Skyline New York City

Serve & Drive in New York: Big, Bigger, Big Apple

Laut, bunt und schrill: New York gilt als Hauptstadt der Welt. Wir haben die besten Tennisspots im und um den Big Apple besucht. 

Times Square

Magnet: Jeden Tag strömen mehr als 360.000 Besucher zum Times Square.

Tag 1: Von NYC nach New Haven

Rund 80 Meilen (128 Kilometer) sind es vom Stadtkern in New York City bis nach New Haven (130.000 Einwohner), unser erstes Ziel auf unserer Reise zu den Tennisspots in und um New York. Für amerikanische Verhältnisse sind 80 Meilen ein Katzensprung. Doch der Berufsverkehr in der Stadt, die niemals schläft, ist mörderisch. Nahezu unberechenbar. Es geht nur im Schneckentempo voran. Für eine kurze Strecke, für die normalerweise 15 Minuten eingeplant sind, braucht man oft zwei Stunden. Geduld und gute Straßenkenntnisse für etwaige Umwege sind gefragt. Wir steuern das Connecticut Tennis Center an, nahe der weltberühmten Yale University. Hier schlagen in der Woche vor den US Open einige der Topspielerinnen auf. Das Premier-Event in New Haven gehört zu den Sahnestücken auf der WTA-Tour. Nur drei WTA-Events, die nicht als kombiniertes Turnier mit den Herren gespielt werden, haben mehr Zuschauer als New Haven, unter anderem der Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart. Das Turnier hat seinen besonderen Charme auch deswegen, weil es ein gemeinnütziges Event ist. „Es gehört der Tennis Foundation von Connecticut. Unsere Mission ist es, Weltklassedamentennis wirksam dafür einzusetzen, damit es ökonomische Auswirkungen auf unsere Gemeinde hat. Unser Turnier erzeugt mehr als zehn Millionen Dollar für die Region“, berichtet Turnierdirektorin Anne Worcester stolz über ihr „Baby“.

Riesenschüssel: Der Centre Court in New Haven ist das drittgrößte Tennisstadion in den USA. 15.000 Zuschauer passen rein, wenn man alle Ränge öffnet.

Anne Worcester

Powerfrau: Anne Worcester ist seit 1998 Turnierdirektorin beim WTA-Turnier in New Haven. 1994 wurde sie mit 34 Jahren die jüngste und bis dato erste Frau an der Spitze der WTA-Tour.

Tag 2: Der versteckte Court

Ein Tennisplatz mitten im Bahnhof? So etwas kann es nicht geben! Doch, in New York ist alles möglich. Wir fahren nach Manhattan zur Grand Central Station. 750.000 Leute passieren jeden Tag den wichtigsten Verkehrsknotenpunkt der Stadt. Wir sind zu Besuch im Vanderbilt Tennis Club, einem der exklusivsten Tennisclubs der Welt mit einem außergewöhnlichen Court. Seit 1965 wird im Grand Central Terminal Tennis gespielt. Nachdem der Club 25 Jahre lang im Privatbesitz von Donald Trump war, kann hier seit 2011 jeder den Schläger schwingen. Beim ersten Besuch des Clubs ist es ratsam, sich den genauen Weg zu notieren. Denn die Grand Central Station ist riesig. Trainer Mel nimmt uns herzlich in Empfang und zeigt uns die Besonderheiten, unter anderem der Mini-Court. Hier kann man  anhand einer Ballmaschine seine Schlagfertigkeiten üben.  „Ich bin seit 20 Jahren Tennistrainer und habe an vielen Orten gearbeitet. Dieser Club ist der außergewöhnlichste Ort, an dem ich je trainiert habe“, erzählt Mel. Recht hat er! Wer in New York ist, sollte hier unbedingt vorbeischauen.  

Vanderbilt Tennis Club

Einzigartig: Der Vanderbilt Tennis Club befindet sich im vierten Stock in der Grand Central Station.

Vanderbilt Tennis Club

Schweißtreibend: tM-Redakteur Christian Albrecht Barschel testet die beeindruckende Ballwand.

Spielen bei McEnroe

Vom Vanderbilt Tennis Club zur John McEnroe Tennis Academy, sind es nur 6,5 Meilen. Allerdings: Auch hier ist wieder Geduld gefragt im New Yorker Straßenverkehr. Wer zur Akademie der McEnroe-Brüder, John und Patrick, möchte, ist auf das Auto angewiesen. Vorbei an der Upper East Side und East Harlem erreichen wir die Robert F. Kennedy Bridge (benannt nach dem Bruder vom ehemaligen Präsidenten John F. Kennedy), die uns zum Randall‘s Island Park führt, wo die John McEnroe Tennis Academy ihr Zuhause hat. Kurz nach dem Betreten läuft uns Tennisprominenz über den Weg: Jamie Murray, ehemals Nummer eins im Doppel, ist hier, um sich auf die US Open vorzubereiten (er gewinnt später die Mixedkonkurrenz). Und auch Youngster Andrey Rubley trainiert. „Ihr habt Dominic Thiem verpasst. Er hat hier heute gespielt. Gestern war Juan Martin del Potro auf der Anlage“, berichtet Jay Karl, Direktor der Akademie, stolz. „Diese Akademie ist besonders. Vor allem weil John und Patrick McEnroe nicht nur Gründer der Akademie sind, sondern auch ihre Vision vor Ort betreuen“, sagt Karl. Die Vision: den nächsten New Yorker Tennisstar finden nach den McEnroes. Die Akademie ist offen für jeden Tennisspieler und gleicht einem Museum. Überall ist „Big Mac“ präsent. Mit etwas Glück trifft man John McEnroe sogar persönlich auf der Anlage.

John McEnroe Tennis Academy

Grüner Spaß: In der John McEnroe Tennis Academy auf Randall‘s Island wird unter anderem auf Har-Tru Classic Green Clay gespielt.

Tag 3: Das Rasenmekka

Wir machen uns auf den Weg zu einem weiteren Hotspot im Raum New York. 20 Meilen von Manhattan entfernt liegt der Orange Lawn Tennis Club. Warum Orange? Weil der Club in der Stadt South Orange, einer idyllischen und etwas verschlafenen Kleinstadt im Bundesstaat New Jersey liegt. Clubmanager Stephen Wolsky nimmt uns sofort in Empfang, als wir auf die Anlage vorfahren. „Ihr seid bestimmt vom tennis MAGAZIN“. Man hat uns bereits erwartet. Der Orange Lawn Tennis Club, 1880 gegründet, soll laut Wolsky der zweitälteste Tennisclub in den USA sein – nach Newport, wo sich die International Tennis Hall of Fame befindet. Dieses Jahr haben vier Tennisliebhaber den Club übernommen und wollen den alten Glanz wiederherstellen. Hier hat die Crème de la Crème des Tennissports gespielt: John McEnroe, Jimmy Connors, Rod Laver, Chris Evert, Billie Jean King. Sie alle gingen in South Orange auf Titeljagd. „Wir sind einer von nur 14 Clubs in den USA mit Rasenplätzen“, berichtet Eric Fromm, Trainer im Club und ehemaliger Profi. Fromm, früher die Nummer 46 der Welt, erzählt Anekdoten von seiner Zeit in der deutschen Tennis-Bundesliga mit Damir Keretic & Co. „Ich bin in meinem ganzen Leben in Tennisclubs gewesen. Dieser Club ist so, wie ein Verein sein sollte“, schwärmt Fromm.

Orange Lawn Tennis Club

Idyllisch: Der Besuch beim Orange Lawn Tennis Club ist wie eine Reise in die Vergangenheit.

Orange Lawn Tennis Club

Tradition: Im Club wird viel Wert auf Etikette gelegt. Weiße Kleidung ist auf Rasen Pflicht.

Tag 4: Spielen, wo Federer trainiert

New York ist nicht nur, die Stadt, die niemals schläft, sondern auch die Stadt, die immer spielt. Und zwar im Central Park. Wer kostengünstig Bälle schlagen möchte, ist in der grünen Lunge New Yorks goldrichtig. 15 US-Dollar pro Stunde kostet die Platzmiete. Wer länger in New York weilt, sollte sich den Jahrespass sichern, mit dem man nicht nur jederzeit im Central Park, sondern auf allen 600 öffentlichen Plätzen in New York spielen kann. 100 Dollar kostet der Pass für Erwachsene, 20 Dollar für Personen über 62 Jahre und nur zehn Dollar für Jugendliche bis 17 Jahre. Ein starkes Angebot. Die 30 Plätze sind zu Stoßzeiten meist alle belegt. Großer Andrang herrscht im Central Park. Auf eine Regel wird besonders geachtet: „Bitte denken Sie daran, dass nur drei Bälle pro Platz erlaubt sind“, tönt es aus dem Lautsprecher. Da die Plätze nicht durch Zäune abgetrennt sind, fliegt der Ball gerne einmal auf den gegenüberliegenden Platz. Und auch der „Maestro“ hat hier schon gespielt. Roger Federer trainerte während der US Open 2017 auf einem der vier Hartplätze im Central Park und sorgte für einen Massenauflauf. Als „extrem coole Erfahrung“ bezeichnete Federer sein außergewöhnliches Training im Central Park, der zweimal so groß ist wie das Fürstentum Monaco. Nach dem Spielen lohnt sich ein Blick in den Tennishop. Hier kann man das eine oder andere Schnäppchen machen. Ein Besaitungsservice wird auch angeboten. 

Central Park New York

Must-Play-Stopp: Einen Tennisplatz im Central Park sollte man im Voraus buchen. Die Wartezeiten sind lang.

Am Wasser gebaut

New York ist die teuerste Stadt der USA, vor allem in Manhattan sind die Preise immens hoch. Das wird an jeder Ecke deutlich, sei es beim Einkaufen von Lebensmitteln, beim Besuch im Restaurant oder bei den Wohnungsmieten. Der Traum vom Leben in einer der schillerndsten Städte der Welt ist schon oft am nötigen Kleingeld geplatzt. Es gibt in New York aber auch kostenlose Dinge, die man unbedingt in Anspruch nehmen sollte. Pflicht bei einem New York-Besuch ist die Fahrt mit der Fähre auf dem Hudson River nach Staten Island vorbei an der Freiheitsstaue und einem Wahnsinnsblick auf die Skyline von Manhattan. Kostenloses Tennisspielen im teuren New York ist sogar auch möglich – im Hudson River Park. Direkt neben dem Fluss, wo Pilot Chesley Sullenberger im Januar 2009 eine spektakuläre Notwasserung gelang, laden im Greenwich Village drei stylische blaue Hartplätze zum Spielen ein. Da die Plätze kostenlos sind, ist Geduld gefragt. Der Andrang ist groß. Die Spieldauer ist auf eine Stunde begrenzt. Professionelle Trainingsstunden sind nicht erlaubt. Hier ist nur Gratis-Spaß angesagt.  

Hudson River Park Tennis Courts

Geheimtipp: Das kostenlose Bespielen der Tennisplätze ist bei New Yorkern sehr beliebt. Man muss allerdings Wartezeit in Kauf nehmen.

Rutschspaß im Park

Vom Central Park Tennis Center sind es nur zwei Meilen bis zu den nächsten lohnenswerten Public Courts in Manhattan. Mit dem Auto ist man schnell im Riverside Park in der Upper West Side, per Fußwegweg braucht man rund eine halbe Stunde. Die Anlage an der 119. Straße bietet zehn Hartplätze mit Flutlicht. Während das Spielen in den vielen privaten und kommerziellen Tennisclubs in New York für den normalen Tennisspieler exorbitant teuer ist (eine Stunde kostet locker über 100 Dollar), bieten die vielen öffentlichen Tennisplätze die weitaus günstigere Alternative für den preisbewussten Spieler. Mit dem Jahrespass für 100 Dollar lohnt sich das Courthopping in New York auf jeden Fall. Auch hier gilt:  Wer spielen möchte, muss Wartezeiten in Kauf nehmen. Einige Autominuten weiter im Riverside Park befindet sich die zweite Anlage im Park – benannt nach Oscar Higuelos, einem New Yorker Schriftsteller und Pulitzerpreis-Gewinner. Hier gibt es eine echte Rarität in New York: rote und gut gepflegte Sandplätze. Beim Rutschen auf der Asche  kommen schnell heimische Gefühle auf. 

Riverside Park Tennis

Spielen am Flußufer: Im Riverside Park kann man sowohl auf Hartplatz als auch auf roten Sandplätzen Bälle schlagen.

Tag 5: Hart, härter, US Open

Unser Road Trip neigt sich dem Ende entgegen. Die US Open stehen an. Wir wollen Turnieratmosphäre schnuppern und düsen in Richtung Corona Park in Flushing Meadows. Hier steht das Billie Jean King National Tennis Center, seit 1978 Heimat der US Open. Das letzte Grand Slam-Turnier des Jahres ist in vielerlei Hinsicht besonders. Hier wurde 1970 zum ersten Mal der Tiebreak bei einem „Major“ gespielt. Seit vielen Jahren gibt es bei den US Open den ultimativen Showdown, sofern es so weit kommt: Tiebreak im finalen Satz. Die anderen Grand Slam-Turniere überlegen, ob sie dem Vorbild der US Open folgen sollen. 1996 musste sich Pete Sampras im Viertelfinale im entscheidenden Tiebreak gegen Alex Corretja übergeben – gewann das Match und das Turnier. Ohne den Tiebreak hätte es diese Erfolgsgeschichte vielleicht nicht gegeben. Mit dem Ortswechsel von Forest Hills nach Flushing Meadows im Jahr 1978 ging auch ein Belagwechsel einher. Davor wurden die US Open viele Jahrzehnte auf Rasen ausgetragen – und drei Jahre lang auf Sand. Jimmy Connors gelang das einmalige Kunststück, das Turnier auf allen drei Bodenbelägen zu gewinnen. Wer die US Open gewinnen möchte, muss hart im Nehmen und resistent gegen Lärm sein. Immer wieder fliegen Flugzeuge vom benachbarten LaGuardia Airport über die Anlage. Laute Musik dröhnt ständig auf der Anlage. Die Zuschauer sorgen auf den Rängen für einen Höllenlärm, vor allem im Arthur Ashe Stadion, der größten Tennisschüssel der Welt (23.771 Plätze). Das Motto „Quiet please“ funktioniert in New York nicht. Hinzukommen die schwülwarmen Bedingungen wie in einer Waschküche, die den Spielern alles abverlangen.  „Es gibt hundert Turnier auf der Welt – und dann gibt es die US Open“, sagte Boris Becker einst über das Grand Slam-Turnier in New York, das er 1989 gewinnen konnte. Die US Open spiegeln die Stadt New York wider: laut, bunt und schrill. Eine Reise zum Turnier: ein Muss für jeden Tennisliebhaber! 

Spielen wie die Stars: Das US-Open-Feeling ist auch außerhalb der Turnierwochen erlebbar. Im Billie Jean King National Tennis Center kann jeder spielen.

Unisphere

Wahrzeichen: Die Unisphere, die Weltkugel im Corona Park, ist ein beliebtes Fotoobjekt beim Besuch der US Open.