BNP Paribas Open – Day 12

#nextgenfemale: Daria Kasatkina – Variation bis zum Abwinken

Die ATP hat es mit einer ausgeklügelten Marketingstrategie über einen längeren Zeitraum gepackt, die junge Spielergeneration medial dauerhaft zu pushen. Doch eine ,NextGeneration‘ gibt es ebenfalls auf der Damentour. Auf tennismagazin.de stellen wir Ihnen in den kommenden Tage die Spielerinnen vor, die in Zukunft die WTA-Tour ausschlaggebend mitprägen könnten. Heute: Indian Wells-Finalistin Daria Kasatkina.

Vier Grand Slam-Siegerinnen hatte Daria Kasatkina auf dem Weg ins Finale von Indian Wells ausgeschaltet. Im Finale scheiterte die junge Russin nicht nur an den kraftvollen Grundschlägen von Naomi Osaka (HIER geht es zum ersten Teil unserer Serie), sondern auch an den eigenen Nerven. „Sie hat es geschafft ihre Nerven im Spiel in den Griff zu bekommen, während ich lange Zeit ein bisschen tight war“, gab Kasatkina auf der Pressekonferenz nach dem Match zu.

Für die junge Russin war es im vierten Finale eines WTA-Turniers die dritte Niederlage. „Ich denke, mit ein paar mehr Matches und etwas mehr Erfahrung werde ich das hinbekommen“, zeigte sich die 20-Jährige auf der Pressekonferenz nach dem Spiel für zukünftige Finalspiele zuversichtlich.

Kasatkina: Mit Kopf statt Gewalt

Kasatkina verfügt über ein äußerst variables Spiel. Im Gegensatz zu Osaka dominiert sie ihre Gegner weniger über die pure Härte ihrer Schläge, sondern durch ihre Cleverness. Im Achtelfinale gegen Caroline Wozniacki frustrierte sie die Australian-Open-Siegerin mit ihren Kick-Aufschlägen, die auf den Plätzen von Indian Wells sehr hoch absprangen und der Dänin große Probleme bereiteten. „Sie war einfach cleverer“, gestand sich Caroline Wozniacki nach dem Spiel ein. Ein Ritterschlag für die 20-Jährige.

Immer wieder variiert Kasatkina mit Spin und Geschwindigkeit und macht es dadurch für ihre Gegnerinnen sehr schwer, sich auf ihr Spiel einzustellen. Mit ihrem guten Touch streut sie zudem immer wieder Stopps ein und holt so ihren Gegenüber aus der Komfortzone. Dies zeigte sich vor allem im Viertelfinale gegen Angelique Kerber. Die Deutsche war zu keinem Zeitpunkt in der Lage, sich auf die Spielweise der Russin einzustellen und fand nie einen Bezug zum Spiel. Mit 6:0, 6:2 ließ Kasatkina der ehemaligen Weltranglisten-Ersten nicht den Hauch einer Chance.

Den Grundstein für ihr Schlagrepertoire legte sie einst an der Empire Tennis Academy in Trnava. Als sie 2014 den Junioren-Titel bei den French Open gewann, entschloß sie sich an die Tennisakademie in die Slowakei zu gehen, um dort professioneller trainieren zu können. Einige andere Weltklasse-Spielerinnen wie Elina Svitolina, Belinda Bencic oder Lucie Safarova stehen ebenfalls im Portfolio von Auszubildenden der Akademie.

Mehr Probleme als mit Konterspielerinnen hat Kasatkina, wenn sie auf Hardhitter trifft. Venus Williams hatte im Halbfinale wenig Probleme mit der Rotation in Kasatkinas Top-Spins, nahm den Ball häufig sehr früh und setzte die Russin so unter Druck. Kasatkina zeigte, dass sie ebenfalls einer solchen Spielweise begegnen kann. Immer wieder setzte sie ihren Slice unter Druck ein und sorgte so für einen Rhythmuswechsel. Dadurch zwang sie die Amerikanerin in längere Ballwechsel, bei denen Kasatkina viele Bälle erlief und Williams fast zwangsläufig irgendwann einen Fehler machte. Im fast drei Stunden dauernden Match machte Williams insgesamt 63 Fehler ohne Not. Dem gegenüber standen 49 Siegschläge.

Neuer Coach, neues Selbstvertrauen

Aufgewachsen ist Kasatkina in der russischen Stadt Toljatti im südlichen Russland. Ihr ersten Tennis-Erfahrungen machte sie dank ihres Bruders Alexandr, der sie im Alter von sechs Jahren erstmals mit zum Tennistraining nahm. Auch heute spielt Kasatkinas Bruder als Fitness-Coach noch eine wichtige Rolle in ihrem Trainerteam.

Bis in den Herbst des vergangenen Jahres war der Headcoach der Akademie, Vladimir Platenik, gleichzeitig ihr Trainer. Nach vier Jahren suchte sie eine Veränderung, um sich weiterzuentwickeln, und verpflichtete den Belgier Philippe Dehaes als neuen Coach. Die beiden harmonieren gut und beim ersten gemeinsamen Turnier, dem Kremlin Cup in Moskau, spielte sich Kasatkina vor heimischen Publikum bis ins Finale. Dort scheiterte sie dann aber an Julia Görges.

Vor allem im mentalen Bereich scheint Dehaes eine wichtige Stütze für Kasatkina zu sein. Beim Turnier in Dubai rief Kasatkina ihn auf den Court, als sie nach verlorenem ersten Satz und einem Break Rückstand gegen Johanna Konta scheinbar aussichtslos zurücklag. Dehaes baut sie innerhalb von einer Minute wieder auf (siehe Video).

Ihre Körpersprache war nach dem Timeout eine ganz andere. Sie schaffte es wieder ins Spiel zu kommen und das Match in drei Sätzen zu gewinnen. „Seitdem wir zusammen arbeiten, habe ich mehr Vertrauen in mich selbst“, bestätigt Kasatkina auf einer Pressekonferenz in Indian Wells den positiven Einfluss ihres Trainers.

Auf Sand noch stärker einzuschätzen

Gemeinsam mit ihrem neuen Coach hat Kasatkina ihr Spiel auf ein neues Level gehoben. In der Weltrangliste (HIER in der Übersicht) klopft sie seit Montag als Elfte an den Top 10 und im Race zu den WTA-Finals steht sie sogar auf Rang sieben. Einziger Wermutstropfen: Drei Mal erreichte sie mit Dehaes das Finale eines WTA-Turniers, drei Mal ging sie als Verliererin vom Platz.

In Miami hat sie erneut eine schwierige Auslosung erwischt. Schon in der dritten Runde könnte sie auf Petra Kvitova treffen. Aber selbst ein frühes Ausscheiden in Florida sollte die Russin nicht lange aufhalten. Die dann anstehende Sandplatzsaison dürfte ihrem spinlastigen und laufintensiven Spielstil sogar noch besser entgegen kommen, als die Hartplatz-Courts in den Staaten. Ihren bisher einzigen Turniersieg feierte sie im vergangenen Jahr auf Sand in Charleston.

Den ersten Teil unserer Serie #nextgenfemales über Indian Wells-Siegerin Naomi Osaka finden Sie HIER.