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Wimbledon 2026: Alexander Zverev verlor gegen Jannik Sinner im Finale. Bild: Imago

Sinner beendet die Saison: Zverev kann in Wien die Nummer 1 werden

Jannik Sinner wird 2026 nicht mehr spielen, womit für Alexander Zverev der Weg frei zur Nummer eins ist. Schon in Wien könnte es soweit sein.

Es ist der 12. Juli, Centre Court in Wimbledon. Jannik Sinner verwandelt seinen Matchball gegen Alexander Zverev, 6:7, 7:6, 6:3, 6:4, der fünfte Grand-Slam-Titel seiner Karriere ist perfekt. Ein Moment des Triumphs. Wie sich jetzt zeigt, war es auch sein letzter Punkt des Jahres.

Seit Wimbledon hat der Südtiroler kein einziges Match mehr bestritten, und dabei bleibt es. Am Dienstag verkündete der 25-Jährige in einer Videobotschaft in den sozialen Medien das vorzeitige Saisonende. „Die letzten Jahre, vor allem das Saisonende in Turin, haben mir so viele schöne Gefühle und Emotionen geschenkt. Dieses Jahr wird das ganz anders sein“, sagt Sinner. Und er räumt ein: „Im Moment muss ich auch an meine langfristige Karriere denken.“

Die Entscheidung habe er gemeinsam mit seinen Ärzten getroffen. Sein Versprechen an die Fans: „Ich werde alles erdenklich Mögliche tun, um mit 100 Prozent zurückzukommen.“

Lässt sich Sinner doch operieren?

Was Sinner mit seinem Knie exakt machen lässt, ist nicht bekannt. Laut Gazzetta dello Sport soll die Verletzung im rechten Knie konservativ behandelt werden, eine Operation sei nicht nötig. Nach einer Untersuchung beim Spezialisten Bertrand Sonnery-Cotte in Lyon erhielt Sinner offenbar die Empfehlung, den konservativen Weg fortzusetzen.

Sonnery-Cotte hat bereits Sportler wie Zlatan Ibrahimović und Kylian Mbappé behandelt. Die Corriere dello Sport berichtet, dass Sinner zunächst auf Ruhe und Physiotherapie setze, danach soll die Trainingsbelastung schrittweise gesteigert werden.

Eine Operation ist allerdings nicht völlig ausgeschlossen. Andere italienische Medien hatten behauptet, Sinner leide unter dem Iliotibialband-Syndrom, also einem Problem außerhalb des Gelenks, an der Außenseite des Knies. Eine Operation könne nötig werden, falls die konservative Behandlung scheitert – das sei aber ein Extremfall. Diese Diagnose haben Sinner und sein Team bislang nicht offiziell bestätigt.

Sinner: Absage folgte auf Absage

Überraschend ist vor allem die Endgültigkeit. Erst am Samstag hatte Sinner seine Teilnahme am Masters in Shanghai zurückgezogen, dem vorletzten 1000er-Turnier des Jahres. Einen Hinweis, dass er gleich den Rest der Saison abschreiben würde, gab es da noch nicht. Zuvor hatte er bereits für das laufende ATP-500-Turnier in Peking abgesagt, wo er Titelverteidiger war.

Die Liste der verpassten Turniere seit Wimbledon ist lang: Montreal, Cincinnati, die US Open, Peking, Shanghai. Mitte September hatte Sinner in Monte-Carlo zwar wieder trainiert, Peking war als Comeback eingeplant. Das Knie spielte nicht mit.

Am meisten schmerzen dürfte ihn Turin. Bei den ATP Finals ist Sinner zweimaliger Titelverteidiger, in der Inalpi Arena wird er gefeiert wie kaum ein anderer Sportler Italiens. Im November steigt das Saisonfinale ohne seinen Lokalmatador.

Sinner mit 30 Siegen am Stück

Dabei war Sinner bis zum Sommer das Maß aller Dinge. Nach der klaren Finalniederlage gegen Carlos Alcaraz bei den US Open 2025 gewann er das Masters in Paris und die ATP Finals, dort im Endspiel gegen Alcaraz. Das Jahr 2026 begann mit einem Fünfsatz-Krimi im Halbfinale der Australian Open, den Novak Djokovic für sich entschied.

Was folgte, war historisch: fünf Masters-Titel in Serie, in Indian Wells, Miami, Monte-Carlo, Madrid und Rom. Dazu 30 Siege am Stück. Erst bei den French Open riss die Serie überraschend gegen den Argentinier Juan Manuel Cerúndolo, Sinner kämpfte damals mit Hitze und Unwohlsein. Wenige Wochen später holte er in Wimbledon seinen fünften Grand-Slam-Titel.

Zverev: Erste deutsche Nummer eins seit Becker

Profiteur seiner Abwesenheit ist nun Alexander Zverev. Die ATP-Tour musste 2026 lange ohne ihre beiden größten Stars auskommen, wenn auch meist zeitversetzt. Alcaraz, siebenfacher Grand-Slam-Sieger und aktuell die Nummer drei, fiel mit einer Verletzung am rechten Handgelenk fast fünf Monate aus und verpasste die French Open und Wimbledon. Sein Comeback gab er bei den US Open. Weniger als 24 Stunden nach seiner Zusage zog Sinner zurück.

In diese Lücke stößt nun Zverev. Der 29-Jährige gewann in Paris und New York seine ersten beiden Grand-Slam-Titel. Anfang Februar lag er noch knapp 5.700 Punkte hinter Sinner, inzwischen sind es nur noch 1.280. Weil Sinner seine Punkte aus dem starken Herbst 2025 nicht verteidigen kann, wird Zverev ihn in den kommenden Wochen zwangsläufig überholen.

In Wien kann Zverev Weltranglisten-Erster werden

Der früheste Termin: das ATP-Turnier in Wien Ende Oktober. Im Vorjahr verlor Zverev dort das Finale gegen Sinner. Gut möglich also, dass der Wechsel an der Spitze schon am 1. November stattfindet, wenn das Finale in Wien ansteht. Spätestens in den Wochen danach wird Zverev die erste deutsche Nummer eins seit Boris Becker sein.

Hier die Rechnung. Ausgangspunkt ist der Stand vom 4. Oktober: Zverev hat aktuell 9.720 Punkte, Sinner 11.000. Da Sinner die Saison beendet hat, bekommt er bis Jahresende keine neuen Punkte mehr.

Weltranglistenpunkte aus 2025

TurnierSinnerZverev
Shanghai (Masters 1000, 7.–18. Okt.)-50 (R3)-50 (R3)
Wien (ATP 500, ab 26. Okt.)-500 (Titel)-330 (Finale)

Zverev verlor 2025 in der dritten Runde von Shanghai gegen Arthur Rinderknech, Sinner gab dort in der dritten Runde gegen Tallon Griekspoor auf. In Wien muss Sinner 500 Punkte verteidigen, Zverev 330.

Nach dem Turnier in Shanghai ergeben sich folgende Szenarien:

Zverevs Ergebnis in ShanghaiPunkteZverev danachRückstand auf Sinner
Titel1.00010.670280
Finale65010.320630
Halbfinale40010.070880
Viertelfinale2009.8701.080
Achtelfinale1009.7701.180

In Shanghai kann Zverev also noch nicht Nummer eins werden, selbst mit dem Titel nicht.

Wie viele Punkte Zverev in Wien braucht

Sinner fällt nach Wien auf 10.450 Punkte. Zverev muss in Shanghai und Wien zusammen mehr als 1.110 Punkte holen. Dabei gibt es in Wien 500 für den Titel, 330 fürs Finale, 200 fürs Halbfinale und 100 fürs Viertelfinale.

ShanghaiWienZverev nach WienNummer eins?
TitelHalbfinale10.540ja, mit 90 Punkten Vorsprung
TitelViertelfinale10.440nein, 10 Punkte fehlen
FinaleTitel10.490ja, mit 40 Punkten Vorsprung
FinaleFinale10.320nein
HalbfinaleTitel10.240nein

Nach Wien gibt es also genau zwei Wege an die Spitze: Shanghai gewinnen und in Wien mindestens ins Halbfinale kommen, oder in Shanghai ins Finale und dann Wien gewinnen.

Nach Paris verliert Sinner 1.000 Punkte, nach den ATP Finals weitere 1.500. Er stünde dann bei 7.950. Zverev hat dort nur 400 und 200 Punkte zu verteidigen. Selbst ohne einen einzigen weiteren Sieg käme er nach den ATP Finals auf 8.740 Punkte und läge damit sicher vorn.