John McEnroe Tennis Academy

Serve & Drive in New York: Die große Vision von John McEnroe

Ein Roadtrip in New York. In dieser Woche steuert tennis MAGAZIN die Tennis-Hotspots in der Stadt, die niemals schläft, an. Heute haben wir die John McEnroe Tennis Academy besucht.

Quizfrage: Wo wurde John McEnroe geboren? In den USA? Falsch! „Big Mac“ kam in Wiesbaden zur Welt. Sein irisch-stämmiger Vater war in Hessen am Militätstütpunkt der Luftwaffe stationiert. Wäre in Deutschland die gleiche Regelung wie in den USA, hätte McEnroe auch die deutsche Staatsbürgerschaft inne. Denn alle Personen, die auf dem Boden der USA geboren wurden, erhalten automatische die amerikanische Staatsbürgerschaft. Für McEnroe ging es bereits als Baby zurück in die USA – nach Douglastown im New Yorker Stadtteil Queens. Das Tennisspielen, und vermutlich auch das Fluchen, lernte das „Enfant terrible“ auf Long Island in der Port Washington Tennis Academy.

New York

Geduld ist gefragt im Straßenverkehr in Manhattan.

John McEnroe Tennis Academy: Grüne Oase im New Yorker Trubel

McEnroe ist New Yorker durch und durch (hier geht es zum ausführlichen Interview!). Der laute, bunte und schrille Big Apple passt wie die Faust aufs Auge zur ehemaligen Nummer eins der Welt. McEnroe lebt mit jeder Faser Tennis. Im Jahr 2010 hat er die John McEnroe Tennis Academy gegründet. 18 Millionen US-Dollar hat die Errichtung des großen Tenniskomplexes gekostet. Wir machen uns auf dem Weg von Manhattan, um uns ein Bild von der Akademie zu machen. Vom Times Square aus sind es nur knapp sieben Meilen bis zur Anlage. Allerdings: Man sollte viel Zeit einplanen. Aus der normalerweise 30-minütigen Fahrt kann schnell mal die dreifache Zeit werden. Eine Alternative zum Auto gibt es nicht. Vorbei an der Upper East Side und East Harlem erreichen wir die Robert F. Kennedy Bridge (benannt nach dem Bruder vom ehemaligen Präsidenten John F. Kennedy), die uns zum Randall‘s Island Parkt führt, wo die John McEnroe Tennis Academy ihr Zuhause hat.

John McEnroe Tennis Academy

Die Mitarbeiter der John McEnroe Tennis Academy nehmen einen herzlich in Empfang.

Nach der aufregenden Autofahrt durch Manhattan entert man eine neue Welt. Schluss mit der Hektik, herzlich willkommen in einer ruhigen, grünen Oase entfernt vom New Yorker Trubel. Als wir die Akademie betreten, läuft uns Tennisprominenz über den Weg: Jamie Murray, ehemals Nummer eins im Doppel und Bruder von Superstar Andy Murray, macht sich auf in Richtung Trainingsplatz. „Schön, dass ihr vom deutschen Tennismagazin zu uns gekommen seid“, sagt Jay Karl, Direktor der Akademie, mit der typischen amerikanischen Freundlichkeit bei der Begrüßung. „Dominic Thiem war heute auch hier zum Training. Gestern war Juan Martin del Potro auf der Anlage. Wir fühlen uns so geehrt, dass einige der besten Spieler der Welt zu uns kommen, um zu spielen. Die Spieler mögen die ruhige und private Atmosphäre. Die Williams-Schwestern und Caroline Wozniacki spielen hier regelmäßig“, berichtet Jay Karl stolz. „Schaut euch doch einfach mal auf der Anlage um.“ Ja, das machen wir!

John McEnroe Tennis Academy

Zehn grüne Sandplätze gibt es in der John McEnroe Tennis Academy.

Thiem, Rublev und Murray schwitzen in der Akademie

20 Plätze bietet die Akademie: zehn Plätze mit grünem Sand und zehn Hartplätze (fünf Hallen- und fünf Außenplätze) mit dem Deco Turf-Belag, auf dem die US Open ausgetragen werden. Ideale Trainingsbedingungen also für die Stars der Szene, um sich fit zu machen für das Grand Slam in New York. Als wir den Hauptplatz der Anlage, der mit einer großen Tribüne bestückt ist, begutachten, lässt sich Andrey Rublev gerade drillen: links, rechts, Vorhand, Rückhand in einem ultraschnellen Tempo. Der 20-jährige Russe stand im Vorjahr bei den US Open im Viertelfinale. Nebenan übt Jamie Murray mit seinem Doppelpartner Bruno Soares verschieden Doppelformationen. Die Akademie gleicht zudem einem Museum. Überall ist John McEnroe präsent: seine alten Holzschläger sind ebenfalls ausgestellt wie einige seiner Grand Slam-Pokale. Dazu viele Bilder, Plakate und Zeitungsausschnitte von den Höhepunkten seiner einzigartigen Karriere.

John McEnroe Tennis Academy

Andrey Rublev, Jamie Murray und Bruno Soares bereiten sich auf die US Open vor.

„Diese Akademie ist besonders. Vor allem weil John und Patrick McEnroe nicht nur Gründer der Akademie sind, sondern auch ihre Vision vor Ort betreuen“, erzählt uns Jay Karl. Die große Vision von John McEnroe: den nächsten großen Tennisstar aus New York finden, der in seine Fußstaßfen treten könnte. Die Mission der Akademie: in die Gemeinden gehen, wo Kinder nicht die Möglichkeiten und das Glück haben, Tennis spielen zu dürfen, sie zur Akademie bringen und ihnen Liebe zum Tennis vermitteln. „Was uns einzigartig macht, ist die Leidenschaft mit der jeder, der hier in der Akademie arbeitet, hinter unserer Mission steht. Die meisten von uns sind seit Beginn an dabei. Wir alle lieben Tennis, bei uns gibt es 365 Tage im Jahr Programm, vor allem für Kinder“, sagt Karl. Was an der Akademie besonders wichtig ist neben der ganzheitlichen Ausbildung als Tennisspieler in puncto Fitness und Athletik: Verhaltensweisen auch abseits des Platzes zu entwickeln. Das sei genauso wichtig wie auf dem Platz.

Plattform für eine erfolgreiche Tenniskarriere

„Wir ermutigen die Kinder, dass sie neben Tennis weitere Sportarten machen: Fußball oder eine andere Teamsportart. Wir möchten nicht zwingend, dass die Kinder sechs bis acht Stunden am Tag nur Tennis spielen. Unsere Akademie soll eine Plattform sein, dass die Kinder später für ihre Schule oder ihr College spielen und vielleicht eines Tages in einem großen Tennisstadion bei einem Grand Slam antreten. Noah Rubin und Jamie Loeb sind zwei von unseren ehemaligen Schülern, die auf der großen Grand-Slam-Bühne gespielt haben.“ Die Akademie ist offen für jedermann von 6 Uhr morgens bis 11 Uhr abends. Nicht nur, wer John McEnroe verehrt, macht mit dem Besuch in seiner Akademie alles richtig. Vielleicht hat man sogar Glück und der Meister persönlich ist selbst gerade auf seiner Anlage.

Auf der anderen Seite von Randall’s Island geht es weiter über die Robert F. Kennedy Bridge in den Stadteil Queens. Von hier sind es nur noch fünf Meilen zum großen Tennisfest in New York – den US Open. Viele Spieler, die in der John McEnroe Tennis Academy waren, werden im Billie Jean King National Tennis Center aufschlagen. Vielleicht sogar der zukünftige US-Open-Sieger.