2018 US Open – Day 13

Serena Williams: „Ich weiß nicht, wer das ist“

Nach ihrem Erstrunden-Match am Montag bei den US Open wurde Serena Williams nach Schiedsrichter Carlos Ramos gefragt, der sie im vergangenen Jahr im Finale der US Open drei Mal verwarnt hatte. 

2018 kämpfte sich Serena Williams über die Deutsche Carina Witthöft, ihre Schwester Venus, Kaia Kanepi, Karolina Pliskova und Anastasia Sevastova bis ins Finale der US Open, wo schließlich die junge Japanerin Naomi Osaka wartete. Doch die Endrunde verlief entgegen aller Erwartungen. Williams wirkte bereits im ersten Satz etwas nervös. Hier unterliefen ihr gleich vier Doppelfehler. Die Verzweiflung der sechsmaligen US Open-Gewinnerin wurde besonders durch ihren Lautstärke-Pegel spürbar. Letztendlich bekamen die Zuschauer statt spannenden Ballwechseln dramatische Szenen neben dem Platz zu sehen.

 

Wegen unerlaubtem Coaching erhielt Serena Williams eine erste Verwarnung. Einsichtig zeigte sie sich jedoch nicht: „Ich betrüge nicht, um zu gewinnen. Da verliere ich lieber“, entgegnete die ehemalige Nummer eins dem Schiedsrichter Carlos Ramos aus Portugal. Als sie wenige Minuten später aus Frust einen ihrer Schläger zerschlug, kassierte sie die zweite Verwarnung und damit einen Punktabzug. Beleidigt griff sie den Unparteiischen verbal an: „Du schuldest mir eine Entschuldigung. Ich habe eine Tochter, ich betrüge nicht.“

Williams erhebt Sexismusvorwürfe gegen Carlos Ramos

Aber damit nicht genug. Bei der Amerikanerin staute sich der Frust über den Verlauf ihres Matches sowie die Wut über Ramos an. Bei einem nächsten Seitenwechsel beschimpfte sie den Portugiesen als Dieb: „Du hast mir einen Punkt gestohlen!“ Diese Aussage zwang Ramos dazu, Williams ein Spiel abzuziehen. Daraufhin brach sie in Tränen aus: „Das ist nicht fair. Nur, weil ich eine Frau bin.“ Letztendlich ging der Fokus auf das eigentliche Finalspiel verloren. Nach 79 Minuten gewann die damals 20-jährige Naomi Osaka ihren ersten Grand Slam-Titel mit einem 6:2, 6:4-Sieg. Während des ganzen Matches ließ sich die Japanerin nicht von der Dramatik neben des Platzes beeindrucken, blieb ruhig und ihrem Spiel treu.

Wenig beeindruckt: Naomi Osaka lässt sich nicht aus der Ruhe bringen und sichert sich ihren ersten Grand Slam-Titel.

In der Pressekonferenz nach dem dramatischen Finale unterstellte Williams dem Schiedsrichter ungerechte Behandlung: „Ich habe andere Männer gesehen, die andere Dinge zu anderen Schiedsrichtern gesagt haben“, erklärte sie. „Ich bin hier, um für Frauenrechte, Gleichberechtigung und all das zu kämpfen. Ich habe ihn als Dieb bezeichnet, weil er mir ein Spiel weggenommen hat, das fühlt sich für mich sexistisch an. Einem Mann hätte er dafür nie ein Spiel weggenommen.“

Ich weiß nicht, wer das ist.

Knapp ein Jahr später, nach ihrem Erstrundensieg mit 6:1, 6:1 über Maria Sharapova wurde Serena Williams nun erneut auf den Schiedsrichter angesprochen, der bei den diesjährigen US Open kein Match von Williams schiedsen wird. Diesmal reagierte sie entgegen aller Erwartungen der Journalisten: „Ich weiß nicht, wer das ist.“ Ob das so ganz die Wahrheit ist, steht wohl in den Sternen. Aber Fakt ist: Vergessen haben dürfte Williams das spektakuläre Finale aus 2018 mit Sicherheit nicht.