Wer ist Tom Gentzsch? 10 Fakten zum deutschen Tennis-Geheimtipp
Tom Gentzsch – vielen ist der Name noch nicht geläufig. Dabei ist 22-Jährige inzwischen die deutsche Nummer fünf. Wie stellen ihn genauer vor.
Tom Gentzsch zählt zu den spannendsten Aufsteigern im deutschen Herrentennis – und kaum jemand kennt ihn. Der 22-Jährige aus Ratingen-Breitscheid hat sich nahezu unbemerkt bis kurz vor die Top 200 der ATP-Weltrangliste gearbeitet und ist inzwischen der fünftbeste deutsche Profi im Ranking.
Gentzsch war als einziger deutscher Spieler in der Qualifikation von Roland Garros vertreten. Und auch in der Herren-Quali von Wimbledon ist er der einzige verbliebene Starter aus Deutschland sein. In der ersten Runde siegte er 6:3, 6:3 gegen Zdenek Kolar. Am Mittwoch bekommt er es in der zweiten Runde mit Max Basing zu tun.
tennis MAGAZIN sprach mit Gentzsch und mit dessen Trainer Jan Velthuis kurz nach ihrem Paris-Trip. Hier nun die zehn Fakten über den deutschen Tennis-Geheimtipp! Eine große Exklusiv-Story über Tom Gentzsch gibt es in der neuesten Ausgabe von tennis MAGAZIN (ab Dienstag am Kiosk).
1. Plötzlich der fünftbeste Deutsche
Geboren am 5. September 2003 in Duisburg, zu Hause in Ratingen-Breitscheid: Mit einer Platzierung rund um Position 227 im ATP-Ranking ist Tom Gentzsch aktuell der fünftbeste deutsche Herren-Profi – hinter Alexander Zverev, Daniel Altmaier, Yannick Hanfmann und Jan-Lennard Struff. Der 1,91 Meter große Rechtshänder schlägt in der Bundesliga für den TC Bredeney aus Essen auf, mit dem er bereits zweimal Deutscher Mannschaftsmeister wurde.
2. Sein Aufstieg verlief „unterm Radar“
Tom Gentzsch war nie ein gefeierter Juniorenstar. In seinem Jahrgang 2003 rangierte er in Deutschland nach eigener Einschätzung nur „so auf Rang neun oder zehn“ – kein internationaler Turnierkalender, keine Scouts, die früh auf ihn aufmerksam wurden. Womöglich, vermutet er, war genau das sein Vorteil: weniger Druck, weniger Aufmerksamkeit und mehr Raum, sich in Ruhe zu entwickeln.
3. Grand-Slam-Debüt in Paris
Bei der Qualifikation zu den French Open 2026 stand Gentzsch erstmals auf der ganz großen Bühne. Er bezwang die höher eingestuften Jerome Kym und Nicolai Budkov Kjaer, ehe er im Qualifikationsfinale dem früheren Weltranglisten-36. Roman Safiullin mit 3:6, 7:6, 4:6 unterlag. Das Erstaunlichste daran: Zuvor hatte er noch nie ein großes Profi-Turnier besucht – nicht einmal als Kind oder Jugendlicher. „Ich war vorher noch nie auf einem richtigen Profi-Turnier. Ich weiß, dass das ziemlich ungewöhnlich ist“, verrät Gentzsch im Gespräch mit tennis MAGAZIN. Kein Wunder, dass ihn die Kulisse von Roland Garros überwältigte: „Das war schon ziemlich cool!“

Niederlage im Finale: Tom Gentzsch überstand bei seiner ersten Grand Slam-Quali in Paris zwei Runden und verlor dann in drei Sätzen gegen Roman Safiullin.Bild: IMAGO
4. Aus einer reinen Tennisfamilie
Tennis liegt bei den Gentzschs in der Familie, allerdings abseits des Rampenlichts. Mutter Eva war Tennistrainerin und ist heute Schulleiterin, Vater Martin arbeitet als Kämmerer für die Stadt Ratingen und spielte selbst auf gutem Niveau – für die Herren-50-Regionalliga reicht es heute noch. Tom ist eines von fünf Kindern und wuchs gemeinsam mit seinem älteren Bruder Finn auf dem Tennisplatz auf.
5. Vom Handballer zum Tennisprofi
Bis zum Alter von etwa 14 Jahren spielte Gentzsch parallel Handball beim TuS 08 Lintorf, ehe er sich endgültig für den Einzelsport entschied. Den entscheidenden Anstoß gab ausgerechnet die Rivalität mit Bruder Finn, der den jüngeren Tom oft als Sparringspartner zum Platz mitschleppte. Das häufige Verlieren wurmte ihn irgendwann so sehr, dass sein Ehrgeiz erwachte – und er sich Schritt für Schritt nach vorn arbeitete.
6. Tom Gentzsch ist ausgebildeter Tennistrainer
Eine echte Besonderheit in seinem Werdegang: Nach dem Fachabitur absolvierte Gentzsch eine Ausbildung zum staatlich geprüften Tennislehrer. „Das war für mich eine ideale Lösung, weil die Ausbildung mir den Freiraum ließ, viel selbst zu trainieren und mir ein großes Wissen über Tennis anzueignen“, erklärt er gegenüber tennis MAGAZIN. Ein Kompetenzgerangel mit seinem aktuellen Coach Jan Velthuis entsteht dadurch aber nicht – Gentzsch lacht: „Nein, da bin ich klar in der Schülerposition!“
7. Trainer Jan Velthuis mit viel ATP-Erfahrung
An Gentzschs Seite steht Jan Velthuis, 64, seit 2017 Herren-Bundestrainer am DTB-Stützpunkt in Kamen. Fast 20 Jahre war Velthuis auf der ATP-Tour unterwegs und arbeitete unter anderem mit Philipp Petzschner, Jürgen Melzer, Andrei Pavel und Dusan Lajovic. Über die Anfänge der Zusammenarbeit sagt er zu tennis MAGAZIN: „Er war ein ziemlich unbeschriebenes Blatt, als ich ihn kennenlernte. (…) seine Rückhand war eine Schwäche.“ Heute, betont der Coach, sei das Vertrauensverhältnis „riesig“ – und die Rückhand „richtig stabil“.

Auf dem Weg nach oben: Tom Gentzsch spielte bislang vor allem ITF-Events und Challenger-Turniere.Bild: IMAGO
8. Spätstarter mit Wettkämpfer-Mentalität
Velthuis nennt seinen Schützling einen „echten Spätstarter“ und ein Beispiel dafür, dass man „nicht unbedingt eine überragende Junioren-Karriere haben muss, um als 22-Jähriger auf ein hohes Level zu kommen“. Was Gentzsch auszeichne, seien Charakter, Fleiß und Wettkampfhärte. „Er würde am liebsten jeden Tag ein hartes Match spielen“, sagt der Bundestrainer im Interview mit tennis MAGAZIN. Spielerisch beschreibt er ihn als mutigen Allcourt-Spieler mit gutem Aufschlag und dominanter Vorhand – schwer auszurechnen für die Gegner.
9. Vieles hat er sich selbst erarbeitet
Gentzschs Aufstieg ist keine Geschichte aus einem durchstrukturierten Nachwuchsleistungszentrum. Wildcards und Sponsoren, die anderen Talenten früh den Weg ebnen, hatte er kaum. „Der Tom musste sich fast alles selbst erarbeiten“, betont Velthuis gegenüber tennis MAGAZIN. Seit seinem Future-Titel im Jahr 2022 in Trier wird Gentzsch im Perspektivkader des Deutschen Tennis Bundes gefördert – eine Unterstützung, die vor allem bei den teuren Turnierreisen greift. „Darüber bin ich echt froh“, sagt er.
10. Die Ziele: erst Top 100, dann Top 50
Nach dem Sandplatz wartet nun die Rasensaison, erneut Neuland für Gentzsch: „Auf echtem Gras habe ich mal eine halbe Stunde im Familienurlaub in der Türkei gespielt“, gesteht er schmunzelnd tennis MAGAZIN. Auf die Wimbledon-Qualifikation freut er sich riesig – „Ich werde alles aufsaugen“, verspricht er. Die Marschroute ist klar abgesteckt: In ein, zwei Jahren sollen die Top 100 folgen, langfristig die Top 50. Auch sein Trainer sieht „noch eine Menge Luft nach oben“.
Tom Gentzsch lernt die große Tenniswelt gerade erst kennen – und genau das macht seinen Aufstieg so reizvoll. tennis MAGAZIN bleibt an der Geschichte des deutschen Geheimtipps dran.
