Alexander Bublik – Australian Open

Alexander Bublik ist in der Form seines Lebens und inzwischen Top-10-Spieler.Bild: Imago

Alexander Bublik: Ohne Junkfood und Coca-Cola in die Top 10

Alexander Bublik ist einer der Geheimfavoriten auf den Titel bei den Australian Open. Das liegt vor allem an der Veränderung seiner Einstellung zum Tennis.

Von 82 auf Platz 10 – in elf Monaten. Alexander Bublik ist in der Form seines Lebens. Der 28-jährige Kasache ist Mr. Unberechenbar auf der ATP-Tour und ein Paradebeispiel dafür, wie schnell sich im Tennis alles drehen kann – sowohl in die negative als auch in die positive Richtung.

Alexander Bublik dachte an Karriereende

Im März 2025 nach der Auftaktniederlage in Indian Wells war Bublik am Tiefpunkt angelangt. Ihm drohte der Sturz aus den Top 100. Sein Trainer Artem Suprunov riet ihm, vor dem Challenger-Turnier in Phoenix einen Roadtrip nach Las Vegas zu machen, um auf andere Gedanken zu kommen. „Er sagte: ‚Wenn du so weitermachst, sind wir bis Wimbledon aus dem Tennis raus.‘ Ich sagte: ‚Okay, lass uns nach Las Vegas fahren.‘ Wir genießen. Wir wechseln den Schläger. Wir haben viele Dinge getan. Ich sagte: ‚Okay, wenn es klappt, dann klappt es. Wenn nicht, vielen Dank, Tennis‘“, erzählte Bublik.

Es klappte! Bublik erreichte in Phoenix das Finale und drehte sein Jahr in eine positive Richtung. Es folgten der Challenger-Titel in Turin, die Viertelfinalteilnahme bei den French Open sowie die Triumphe bei den ATP-Turnieren in Halle/Westfalen, Gstaad, Kitzbühel und Hangzhou.

„Ich bin im Ranking abgestürzt und wusste nicht, warum. Danach in Paris ins Viertelfinale zu kommen und in Halle den Titel zu gewinnen, ist mehr als ich mir in meinen wildesten Erwartungen vorgestellt habe. Es ist ein großes Comeback“, sagte Bublik ungläubig und voller Stolz nach seinem Titelgewinn in Halle/Westfalen.

Weiterhin variantenreich, aber deutlich stabiler

Bublik gewann 2025 als einziger Spieler in diesem Jahrzehnt neben Carlos Alcaraz und Novak Djokovic Titel auf Hartplatz, Sand und Rasen innerhalb einer Saison. Jahrelang war der Kasache für seine Devise „Alles oder Nichts“ bekannt – unberechenbares Angriffstennis, zweite Aufschlägen mit über 220 km/h, riskanten Stoppbällen und Aufschläge von unten. Doch inzwischen hat Mr. Unberechenbar ernst gemacht, sein Risikomanagement immer mehr in den Griff bekommen und vor allem an seiner Einstellung gearbeitet.

Die vielen Erfolge im Vorjahr waren für Bublik Bestätigung. „Ich habe versucht, mein variantenreiches Spiel zu erhalten, aber deutlich stabiler aufzutreten. Ich habe das Training etwas verändert. Dadurch ist zum Beispiel meine Vorhand besser geworden. Gerade auch im Spiel auf Sand. Ich habe mir auf Challenger-Turnieren Selbstvertrauen geholt und habe mich durch Qualifikationen gekämpft. Meine körperliche Fitness habe ich auch verbessert. Zudem hilft mir ein Schlägerwechsel ganz enorm. Um mein Racket leichter zu machen, haben wir sogar Gewicht abgeschliffen – auf 291 Gramm“, sagte er gegenüber tennis MAGAZIN.

Tennis ist nun eher Arbeit für Alexander Bublik

Anfang 2026 erfüllte sich Bublik dann seinen großen Traum, den er fast schon aufgegeben hatte. Dank des Turniersiegs in Hongkong, seinen fünften ATP-Titel innerhalb von sieben Monaten, katapultierten ihn erstmals in die Top 10. Auch bei den Australian Open macht Bublik bislang einen hervorragenden Eindruck. Zwei Siege in drei Sätzen, auch bei Rückständen lässt er sich nicht, wie häufig in der Vergangenheit, hängen, sondern versucht alles, um im Satz zu bleiben.

„Ich bin ein bisschen reifer geworden. Ich betrachte es eher als Arbeit. Ich bin hierher gekommen, um etwas zu erreichen. Ich bin hierher gekommen, um Matches zu gewinnen. Ich bin hierher gekommen, um alles zu tun, was in meiner Macht steht, ohne gegen die Regeln oder gegen den Kodex eines Gentlemans zu verstoßen, um den Sieg zu erringen. Also versuche ich zu kämpfen. Ich versuche, die Bälle zurückzuholen. Das ist die Mentalität, die ich mir seit letztem Jahr angeeignet habe“, sagte Bublik nach seinem Zweitrundensieg bei den Australian Open gegen den Ungarn Marton Fucsovics.

Alexander Bublik: „Ich habe das getan, was ich für richtig hielt”

Die Frage, die im Raum steht: Was wäre für Alexander Bublik alles in jungen Jahren möglich gewesen, wenn seine Einstellung zum Tennis genauso wäre wie jetzt? Für Bublik selbst stellt sich die Frage nicht. Er ist damit zufrieden, wie es gekommen ist, wie er in Melbourne erklärte.

„Meiner Meinung nach haben alle ihren Kindern gesagt, sie sollen aus den Fehlern anderer lernen. Ich glaube, wir lernen eigentlich aus unseren eigenen Fehlern. Man kann niemanden wirklich unter Druck setzen, es sei denn, man will ihn kaputt machen. Vielleicht kommen dann die Ergebnisse, aber man kann eine Person kaputt machen. Das haben mir alle gesagt. Es ist dasselbe wie früher, als ich gerne Junkfood gegessen habe. Und ich habe viel Coca-Cola getrunken oder was auch immer, aber jetzt tue ich das nicht mehr, weil das meine Entscheidung ist.“

Und weiter: „Das Gleiche gilt für meine Mentalität. Das ist also meine Entscheidung. Es ist meine Entscheidung, dass ich es schön finde, im Rhythmus zu bleiben, dass es schön ist, gut zu schlafen, dass es schön ist, mit der Familie zusammen zu sein, anstatt auszugehen. Das ist eher eine natürliche Art, Dinge zu tun. Wenn man sagt, ich hätte Jahre verschwendet, dann mag das aus meiner heutigen Perspektive so aussehen. Aber ich war glücklich. Ich habe das getan, was ich für richtig hielt. Ich kannte die Konsequenzen.“

Alexander Bublik: „Wenn ich zurückblicke, würde ich nichts ändern”

Wie geht es nun mit Alexander Bublik weiter? Setzt er sich das Ziel, ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen? Glaubt er auch im Inneren daran? Oder ist er zufrieden damit, dass er es in die Top 10 geschafft hat?

„Wenn ich zurückblicke, würde ich nichts ändern. Ich weiß nicht, was in fünf Jahren mit Alex Bublik passieren wird. Werde ich so fokussiert sein wie jetzt, oder vielleicht sogar noch mehr, oder vielleicht sogar noch hungriger? Oder werde ich sagen: Leute, ich will nicht zu einigen Turnieren kommen, weil ich zu Hause sein will. Für mich ist es eher ein natürlicher Weg und ein Lernen aus seinen Fehlern. Ich denke, das ist wichtig, um sich selbst voll zu halten, keine Teile zu zerbrechen oder Stücke an jemanden abzugeben, weil jemand dir gesagt hat, dass dies ein guter Weg ist, die Zähne zusammenbeißen, arbeiten gehen, und am Ende ist es schön, wenn man Erfolg hat.“

Bublik macht sich aber auch Gedanken darüber, wenn es nicht so kommt: „Wir haben schon so viele Karriereenden von Leuten in meinem Alter gesehen, was traurig ist, aber ich glaube nicht daran. Der Typ war vor einem Jahr noch mein Gegner und jetzt ist er Trainer. Ich denke mir: Okay. Und für mich ist das ein Anzeichen dafür, dass jemand endlich eine Entscheidung getroffen hat, die ihm gefällt. Vielleicht wollen sie einfach nicht mehr spielen. Ich respektiere es sehr, wenn Menschen ihre eigenen Entscheidungen treffen.“

Wer Alexander Bublik in den Tagen von Melbourne zuhört, kann nur zu dem Schluss kommen: Er, der schon einmal sagte, dass er nur für Geld Tennis spielen würde, ist erwachsen geworden. Und das gilt nicht nur für sein Mindset – sondern vor allem für sein Tennis.