Besser Spielen: Aufschlag. Tennis Magazin. Foto: Frank Molter

So wird Ihr Aufschlag richtig gut

Der Aufschlag ist der einzige Schlag, den Sie ausführen, ohne dabei vom Gegner beeinflusst zu werden. Dennoch kommt er im Training häufig zu kurz. Dabei können Sie auch ohne Trainer den perfekten Aufschlag üben. Wir zeigen Ihnen wie.

Fotos: Frank Molter

Die Spieleröffnung ist der einzige Schlag im Match, der unbeeinflusst vom Gegner gespielt wird. Mit dem Aufschlag kann man nicht nur einen direkten Punktgewinn erzielen, sondern auch den nächsten Schlag vorbereiten. Beispielsweise indem man den Gegner mit einem präzisen Rechtshänder-Slice-Aufschlag von der Einstand-Seite aus dem Feld drängt und somit das Feld öffnet. Den zurückkommenden Return versenkt man dann locker auf der freien Rückhand-Seite. 

Aufschlag: Ohne Trainer einfach üben

Um den Aufschlag taktisch klug einsetzen zu können, müssen einige Handgriffe trainiert werden. Denn auch wenn der Service von Roger Federer unverschämt geschmeidig und leicht aussieht, braucht es viel Zeit, um den komplexen Bewegungsablauf zu lernen.
Das Positive: Jeder kann das Service problemlos, auch ohne Trainer und Mitspieler, üben. Einfach einen Korb mit Bällen schnappen und aufschlagen, aufschlagen, aufschlagen. Dabei sind vorab vier Punkte zu beachten:

1. der richtige Griff,
2. die Pronation des Handgelenks,
3. der Ballwurf sowie
4. der vollständige Bewegungsablauf.

Sitzt eine dieser Techniken nicht, wird der Aufschlag nicht so schnell zu Ihren Stärken zählen. Aber beherrscht man ihn, lassen sich auch per Slice- und Kick-Aufschlag Variationen in Ihr Spiel integrieren. Ganz nach dem Motto der Antonio Valdes-Akademie „Turn passion into action“, zeigen die Akademie-Trainer Milo Quiroz und Niklas Albrecht, worauf Sie beim Aufschlag-Training achten müssen, um Ihre Gegner in den nächsten Partien mit einem guten Service zu überraschen.

1. Der richtige Griff

✅So sieht der richtige Griff aus.

Bevor überhaupt der optimale Aufschlag trainiert werden kann, ist die richige Griffhaltung essentiell. Denn der richtige Griff ist die Voraussetzung, um gut servieren zu können. Deshalb muss der häufig gesehene „Bratpfannen-Griff“ (siehe linkes Foto) dringend vermieden werden. Denn mit dieser Haltung ist die richtige Pronation des Handgelenks in den folgenden Schritten nicht mehr möglich. Richtig ist der sogenannte „Hammergriff“. Um diesen zu finden, hält man die Bespannung senkrecht zum Boden. Dann greift man von oben auf den Griff.

❌Falsch: Mit dem „Bratpfannengriff“ kann nicht richtig aufgeschlagen werden. Unbedingt vermeiden!

2. Die Pronation

Ein weiterer wichtiger Schritt der Aufschlagbewegung ist die Pronation des Handgelenks. Die Pronation ist das, was passiert, wenn der Schläger den Ball trifft und der Ball den Schläger verlässt. Damit dem Ball die gewünschte Richtung sowie der vorgesehene Drall mitgegeben werden kann, dreht sich das Handgelenk nach innen und klappt nach vorne ab. Um diese Bewegung zu üben, also die Pronation des Handgelenks, eignet sich eine Übung am Zaun.


Gestartet wird circa einen Meter vom Zaun entfernt. Die Spieler positionieren den Schläger so, dass der Ellenbogen in Richtung Zaun zeigt und die Schlägerfläche senkrecht zum Boden steht. Anschließend wird der Ball angeworfen. Ist der Ball am höchsten Flugpunkt angelangt, streckt der Spieler den Arm und dreht die Schlägerfläche so, dass die gelbe Filzkugel zwischen Schläger und Zaun gefangen wird. Durch den Widerstand des Zauns sind die Trainierenden gezwungen, das Handgelenk entsprechend aufzuklappen. Zur Steigerung der Übung kann beispielsweise mit dem Schläger hinterm Kopf gestartet werden. 

3. Der Ballwurf

Fußfehler und ein falscher Treffpunkt hängen meist mit dem Ballwurf zusammen. Mal ehrlich: Wie häufig trainieren Sie den Ballwurf separat von der Aufschlagbewegung? Dabei ist genau diese Übung effektiv und zielführend. Legen Sie den Schläger auf den Boden ins Feld und simmulieren Sie die Aufschlagbewegung. Wichtig ist die vollständige Streckung des Arms. Treffen Sie die Schlägerfläche ohne Fehler zehn Mal!

4. Die Bewegungssimulation

Um den vollständigen Bewegungsablauf abzuspeichern, sind Simulationsübungen effektiv. Hierbei können sich Spielerinnen und Spieler nicht nur Sprung und Landung einprägen, sondern auch die Aufschlagbewegung durch die Wurfsimulation mit dem Ball. Der Bewegungsablauf ist der Gleiche wie beim Aufschlag. Statt dem Ballwurf und dem anschließenden Schlag wird ein Tennisball, Softball oder Medizinball geworfen. Der Einsatz des Steppers soll die Bewegung nach oben und die Sprungkraft schulen.

Der gerade Aufschlag

Im Gegensatz zum Kick- oder Slice-Aufschlag liegt das Augenmerk des geraden bzw. flachen Aufschlags darin, Geschwindigkeit aufzubauen und den Gegner unter Druck zu setzen. Dadurch, dass dieses Service so gut wie keinen Drall hat, ist es möglich, dem Ball hohes Tempo mitzugeben. Grundsätzlich unterscheiden sich die drei Aufschlagvarianten im Ballwurf und Treffpunkt.

Beim geraden Aufschlag wird der Ball vor dem Körper angeworfen, während der Spieler schon tief in die Knie geht. Wenn er sich nach oben bewegt und mit beiden Füßen vom Boden abdrückt, wird der Schäger aus der sogenannten „Rucksack-Position“, also der Haltung bei der sich der Schläger hinter dem Kopf befindet (siehe drittes Bild der Serie), nach vorne gegen den Ball geführt. Dabei findet der Vorgang der Pronation statt, d.h. der Schläger dreht nach innen und das Handgelenk klappt ab. Optimalerweise befindet sich der Spieler in der Luft, wenn er den Ball trifft und landet anschließend auf dem linken Bein, während er den Schläger zur linken Hosentasche, bei Linkshändern zur rechten, führt.

Bild 1: Unter Spannung: Andres, Trainer der Valdes Akademie, wirft den Ball nach oben. Er geht in die Knie, um Energie aufzubauen. 
Bild 2: Aufwärtsbewegung: Der Spieler bewegt sich dem Ball entgegen. Dabei wandert der Schläger hinter den Kopf.
Bild 3: Im Rucksack: Bevor der Schläger in die Aufwärtsbewegung geht, fällt er hinter dem Kopf in die sogenannte „Rucksack-Haltung“.
Bild 4: Treffpunkt: Der Schläger bewegt sich dem Ball entgegen. Nachdem er vor dem Körper getroffen wird, klappt das Handgelenk ab.
Bild 5: Ausschwung: Im letzten Schritt wandert der Schläger zur linken Hosentasche. Gleichzeitig landet der Spieler auf dem linken Bein.

Geschwindigkeit gerade Aufschlag:

Das gerade Service war bei Andres die schnellste Variante. Bei 20 Aufschlägen erzielte er im Durchschnitt 168 km/h. Das Ziel ist, mit hoher Geschwindigkeit einen direkten Punktgewinn zu erzielen.

Der Kick-Aufschlag

Aus technischer Sicht handelt es sich beim Kick-Aufschlag um die schwierigste Aufschlagvariante, da großer Armeinsatz und eine ausgeprägte Streckung des Oberkörpers nötig sind. Auch der Ellenbogen wird hier stark belastet. Dennoch kann der Kick-Aufschlag optimal als Variante für den zweiten Aufschlag eingesetzt werden. Entgegen des geraden Aufschlags wird der Ball hier etwas versetzt nach hinten links angeworfen (bei Linkshändern nach hinten rechts), sodass er über dem Kopf getroffen wird. Mit einer explosiven Schlagbewegung nach vorne gibt der Spieler dem Ball eine Vorwärts- und Seitwärtsrotation mit, die der Gegner nach dem Aufspringen zu spüren bekommt. Denn auf der gegnerischen Seite beschleunigt der Ball und springt hoch ab. Für den returnierenden Spieler stellt das eine Herausforderung dar, da der Treffpunkt nun höher als gewohnt und sehr unangenehm ist. Der Aufschläger selbst erhöht mit dieser Variante die Sicherheit seines Spiels.

Zwar ist der Kick-Aufschlag etwas langsamer, generiert aber durch die höhere Flugkurve des Balls mehr Sicherheit. Besonders bei Aufschlägen von der Vorteilseite (bei Rechtshändern) kann diese Variante genutzt werden, indem man an den äußeren Rand des T-Felds serviert und dadurch den Gegner aus dem Feld treibt.

Bild 1: Treffpunkt: Der Ball wird, leicht nach links versetzt, über dem Kopf getroffen.
2: Drall: Durch den veränderten Treffpunkt wird dem Ball Vorwärts- und Seitwärtsrotation mitgegeben.
3: Auffällig: Die Bewegung des Kick-Aufschlags ist für den Gegner leicht zu lesen. Dennoch ist der Return eine Herausforderung.

 

Treffpunkt Kick-Aufschlag

Beim Kick-Aufschlag ist der Treffpunkt nicht vor dem Körper, sondern über dem Kopf und leicht nach links versetzt. Aus technischer Sicht ist diese Variante die Schwierigste, da großer Armeinsatz gefragt ist. 

Geschwindigkeit Kick-Aufschlag

Zwar ist der Kick-Aufschlag nicht der schnellste, dennoch stellt er den Gegner vor die schwere Aufgabe, dem starken Vorwärts- und Seitwärtsdrall entgegen zu wirken. (Im Durchschnitt servierte Andres mit 139 km/h.)

Der Slice-Aufschlag

Das Augenmerk des Slice-Aufschlags liegt nicht auf der Geschwindigkeit, sondern auf dem Drall. Hier wird der Ball etwas versetzt nach rechts geworfen (Linkshänder würden seitlich nach links werfen). Dann wird der Schläger von hinten gegen den Ball geführt, sodass er ihn seitlich „wischt“. Dadurch fliegt der Ball in einer seitlich krummen Flugkurve nach links. Nach dem Absprung im gegnerischen Feld rutscht er in einer Seitwärtsrotation weg. 

Auch wenn der Slice-Aufschlag keine hohe Geschwindigkeit generiert, kann er optimal als zweiter Aufschlag eingesetzt werden. Er verschafft dem Aufschläger Zeit, sodass er sich in eine optimale Ausgangsposition bringen kann. Besonders beim Service von der Einstandseite kann der Gegner mit einem Aufschlag zur äußeren T-Feld-Linie aus dem Feld getrieben und die Rückhand-Seite geöffnet werden. Schlägt man von der Vorteilseite auf, eignet sich ein Slice-Aufschlag nach Innen, zum „T“ hin, um den Gegner in die Mitte zu bewegen. Diese Taktik ist ausschließlich für Rechtshänder geeignet.

Im Großen und Ganzen profitieren von dieser Aufschlagvariante Serve-and Volley-Spieler, da sie sich genug Zeit verschaffen, ans Netz vorzurücken (etwa im Doppel). Auf schnellen Belägen (Teppich in der Halle) kann der Slice-Aufschlag für den returnierenden Spieler sehr unangenehm werden. Deshalb steigt seine Bedeutung besonders in der Wintersaison. 

Bild 1: Nach Rechts: Statt vor dem Körper oder links vom Kopf sind Ballwurf und Treffpunkt nach rechts versetzt.
Bild 2: Mit Schnitt: Andres streift den Ball mit der Schlägerfläche. Dadurch gibt er ihm Seitwärtsrotation mit auf den Weg.
Bild 3: Krumme Flugkurve: Durch den seitlichen Anschnitt fliegt der Ball in einer seitlich krummen Kurve nach links.

 

Treffpunkt Slice-Aufschlag

Beim Slice-Aufschlag ist der Treffpunkt leicht versetzt rechts neben dem Kopf.  So kann dem Ball die gewünschte Seitwärtsrotation mitgegeben werden, um den Gegner aus dem Feld zu treiben.

Geschwindigkeit Slice-Aufschlag

Durchschnittlich hatte der Slice-Aufschlag bei Andres die niedrigste Geschwindigkeit (117 km/h). Er eignet sich gut für Serve-and Volley-Spieler, um ans Netz vorzurücken.

Experten-Team

Milo Quiroz
Gründer der Valdes Akademie, ist lizensierter A-Trainer mit 14 Jahren Coaching-Erfahrung. Er zählte ehemals zu den Top 20-Spielern der nationalen Rangliste in seinem Heimatland Chile. Als Teil der USTA arbeitete er mit mehreren Top 10- Spielerinnen und -spielern der WTA- und ATP-Tour zusammen.

Niklas Albrecht
Leiter der Valdes Akademie, ist lizensierter B-Trainer. Als Spieler nahm er an ITF-Juniorenveranstaltungen und Future-Events teil. Mittlerweile betreut er als Cheftrainer mehrere Tennisclubs in Norddeutschland und begleitet Junioren zu internationalen ITF-Turnieren.