The Australian Open – Day 5

Todd Reid, 34 Jahre alt: Tod des einstigen Wunderkindes

2002 gewann er den Junioren-Titel in Wimbledon und galt als große Hoffnung des australischen Tennis. Jetzt ist Todd Reid gestorben – mit nur 34 Jahren.

Die Bilder und Videos auf seinem Instagram-Account, den Todd Reid in diesem Sommer erst erstellt hat, zeigen einen meist ernst schauenden, gealterten Mann, der mal mit Freunden, mal mit Verwandten oder auch allein vor der Kamera steht. Sein letzter Eintrag, ein Videobeitrag, ist vom 13. Oktober. Man sieht Reid vor einem Lokal. Er sagt ein paar Sätze, die kaum verständlich sind.

Man erkennt auf diesen digitalen Schnipseln den Sportler Todd Reid nicht mehr. Jenen Jungstar, der 2002, mit 18 Jahren, den Junioren-Titel in Wimbledon gewann, nachdem er im Finale den Algier Lamine Ouahab bezwang. Und der 2004 im Herrenfeld der Australian Open nach einem Drama über fünf Sätzen den Armenier Sargis Sargsian schlug und sich in die Herzen seiner Landsleute spielte.

Wie nun am gestrigen Donnerstag bekannt wurde, fand man Reid am vergangenen Dienstag, den 23. Oktober, leblos in Melbourne auf. Zur Todesursache haben die zuständigen Behörden bisher keine Angaben gemacht. Es ist das traurige Ende eines Wunderkindes, das stets mit riesigen Erwartungshaltung einer tennisverrückten Sportnation zu kämpfen hatte.

Todd Reid: Mit 13 Jahren zu Nick Bollettieri

Reid galt schon früh als künftiger Tennisstar Australiens. IMG verpflichtete ihn mit zwölf Jahren. Mit 13 ging er zur berühmten Kaderschmiede von Nick Bollettieri nach Florida. Schon als Junior soll er knapp eine halbe Million australische Dollar durch Sponsoren verdient haben. Reid hielt zunächst das, was er versprach. 2002 erreichte er das Junioren-Finale von Melbourne, ein halbes Jahr später folgte der Junioren-Titel von Wimbledon. Da parallel auch noch Landsmann Lleyton Hewitt bei den Herren triumphierte, war der australische Tennis-Feiertag perfekt. Experten trauten Reid zu, the „next big thing“ vom fünften Kontinent zu werden. Die New York Times widmete ihm ein umfangreiches Porträt.

Todd Reid

SPIELTE EINMAL IM DAVIS CUP: 2004 gehörte Todd Reid zum „Team Australia“, als es gegen Marokko ging. Rechts neben ihm: der damalige Teamchef John Fitzgerald.

Und auch im Herren-Circuit stellten sich schnell erste Erfolge ein. 2004 rückte er bei den Turnieren von Adelaide und Sydney jeweils bis ins Viertelfinale vor. Dann das Highlight bei den Australian Open: Nach dem umkämpften Sieg gegen Sargsian durfte Reid in der dritten Runde gegen Roger Federer antreten – und verlor 3:6, 0:6, 1:6. Er wurde ins australische Davis Cup-Team berufen und schlug beim Masters in Kanada mit Gaston Gaudio den ersten (und auch einzigen) Top 10-Profi seiner Laufbahn. Mit Platz 105 im Ranking erreichte Reid seine höchste Platzierung in der Weltrangliste. Von da an ging es nicht mehr weiter nach oben.

Todd Reid unternahm nur zaghafte Comeback-Versuche

Reid wurde von zahlreichen Verletzungen und Krankheiten zurückgeworfen, so dass er sich gezwungen sah, seine kurze Profikarriere schon 2005 zu beenden. Zwar wagte er 2008 und zuletzt noch 2014 zaghafte Comeback-Versuche, aber die Erfolge blieben aus. Der Körper spielte einfach nicht mit. Oft musste er in seinen Partien vorzeitig aufgeben. Im Dezember 2008, nachdem Reid bei einem Future-Turnier in Perth unter anderem Marinko Matosevic und Bernard Tomic schlug, bemühte sich die renommierte australische Tennis-Journalistin Linda Pearce um ein Interview mit ihm – vergeblich. Sie schrieb dann aber doch eine Story über ihn. Überschrift: „Vergessen, aber noch nicht fertig“.

Nach dem Bekanntwerden der traurigen Nachricht steht die australische Tennis-Community unter Schock. Etliche Profis, Ex-Spieler und Funktionäre kondolierten schon via Twitter.