novak Djokovic eine Rekordmarke auf Grand Slam-Level verliert. Aber Aryna Sabalenka hat ihn in Sachen Tiebreaks nun überholt.
Mitarbeit: Casper von Wissel
Und plötzlich kommt Nicolas Kiefer ins Spiel. Es war die dritte Runde vom Wimbledon-Turnier 2007 und der Deutsche spielte gegen Novak Djokovic. Es waren noch die „Rookie“-Jahre von Djokovic, der zu diesem Zeitpunkt erst sein elftes Grand Slam-Turnier absolvierte. Zur Einordnung: Die Australian Open 2026, wo der Serbe aktuell wieder im Viertelfinale steht, sind sein 81. Major. Jedenfalls hatte Djokovic gegen Kiefer den ersten Satz im Tiebreak gewonnen und stellte damit einen Rekord in der Open Era auf: Er hatte nun 19 Tiebreaks auf Grand Slam-Level hintereinander gewonnen. Was diese Leistung noch außergewöhnlicher machte: Es waren die ersten 19 Tiebreaks seiner Karriere, die Djokovic in den Hauptfeldern der vier Grand Slam-Turniere bisher gespielt hatte.
Australian Open 2026: Alle Infos zu Spielern, Preisgeld und TV
Australian Open 2026: Preisgeld durchbricht erstmals magische Marke
Besondere Aufmerksamkeit bekam die Statistik damals aber nicht. Vor fast 20 Jahren kümmerte sich die Tenniswelt noch wenig um solche „Zahlenspielchen“. Dabei hätte man anhand dieser 19:0-Bilanz durchaus gewisse Rückschlüsse auf die mentalen Fähigkeiten jenes Mannes ziehen können, der im Laufe seiner Karriere 24 Grand Slam-Titel einsammeln sollte – bislang. Vielleicht erinnert sich Djokovic nun dunkel an das Wimbledon-Match von 2007 gegen Nicolas Kiefer zurück., weil nämlich auch der zweite Satz in einem Tiebreak mündete. Dieses Mal aber verlor ihn der Djoker mit 6:8. Es wäre der 20. erfolgreich absolvierte Tiebreak auf Grand Slam-Level in Serie gewesen, was im aktuellen Kontext durchaus relevant ist.
Sabalenka mit 3:0 Tiebreaks in Melbourne
Denn: Seit ihrem 6:1, 7:6-Sieg im Achtelfinale von Melbourne gegen Victoria Mboko ist Aryna Sabalenka nun das neue „Tiebreak-Mastermind“ im Welttennis. Sie hat es als erster Profi in der Open Era geschafft, 20 Tiebreaks hintereinander auf Grand Slam-Level zu gewinnen, auch weil Nicolas Kiefer damals in Wimbledon die Serie von Djokovic beendet hatte. Bedanken muss sich Sabalenka beim Deutschen deswegen aber nicht. Es ist vor allem ihr Verdienst, in den entscheidenden Momenten auf den größten Tennisbühnen so stabil bleiben zu können. Bei den Australian Open 2026 hat sie insgesamt schon drei Tiebreaks gewonnen, weil sie das Drittrundenmatch gegen Anastasia Potapova mit 7:6, 7:6 gewann.
Ihren letzten Tiebreak auf Grand Slam-Ebene gab Aryna Sabalenka vor gut zweieinhalb Jahren ab: im Halbfinale von Roland Garros 2023. Sabalenka verlor damals gegen Karolina Muchova mit 6:7, 7:6, 5:7 nach 3:13 Stunden. Es war ein denkwürdiges Match, in dem Sabalenka schon mit 5:2 im dritten Satz geführte hatte. Wer sich das Ergebnis genau anschaut, wird feststellen: Sabalenka verlor damals zwar ihren letzten Grand Slam-Tiebreak, gleichzeitig begann aber auch ihre wundersame Tiebreak-Serie, die bis heute anhält.
MOST CONSECUTIVE TIEBREAKS WON AT SLAMS:
19 – Djokovic (2005-07), SABALENKA* (2023-26)
*active streak pic.twitter.com/uaxxXVGAPH
— Bastien Fachan (@BastienFachan) January 23, 2026
Was bei ihr grundsätzlich auffällt: Viele der gespielten Tiebreaks sind eigentlich „überflüssig“ und resultieren aus einer vergebenen Satzführung. Beispiel Mboko: Sabalenka führte 6:1, 5:3 und hatte später bei eigenem Aufschlag zwei Matchbälle. Mboko aber zwang sie noch in den Tiebreak, den Sabalenka dann wiederum herausragend spielte und mit 7:1 gewann. Beispiel Potapova: Im ersten Durchgang hatte sie bei einer 6:5-Führung drei Satzbälle; im zweiten Durchgang lag Sabalenka 4:0 vorne und servierte bei 5:4 zum Matchgewinn – beide Male ging es über den Tiebreak. Es spricht natürlich für sich, dass Sabalenka dann immer noch die Kurve kriegt und die Sätze im Schlussspurt gewinnt. Ihre Erklärung dafür lautet: Tiebreaks würden sie dazu zwingen, noch konzentrierter und fokussierter zu Werke zu gehen. Während eines Satzes würde sie das nicht immer schaffen.
Sabalenka nun gegen Jovic
In der Nacht von Montag auf Dienstag (ab 1.30 Uhr deutscher Zeit) kann Sabalenka ihre Tiebreak-Bilanz bei Grand Slam-Turnieren noch weiter ausbauen, wobei sie vermutlich nicht traurig darüber sein würde, wenn sie gegen die 18-jährige Iva Jovic keinen Tiebreak bräuchte. Jovic ist die große Überraschung im Damenfeld, auch wenn sich ich allmählicher Durchbruch schon 2025 angebahnt hatte. In Melbourne präsentiert sie sich bisher erstaunlich dominant. Noch kein Satzverlust, erst 17 Spiele abgegeben und einen Tiebreak gewonnen.
Dass Novak Djokovic nun einen Grand Slam-Rekord weniger hat, dürfte er verkraften. Auf X jedenfalls antwortete er auf einen Roland Garros-Post zur neuen Bestmarke von Sabalenka mit einem imaginären Augenzwinkern: „Ich bin gerade verärgert.“
