Tennis – Olympics: Day 8

Kolumne Sandplatzgötter: Kopfnoten

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Schlechte Verlierer, böse Zuschauer – darüber mokiert sich das Web gerne. Oft zu Unrecht wissen die Sandplatzgötter aus Erfahrung.

Noch bevor Angelique Kerber mit der Silbermedaille von Rio dekoriert wurde, waberte ein Vorwurf durch die Facebook-Kommentarspalte der Sandplatzgötter: Nicht ordentlich hätte Angie Siegerin Monica Puig gratuliert. Keine Umarmung, keine Küsschen, keine Tränen. Nur ein schnöder Händedruck.

Pech für Kerber: Bei Olympia entfällt die auf der Tour obligatorische Dankesrede für die Verliererin. Dabei wird ebenso obligatorisch behauptet, dass die Niederlage gegen die heutige Gegnerin die schönste überhaupt sei, da es sich um die netteste Kollegin auf der Tour handele. Eine missratene Gratulation am Netz wird so regelmäßig ausgeglichen. Andererseits wird auch euphorisches Mitfreuen mit Argwohn betrachtet.

Als wir Sandplatzgötter in der Silber-Nacht von Rio darüber nachdachten, dass Kerber doch Anfang des Jahres in Melbourne tollen Anschauungsunterricht bei Serena Williams nehmen konnte, wie man nach einer Niederlage in einem großen Finale noch mehr Sympathiepunkte sammeln kann, wurde uns Naivität attestiert.

„Die spielt das doch nur“, hieß es über Williams. Oder, falls sie es doch nicht spielt: „Mit so vielen Erfolgen im Rücken fällt das auch leicht“. Williams kann bei vielen sowieso wenig richtig machen. Erstens ist sie kein schlankes blondes Mädchen mit Pferdeschwanz und zweitens auch noch penetrant erfolgreich – Frechheit. Also, Schauspielunterricht nimmt sie nicht. Und ob sich nach vielen großen Titeln die Enttäuschung schneller legt, wenn man ein Finale verliert, bezweifeln wir angesichts der traurigen Augen von Roger Federer nach vergleichbaren Pleiten.

Besondere „Heimatliebe“ in Rio und Paris

Kopfnoten für das Betragen werden aber längst nicht mehr nur an Profis während (motzen & Schläger werfen) und nach den Matches (gratulieren & nett gucken) verteilt. Auch das Verhalten der Zuschauer auf den Tribünen wird kritisch beäugt. Gut, in Rio durften Spieler nichtbrasilianischer Herkunft tatsächlich nur atmen und geradeaus gucken, ohne ausgebuht zu werden. Wer diese Art der Heimatliebe aber als rein südamerikanisches Phänomen eines tennisunerfahrenen Publikums abtut, kennt die französischen Fans in Roland Garros nicht.

Und auch hier gilt: Egal, was der Zuschauer macht – es kann ab einem gewissen Maß nach hinten losgehen. Als John Isner 2013 Gael Monfils bei den US Open in New York besiegte, hätte er ein glücklicher Mensch sein sollen. Stattdessen mokierte er sich darüber, dass sich das US-Publikum an der spektakulären Spielweise seines Gegner erfreute, ihn sogar anfeuerte.

Wir Sandplatzgötter sind doch froh, dass unsere Medenspiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Mangels Fans wird niemand ausgebuht. Auf Platz fünf hört uns auch niemand nach jedem Ballwechsel in Murray-Manier lamentieren, und die Mimik beim Händedruck wird auch nicht fotografisch zur späteren Bewertung festgehalten. Wahrscheinlich gucken wir dabei aber auch nicht besonders mürrisch, weil wir immer daran denken, dass der Sieger seinem Gegner im Anschluss ein Pils ausgibt.

Vielleicht sollten Kerber und Puig beim gemeinsamen Urlaub in Puerto Rico einfach zusammen Bier trinken.

Kolumne Sandplatzgötter

REINE SANDPLATZGÖTTER: Die Medenmannschaft vom TC RW Möllen (Niederrhein) spielt seit Jahrzehnten zusammen. 2016 treten sie in der Herren 30-Bezirksliga an.

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