Vacherot dreht das Finale von Basel

Valentin Vacherot Bild: Imago

Gewann sein zweites ATP-Turnier in Basel: der Monegasse Valentin Vacherot.

Ein Jahr nach seinem Sensationstitel in Shanghai gewinnt Valentin Vacherot die Swiss Indoors – Nächste Station: ein brisantes Wiedersehen mit Novak Djokovic in Paris.

Lange sah es am Sonntag beim ATP-Turnier in Basel nicht nach einem Triumph für Valentin Vacherot aus. Der Monegasse gab im ersten Satz dreimal seinen Aufschlag ab und verlor ihn nach nur 33 Minuten mit 2:6 gegen Jiří Lehečka. „Ich hatte das Gefühl, gegen eine Ballmaschine zu spielen“, sagte er später. Dann kippte das Finale: Ein Break zum 3:1 reichte ihm im zweiten Durchgang zum 6:3, im dritten Satz nahm er dem Tschechen gleich das erste Aufschlagspiel ab.

Beim Stand von 5:3 führte Lehečka noch mit 40:15, doch Vacherot holte vier Punkte in Folge und nutzte nach knapp zwei Stunden seinen ersten Matchball zum 2:6, 6:3, 6:3. Es ist sein zweiter ATP-Titel und der erste eines Monegassen bei einem 500er-Turnier überhaupt. Zuvor hatte der ungesetzte 27-Jährige in Basel unter anderem Rafael Jódar, Holger Rune und Taylor Fritz ausgeschaltet. Nach Roger Federer und Novak Djokovic ist er erst der dritte Spieler, der sowohl in Shanghai als auch in Basel triumphieren konnte.

In der Weltrangliste klettert Vacherot von Rang 31 auf Platz 27 und kehrt damit in die Top 30 zurück. Die verpasste Titelverteidigung in Shanghai hatte ihn zuvor von seinem bisherigen Karrierehoch (Platz 14, Anfang Oktober) zurückgeworfen. Bei der Siegerehrung dankte er den Organisatoren für die Wildcard im Vorjahr: Trotz des damaligen Erstrunden-Aus sei ihm sofort klar gewesen, dass er wiederkommen werde. Nach dem Triumph nannte er Basel nun „wohl eines meiner Lieblingsturniere“.

Vacherot: Vom College-Spieler zum Masters-Champion

Wie weit sein Weg an die Spitze war, zeigt der Blick anderthalb Jahre zurück. Im April 2025 stand Vacherot auf Platz 259 der Weltrangliste und feierte in Monte-Carlo dank einer Wildcard seinen ersten Sieg auf der ATP-Tour – damals bereits 26 Jahre alt. Spitzentennis war lange Zeit weit weg. In der Junioren-Rangliste schaffte er es nie über Platz 440 hinaus. Statt des direkten Sprungs auf die Profitour entschied er sich für ein Studium und College-Tennis an der Texas A&M University.

Später warf ihn eine hartnäckige Schulterverletzung von Position 110 bis auf Rang 267 zurück. Noch im September 2025 scheiterte er beim Challenger in Saint-Tropez in der ersten Runde an der Nummer 317 der Welt.

Wenige Wochen darauf folgte das Tennis-Märchen von Shanghai: Als Nummer 204 rutschte Vacherot lediglich als Nachrücker in die Qualifikation, stand dort zwei Punkte vor dem Aus und gewann am Ende die gesamte Konkurrenz. Auf dem Weg zum Titel schlug er unter anderem Holger Rune sowie Novak Djokovic und bezwang im Endspiel seinen Cousin Arthur Rinderknech.

Kein niedriger platzierter Profi hat jemals ein Turnier der Masters-1000-Kategorie gewonnen. Vacherot katapultierte sich damals auf einen Schlag auf Platz 40. Es folgten das Halbfinale beim Masters in Monte-Carlo 2026 und der Vorstoß bis auf Rang 14, aber auch erneute Verletzungen, die ihn weite Teile der Sandplatzsaison und Wimbledon kosteten. Sein erklärtes Ziel für diese Saison lautete daher: ein weiterer Titel, um zu beweisen, dass der Coup von Shanghai keine Eintagsfliege war. Dieses Versprechen hat er in Basel eingelöst.

Wiedersehen mit Djokovic in Paris-Bercy

Zum Feiern bleibt allerdings kaum Zeit. Bereits am Dienstag trifft Vacherot zum Auftakt des Masters in Paris-Bercy erneut auf Djokovic. Da der Serbe diesmal an Position zehn geführt wird, bleibt ihm, anders als den Top 8 des Tableaus, das Freilos in Runde eins verwehrt.

Das bislang einzige Duell der beiden entschied der Monegasse für sich: Im Halbfinale von Shanghai behielt er mit 6:3, 6:4 die Oberhand, damals allerdings gegen einen sichtlich gehandicapten Djokovic, der sich mehrfach am Rücken behandeln lassen musste.

Diesmal steht für den 39-jährigen Grand-Slam-Rekordchampion ungleich mehr auf dem Spiel. Der siebenmalige Paris-Sieger kehrt nach zwei Jahren Pause an die Seine zurück und benötigt zwingend mindestens den Einzug ins Halbfinale, um seine Chance auf die Qualifikation für die ATP Finals in Turin zu wahren. Vacherot hingegen reist mit dem Rückenwind aus Basel an – und kann völlig befreit aufspielen.