Djokovic sauer: “Verstehe nicht, warum Roland Garros keine Hitzeregel hat“
Novak Djokovic wünscht sich bessere Maßnahmen gegen die Hitze in Roland Garros. Allerdings gibt es auch in Paris eine „Heat Rule“.
Das Bild, das definitiv von den French Open 2026 haften bleibt: Tribünen gefüllt mit Menschen, die sich alle fleißig einen kleinen Luftzug mittels eines Fächers zuführen. Das Zuschauen im Stade Roland Garros kann in diesen Tagen zur Tortur werden. Heute sollen im Stade Roland-Garros die Höchsttemperaturen auf wieder über 30 Grad ansteigen, wobei die gefühlte Temperatur aufgrund der Wetterbedingungen sogar bei 36 Grad liegen soll. So sagen es mehrere Wetter-Onlinedienste voraus. Für Novak Djokovic sind das keine guten Nachrichten. Er muss am Nachmittag zu seiner Drittrunden-Partie gegen Joao Fonseca antreten. Während er also mit seinen 39 Jahren auf dem Court Philippe-Chatrier ackern muss, werden die Temperaturen ihren Höchststand erreichen.
Ausweitung der Nigh-Session in Paris?
Nach seinem Zweitrunden-Sieg gegen Valentin Royer, bei dem es ebenfalls brüllend heiß war, beschwerte sich der serbische Superstar über fehlende Maßnahmen gegen die große in Hitze in Roland Garros. Er brachte sogar eine Ausweitung der Night-Session ins Spiel, damit mehr Matches bei erträglichen Temperaturen stattfinden können: „Ist es ideal, auch nach Mitternacht noch zu spielen? Nein. Aber wenn es extrem heiß ist, sollte man das vielleicht in Betracht ziehen.“
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Sein eigentlicher Groll richtete sich aber gegen die Veranstalter der French Open: „Ich verstehe nicht, warum es keine Hitzeregel gibt. Ich dachte, es gäbe eine bei jedem Grand-Slam-Turnier, aber mir erzählte man, dass es bei den French Open keine gibt.“ Er zog einen Vergleich zu den Australian Open, der er bereits zehnmal gewann. Dort werde die Fortsetzung der Partien bei extremer Hitze von bestimmten Temperatur- und Luftfeuchtigkeitswerten abhängig gemacht.
Djokovic: „In Melbourne schon mehrfach erlebt“
„In Melbourne haben wir das bereits erlebt. Ich habe das auch persönlich schon mehrfach erlebt. In den letzten Jahren haben wir gesehen, dass es manchmal zu Verzögerungen beim Spielbetrieb kommt – um eine oder mehrere Stunden –, bis die Temperatur sinkt. Bei Grand-Slam-Turnieren sollte das kein Problem sein. Wir können die Spiele neu ansetzen, da es viele Plätze gibt“, merkte Djokovic an.
Omg…..It was so hot in Paris that the ice bag melted…
Harsh conditions but Djokovic goes through 🐐🐐pic.twitter.com/OA5wVfNa3K
— SK (@Djoko_UTD) May 27, 2026
Indes: Es gibt auch in Roland Garros eine Hitze-Regel – sie fand bislang nur noch keine Anwendung. Der französische Tennisverband FFT, der das größte Sandplatzturnier der Welt in Paris veranstaltet, hat nun angesichts der anhaltend hohen Temperaturen ihre Regelungen für Spielunterbrechungen bei extremer Hitze noch einmal konkretisiert. Der FFT betonte dabei gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, dass Partien auf allen Courts gestoppt werden, sobald eine sogenannte Wet Bulb Globe Temperature (WBGT) von 32,2 Grad Celsius erreicht wird.
Fähigkeit zur Selbstkühlung
Dieser Wert gilt als Maß dafür, wie stark Hitze, Luftfeuchtigkeit, Sonneneinstrahlung und Wind zusammenwirken und die Fähigkeit des menschlichen Körpers zur Selbstkühlung beeinträchtigen. Gemessen wird die WBGT auf dem Court Philippe-Chatrier sowie auf Platz 14. Der entscheidende Unterschied zu einem normalen Thermometer: WBGT zeigt nicht nur, wie heiß es ist, sondern wie schwer es für den Körper ist, sich durch Schwitzen zu kühlen. Hohe Luftfeuchtigkeit zum Beispiel verhindert Verdunstung – dadurch steigt die Belastung stark, auch wenn die Temperatur gleichbleibt.
Bereits ab einem WBGT-Wert von 30,1 Grad Celsius vor Matchbeginn haben Spieler Anspruch auf eine einmalige zehnminütige Pause. Diese kann vor einem möglichen entscheidenden Satz genutzt werden. Bei den Damen also vor dem dritten, bei den Herren vor dem fünften Durchgang.
Eine Vorreiterrolle in Sachen „Heat Rule“ nehmen die Australian Open in Melbourne ein. Dort ist extreme Hitze von bis zu 40 Grad schon lange ein Problem, während es etwa in der ersten Woche von Roland Garros noch nie so heiß war wie 2026. Viele Spieler hatten massive Probleme: Jabuk Mensik, Casper Ruud oder auch Jannik Sinner.
„Hitzebelastungsindex“ in Melbourne
Die Australian Open führten 2019 einen „Hitzebelastungsindex“ ein, der „die maximale Hitzebelastung, der ein Athlet sicher standhalten kann“, berechnet, erklärte damals Dr. Carolyn Broderick von Tennis Australia. Die fünfstufige „Skala“ berücksichtigt „Lufttemperatur, Strahlungswärme oder die Intensität der Sonneneinstrahlung, Luftfeuchtigkeit und Windgeschwindigkeit“ und reicht von eins bis fünf. Grundlage der australischen Hitze-Regel ist auch die Wet Bulb Globe Temperature.
Weil fast ganz Frankreich seit Pfingsten unter einer ungewöhnlichen Hitzewelle zu ächzen hat, kommt das Thema bei den French Open 2026 erstmals richtig auf den Tisch. Angesichts des fortschreitenden Klimawandels dürfte über die „Heat Rule“ von Roland Garros in Zukunft wohl häufiger debattiert werden.
Für Novak Djokovic bedeutet das vor allem: Er wird sich sicherlich eine heiße Partie gegen Joao Fonseca liefern – und das in jeder Hinsicht.
