Andy Murray

Er hat‘s geschafft: Andy Murray im Moment des Triumphs seines Wimbledontitels.Bild: Imago

50 Jahre tennis MAGAZIN: Erlösung nach 77 Jahren

tennis MAGAZIN feiert seinen 50. Geburtstag. Wir blicken zurück auf historische Highlights. Diesmal: die Jahre 2011 bis 2015.

tennis MAGAZIN 6/2011

Die Zahl 7 hat eine besondere Bedeutung weltweit. Die 7 galt in der Antike als vollkommene Zahl, da man die mit dem Auge erkennbaren Sterne und Planeten für Wohnorte der Götter hielt. Von diesen göttlichen Orten gab es sieben zu sehen: Sonne und Mond sowie die Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn. Heutzutage fungiert die 7 für viele als Glückszahl. Laut der Bibel soll Gott die Erde an sieben Tagen erschaffen haben. Es gibt jeweils sieben Tugenden und sieben Todsünden, sieben Weltwunder sowie sieben Chakren im Körper.

Andy Murray und das emotionale letzte Aufschlagspiel

Für Andy Murray spielte die Zahl 7 ebenfalls eine bedeutende Rolle auf dem Weg zu seinem lang ersehnten Wimbledonsieg im Jahr 2013. Nach 77 Jahren des Wartens gewann Murray als erster Brite seit Fred Perry in Wimbledon. Sein Triumph ereignete sich am 7.7. um 17:24 Uhr Ortszeit. Die Titel-Dürre der britischen Herren in Wimbledon endete nach 28.127 Tagen. Es war das 7. Grand Slam-Finale von Murray, der 1987 geboren wurde. Der Schotte brauchte 7 Siege, um endlich die Wimbledon-Trophäe in die Luft zu stemmen. Zudem war es das 127. Wimbledon-Turnier, das 1877 zum ersten Mal ausgetragen wurde. Viel präsenter hätte die Zahl 7 bei Murrays emotionalem Titelgewinn auf dem heiligen Rasen nicht sein können. 

Beim Ausservieren zum Wimbledontitel absolvierte Murray das emotionalste und wohl spannendste Aufschlagspiel in seiner Karriere. Bei 5:4-Führung im dritten Satz gegen Novak Djokovic sah es zunächst danach aus, dass Murray den Titel sicher nach Hause servieren würde. Nach einer 40:0-Führung mit drei Matchbällen stellte er dann sich selbst, seine Familie und die Zuschauer auf eine Nervenprobe.

Murray kämpfte gegen seine zitternden Arme, wehrte drei Breakbälle ab, verwandelte nach zwölf Minuten in diesem Aufschlagspiel seinen vierten Matchball – und erlöste sich und eine ganze Nation. „Ich verstehe, wie sehr sich alle einen britischen Sieger in Wimbledon gewünscht haben, und ich hoffe, dass es allen gefallen hat“, sagte Murray. 2016 ließ der Schotte seinen zweiten Wimbledontitel folgen. 

Julia Görges – Das Wunder von Stuttgart

Dieser Titelgewinn kam nicht nur aus dem Nichts, er war auch eine Art verspäteter Startschuss für die goldene Generation im deutschen Damentennis in den 2010er-Jahren. Mit Julia Görges gewann eine Deutsche eines der prestigeträchtigsten Turniere auf der WTA-Tour – und das im Finale gegen die amtierende Nummer eins der Welt, gegen Caroline Wozniacki. Die Jubelbilder von Görges gingen um die Welt, wie sie sich nach dem verwandelten Matchball in den Sand warf und anschließend mit roter Asche bedeckter rechter Gesichtshälfte lächelnd erhob.

Julia Görges

Überglücklich: Julia Görges siegte 2011 beim prestigeträchtigsten deutschen Damenturnier in Stuttgart.Bild: Imago/Jürgen Hasenkopf

„Ich weiß nur, dass ich gewonnen habe. Wie ich das gemacht habe, weiß ich nicht. Gegen Caroline zu spielen, ist wie ein hoher Berg, den man erklimmen muss“, sagte Görges, die sich zudem über einen nigelnagelneuen Porsche freuen durfte. „Jeden Tag bin ich an diesem Wagen vorbei zum Training gegangen. Aber ich konnte mir nie vorstellen, dass ich ihn auch fahren werde“, freute sich Görges. 

Mamma mia! Flavia Pennetta und der lange Atem

Sollte jemand auf dieses Finale bei den US Open 2015 getippt haben, hätte er oder sie sich ein schönes Sümmchen verdient. Im Damen-Endspiel in New York wurde Italienisch gesprochen. Die an Nummer 25 gesetzte Flavia Pennetta traf auf ihre ungesetzte Landsfrau Roberta Vinci – ein wahres Sensationsfinale. Vinci zerstörte zuvor im Halbfinale den Traum vom Kalender-Grand-Slam von Serena Williams. 

Flavia Pennetta

Das Beste kommt zum Schluss: Flavia Pennetta gewann das letzte Grand Slam-Turnier, das sie spielte.Bild: Imago/Justin Lane

Pennetta sicherte sich ihren Platz in den Geschichtsbüchern mit dem Sieg gegen Vinci. Bei ihrem 49. Start bei einem Major-Turnier gewann sie ihren ersten Grand Slam-Titel – im Alter von 33 Jahren und 199 Tagen. Keine Spielerin war älter bei ihrer Titelpremiere und brauchte so viele Anläufe wie die Italienerin. Im Moment ihres größten Triumphs verkündete Pennetta ihr Karriereende. „Ich habe vor einem Monat eine wichtige Entscheidung getroffen: Das ist die Art und Weise ‚Goodbye‘ vom Tennis zu sagen“, sagte sie. Sieben Wochen später spielte die spätere Ehefrau von Fabio Fognini ihr letztes Match.