Daniil Medvedev

Disqualifikation in Peking: Daniil Medvedev traf einen Zuschauer im Match gegen Novak Djokovic.Bild: IMAGO

Fan im Gesicht getroffen: Medvedev in Peking disqualifiziert

Daniil Medvedev ist im Halbfinale der China Open gegen Novak Djokovic disqualifiziert worden, weil er aus Wut einen Ball wegschlug und damit einen Zuschauer traf.

Beim Stand von 7:5, 5:3 und 15:15 aus der Sicht von Novak Djokovic im Halbfinale von Peking gegen Daniil Medvedev kam es zu dem folgenschweren Zwischenfall. Ein paar Punkte trennten den Serben noch vom Einzug ins Finale. Dann verlor Medvedev einen Ballwechsel – und auch die Beherrschung. Er drosch den Ball weg, in die vorderen Reihen der Zuschauer. Der Ball traf einen Zuschauer im Gesicht. Die getroffene Person musste aus dem Stadion begleitet werden. Und Medvedev musste die Arena ebenfalls verlassen – Disqualifikation.

So tragisch endete das Halbfinale, auf das sich viele gefreut hatten: zwei ehemalige Nummer-eins-Spieler, beide in Form, im Duell um ein Endspiel in Peking. Und das Match erfüllte die hohen Erwartungen. Es war ein Abnutzungskampf auf höchstem Level.

Medvedev und Djokovic auf Augenhöhe

Medvedev kam als Mann der Stunde nach Peking. Sieben Siege in Serie, darunter der Titel in Hangzhou, dazu drei glatte Siege in der chinesischen Hauptstadt. Im Viertelfinale hatte er Francisco Cerúndolo 7:6, 6:3 geschlagen – sein viertes Peking-Halbfinale in Folge. Auch Djokovic präsentierte sich stabil, nachdem er am Vortag Topfavorit Alexander Zverev in drei Sätzen ausgeschaltet hatte.

Medvedev schaffte beim 2:2 im ersten Satz das erste Break, Djokovic konterte sofort. Nach 1:19 Stunden holte sich der Serbe den Satz mit 7:5. Im zweiten Durchgang wehrte Djokovic beim Stand von 1:1 sechs Breakbälle ab und nahm Medvedev kurz darauf zum 3:2 den Aufschlag ab. Medvedev schlug zurück, doch beim 4:3 breakte Djokovic erneut. Nach mehr als zwei Stunden war der Russe zermürbt – und verlor kurz darauf auch die Kontrolle.

Er wurde von Djokovic ausgespielt, der Ball prallte an die Bande und Medvedev schlug ihn als Slice zurück in die Richtung, aus die er kam. Sein Schlag, den er zum Gück nicht voll durchzog, geriet aber etwas zu hoch – und traf einen Fan, der direkt oberhalb der Bande saß.

Keine Absicht, keine Gnade

Die Entscheidung des Offiziellen war zwingend. Ob Medvedev jemanden treffen wollte, spielt keine Rolle. Wer einen Ball aus Wut unkontrolliert wegschlägt, haftet für die Folgen. Trifft der Ball eine Person, folgt in der Regel die sofortige Disqualifikation.

Der prominenteste Fall ist sechs Jahre alt. Bei den US Open 2020 traf Djokovic – ausgerechnet Medvedevs heutiger Gegner – im Achtelfinale eine Linienrichterin am Hals. Er wurde disqualifiziert, verlor alle Punkte aus dem Turnier und musste das Preisgeld zurückgeben. 2017 erwischte es Denis Shapovalov im Davis Cup: Sein Ball traf den Stuhlschiedsrichter am Auge.

Was Medvedev jetzt droht

Offiziell hat sich die ATP noch nicht zu den Strafen geäußert. Nach dem Muster früherer Fälle drohen Medvedev aber der Verlust der Weltranglistenpunkte und des Preisgelds aus Peking sowie eine zusätzliche Geldstrafe. Für einen Halbfinalisten bei einem 500er-Turnier geht es um 200 Punkte für die Weltrangliste.

Das träfe den Russen in einer heiklen Phase. Während des Turniers lag Medvedev im Live-Race to Turin auf Platz acht, also auf dem letzten Qualifikationsrang für die ATP- Finals. Im Kampf um die Qualifikation für Turin könnte er also wichtige Punkte verlieren.

Djokovic im Finale, Medvedev unter Druck

Djokovic steht damit zum siebten Mal im Endspiel von Peking, wo er in seiner Karriere noch kein Match verloren hat. Für Medvedev geht es ab Mittwoch in Shanghai weiter, beim vorletzten Masters-1000-Turnier des Jahres. Dort muss wieder punkten, um es nach Turin zu schaffen.