Gabriela Sabatini

Star mit grosser Ausstrahlung: Sport ist immer noch die große Leidenschaft der inzwischen 55-jährigen Gabriela Sabatini. Bild: Imago

Gabriela Sabatini: Fahrradfahren und mehr

Was macht Gabriela Sabatini? In den 90er-Jahren schwärmte ganz Deutschland von der Dauergegnerin von Steffi Graf. tennis MAGAZIN hat die Argentinierin auf Mallorca getroffen.

Der Mallorca Country Club (MCC) hat etwas von einer Oase. Im Westen der Balearen-Insel liegt die stilvolle Anlage mit ihren top gepflegten Tennisplätzen und Padel Courts in hügeliger Landschaft. Von einem Kreisverkehr in Santa Ponca führt eine geschwungene, perfekt geteerte Straße hinauf. Gabriela Sabatini (55) hat einen hellwachen Blick für sowas. Straßenbelag, Kurven, steile Rampen. Das registriert sie sofort. Die Argentinierin war eine der besten Tennisspielerinnen ihrer Generation und wurde zum globalen Superstar: ihr Spiel ebenso attraktiv wie ihr Äußeres, ihre Rivalität zu Steffi Graf ein Hingucker bei jedem Turnier.

Gabriela Sabatini: „Auf dem Rad fühle ich mich frei”

Nun sitzt Sabatini beim Gespräch in Jeans und weißer Bluse auf der Terrasse des Mallorca Country Club und spricht über Höhenmeter. „Ich liebe das Rennradfahren. Gerade hier auf der Insel“, sagt Sabatini und verrät: „Auf dem Rad fühle ich mich frei. Ich fahre meist dreimal die Woche, mal 80, auch mal 100 Kilometer.“ Das ist schon sehr beachtlich. Was ihre Rad-Aktivitäten jedoch noch weit beeindruckender macht: „Höhenmeter sind es pro Tour so um die 1.500.“ Das ist für Nicht-Profis eine mehr als respektable Leistung. 

Als Sabatini von ihrer Rad-Leidenschaft spricht, wirkt sie fast schlanker und austrainierter als vor dreieinhalb Jahrzehnten, als sie 1990 gegen Graf die US Open gewann und 1991 gegen Graf das Wimbledon-Finale verlor – und damit auch Platz eins in der Weltrangliste verpasste und nie mehr erreichen sollte.  

Gabriela Sabatini

Trickreich: Gabriela Sabatini spielt immer noch gerne Showmatches. Hier im Legendenmatch in Roland Garros.Bild: Imago/Jürgen Hasenkopf

Gabriela Sabatini hat in ihrer Laufbahn zwischen 1985 und 1996 insgesamt 41 Titel auf der WTA-Tour gewonnen, 27 im Einzel und 14 im Doppel. Sie schaffte es so bis auf Platz drei der WTA-Rangliste. Von 40 Duellen gegen Graf gewann sie immerhin elf, 21 dieser oftmals dramatischen Begegnungen gingen über drei Sätze. 

Gabriela Sabatini: „Steffi hat das Beste aus mir herausgeholt”

Nun empfängt sie tennis MAGAZIN in ihrer Rolle als Turnierbotschafterin der Mallorca Women’s Championship zum Gespräch – und schwärmt von der Gegnerin, die ihr so oft im Weg stand: „Ich empfinde es nicht als Unglück, ich empfinde es im Gegenteil als Glück, in der Zeit von Steffi gespielt zu haben. Gegen sie habe ich meine mit Abstand besten Spiele gemacht. Sie hat mich immer ans Limit gebracht. Steffi hat das Beste aus mir herausgeholt.“

Gabriela Sabatini

Gabriela Sabatini bei einem Padel-Match auf Mallorca.Bild: Starpress

Steffi Graf als Inspiration. Das war wichtig für Sabatini. Beim Turnier auf Mallorca ist Sabatini selbst ein Quell der Inspiration. Sie spielt Padel mit Jürgen Klopp, der danach feststellt: „Gabriela ist eine wunderbare Frau.“ Mit Solana Sierra gewinnt letztlich sogar eine Argentinierin das WTA125er-Turnier. Das registriert Sabatini mit Freude. Die Frau aus Buenos Aires hat keine eigene Familie und hat nie geheiratet. 

Seit ihrem Karriereende hat sie sich rar gemacht im Tennis-Zirkus. Kein Trainer-Job, kein Manager-Job. Hier und da mal Auftritte in Legenden-Duellen, zum Beispiel in Roland Garros. Zwar hält sich Steffi Graf in der Öffentlichkeit noch mehr zurück, aber generell gilt, dass auch Sabatini dem Rampenlicht gerne entflieht. Zwar hat sie Domizile in ihrer Heimatstadt Buenos Aires und in Florida. Ihren Hauptwohnsitz hat sie jedoch in der ruhigen Schweiz. „Manchmal treffe ich dort Roger Federer auf der Straße. Aber der ist ja fast noch mehr unterwegs als zu seiner aktiven Zeit“, sagt Sabatini und grinst.

Sabatini wünsche sich Laver Cup für Frauen

So ist Federer zum Beispiel zusammen mit seinem Manager Tony Godsick und dessen Agentur team8 Erfinder und Ausrichter des Laver Cup. Bei diesem Team-Wettbewerb treten die besten männlichen Spieler Europas gegen das Team Welt an, zuletzt im September in San Francisco.

Was wäre denn mit einer Art Laver Cup für Frauen, für die besten WTA-Profis? Das würde Sabatini begeistern: „Ich würde es lieben, wenn es einen vergleichbaren Wettbewerb für Frauen geben würde. Das wäre toll, da könnten wir alle wieder dabei sein.“ Ein spektakulärer Vorschlag, den Sabatini da macht. 

Beim Laver Cup werden die aktuellen Top-Stars jeweils von einem Team-Kapitän betreut. Und zwar einem mit Legenden-Status. Das waren bis 2024 John McEnroe (Team Welt) und Björn Borg (Europa) und sind nun Andre Agassi (Welt) und Yannick Noah (Europa).

Eine Form von Laver Cup für Frauen also, die Teams zum Beispiel angeführt von Sabatini (Welt) und Steffi Graf (Europa)?  Sabatini wäre davon völlig begeistert. Zumal aus ihrer Rivalität zu Graf eine Freundschaft geworden ist: „Wir sind in Kontakt, haben schon zwei Exhibitions gespielt. Ich werde sie besuchen.“ 

Gabriela Sabatini: „Ich wurde durch Tennis offener”

Auf Mallorca wirkte es so, als hätte Sabatini nach Jahrzehnten der öffentlichen Zurückhaltung durchaus den Wunsch, in der Tennisszene wieder aktiver zu werden. Grundsätzlich eher zurückhaltend, präsentierte sie sich erfrischend offen, parlierte, umarmte, lachte und gab Tipps: „Mir hat Tennis bei der Persönlichkeitsentwicklung sehr geholfen. Ich war introvertiert, wurde durch Tennis selbstbewusster und offener. Nach ein paar Jahren habe ich gelernt, wie wichtig es ist, auch neben dem Tennis weiterhin Dinge zu machen, die man liebt. Sei es Lesen oder Musik machen. Was auch immer. Das nimmt etwas vom Druck, man geht frischer auf den Platz.“

Gabriela Sabatini

Der Tennissport half Gabriela Sabatini bei ihrer Schüchternheit.Bild: Starpress

Ablenkung war Sabatini schon immer wichtig. Da war es ein Glück, dass sie schon als 16-Jährige das Angebot des Kölner Unternehmens 4711 bekam, Parfümserien zu entwickeln. Sabatini-Duftreihen gibt es immer noch, 2026 sollen neue Düfte in die Regale kommen. Diese Verbindung zu 4711 war ihr Einstieg ins Business-Leben neben und später nach dem Profitennis. Sie ist zudem Botschafterin von Renault Argentinien. 

Auf Mallorca ist sie mehrfach pro Jahr. Schon zu ihrer aktiven Zeit hatte sie sich hier gerne auf die French Open vorbereitet: „Ich liebe die Insel, das Wetter, die Landschaft, das Essen.“ In ihrer argentinischen Heimat ist sie zumeist über Weihnachten, geht dann auch auf Turniere: „Zum Glück haben wir wieder welche. Das ist sehr wichtig für die Entwicklung der Spieler und Spielerinnen.“

Leidenschaftlicher Fan von River Plate Buenos Aires

Sehr gerne schaut sie dann auch beim Fußball vorbei. Sabatini ist leidenschaftliche Anhängerin von River Plate Buenos Aires, dem Rekordmeister Argentiniens. „Bei River habe ich mit dem Tennisspielen begonnen.“ Ihre Augen glänzen, wenn sie über Fußball spricht. 

Glänzende Augen hatte auch Edwin Weindorfer. Dem österreichische Tennis-Unternehmer gehört der Mallorca Country Club, er ist mit der emotion-Group (veranstaltet auch die BOSS Open in Stuttgart, die Erste Bank Open in Wien, die Mallorca Championships – alles ATP) Ausrichter des WTA-Turniers in seinem Club und hatte Sabatini als Botschafterin verpflichtet. 

Nun ist sie – wie zum Beispiel auch Fürst Albert von Monaco, Boris Becker, Jürgen Klopp, Dirk Nowitzki und Novak Djokovic – Ehrenmitglied des MCC. Sabatini war gerührt, als Weindorfer sagte: „Wann immer du auf Mallorca bist, du hast nun hier bei uns in Mallorca Country Club ein Zuhause. Egal, ob du Tennis spielen willst, Padel, in Zukunft auch Pickleball – oder einfach nur dein Rennrad parken möchtest.“

Vor dem Parken will sie aber pedalieren. So denkt Sabatini zum Beispiel darüber nach, beim legendären Mallorca 312 teilzunehmen. Das ist eine Insel-Umrundung per Rennrad: 312 Kilometer, mehr als 4.500 Höhenmeter. Ob Steffi Graf das schaffen würde? Egal. Die Lieblingsinsel der Deutschen ist auch die von Sabatini. Seit ihrem neuen Engagement, wo sie wieder einmal viele Fans gewonnen hat, sowieso.

Gabriela Sabatini

Nahm sich viel Zeit: Gabriela Sabatini im Gespräch mit Dietmar Gessner.Bild: Starpress

Vita Gabriela Sabatini

Die Argentinierin, 55, war in den späten 80er- und 90er-Jahren eine der prominentesten Spielerinnen der WTA-Tour. Die Frau aus Buenos Aires war die Nummer drei im Einzel und Doppel. 1990 gewann sie die US Open. Zweimal gewann sie das Damen-Masters im Madison Square Garden in New York (1988 und 1994). Insgesamt holte sie 27 Titel im Einzel. Mit Steffi Graf siegte die frühere Nummer eins bei den Juniorinnen 1988 in Wimbledon. Knapp neun Millionen Dollar gewann sie an Preisgeld. Legendär war ihre Rivalität mit Steffi Graf. 40-mal duellierten sich die beiden. Ein Wiedersehen auf dem Platz gab es 2004 bei einem Nostalgie-Match in in Berlin. Sabatini lebt in Buenos Aires, Florida und der Schweiz.