Adria Tour Tennis

Fiasko für den Tennissport

Die von Novak Djokovic organisierte Adria-Tour entwickelte sich zum Fiasko. Unser Kolumnist Alexander Waske stellt klar: Djokovic, Zverev & Co. haben dem Tennissport einen Bärendienst erwiesen.

Eines vorweg: Novak Djokovic ist nicht nur ein überragender Spieler, sondern auch ein groß- artiger Botschafter unseres Sports. Mit derDurchführung der Adria-Tour hat Djokovic sicherlich Gutes für seine Spielerkollegen und die Fans auf dem Balkan gewollt, aber letztendlich muss man klar festhalten, dass das Showevent vollkommen nach hinten losgegangen ist, für das Djokovic als Organisator schließlich auch die Verantwortung trägt. Es reicht nicht, nur auf das Coronavirus hinzuweisen, die Einhaltung der Abstand- und Hygienemaßnahmen sind dabei immens wichtig. Mit dem Fiasko, das durch die Adria-Tour entstanden ist, haben Djokovic & Co.dem Tennissport einen Bärendienst erwiesen. Die Problematik in der Corona-Pandemie ist, dass ein Teil der jüngeren Bevölkerung denkt, dass ihnen nichts passieren kann. Die Spieler verstärken mit ihrem Verhalten während der Adria- Tour dieses Gefühl.

Zwei Eigentore von Alexander Zverev

Die Gefahr der Ansteckung mit Corona lauert überall. Wenn man eine Veranstaltung wie die Adria-Tour mit Tausenden Zuschauern ohne jegliche Abstandsmaßnahmen durchführt und sich die Leute dort anstecken und das Virus weiterverbreiten, ist man in gewisser Weise dafür auch haftbar. Alexander Zverev hat sich mit seinem Verhalten auf der Adria-Tour sein erstes Eigentor geschossen. Jeder Spieler ist letztendlich dafür selbst verantwortlich, ob er an solch einem Event teilnimmt und anschließend eine Party besucht. Wenn Zverev & Co. ihre Shirts ausziehen und Limbo tanzen, müssen sie sich auch darüber bewusst sein, dass ihr Handeln eine Wirkung nach außen hat – sowohl in positiver als auch in negativer Weise. Zverevs zweites Eigentor in Folge war, als er sagte, dass er nach den positiven Coronafällen auf der Adria-Tour in Quarantäne gehe und dennoch auf einer Party in Monte Carlo feierte. Da muss er sich hinterfragen, ob er seiner Vorbildfunktion als Sportler gerecht wird. Dass sich nun ausgerechnet Nick Kyrgios als Chefkritiker in der Corona-Pandemie aufspielt, halte ich nicht für angebracht. Natürlich hat er mit seiner Kritik recht, aber er hat in genügend Glashäusern gesessen und wirft nun mit Steinen auf seine Kollegen.

Die Ereignisse auf der Adria-Tour haben nicht nur einen Einfluss auf die geplante Wiederaufnahme der Tour, sondern auch auf die untere Ebene, die Challenger- und ITF-Turniere. Die Konsequenz könnte sein, dass der Internationale Tennis-Weltverband (ITF) alle Jugendturniere in diesem Jahr streicht sowie auch alle Future-Turniere. Die zusätzlichen Kosten, die mit der Einhaltung der Coronamaßnahmen anfallen, sind für die kleineren Turniere, die ohnehin schon mit einem schmalen Budget arbeiten, sehr schwer zu stemmen. Der Unterschied zwischen den Top 100 und den Spielern dahinter ist bereits riesengroß. Wenn die Punkte bei den ATP- und Grand Slam-Turnieren voll gewertet werden, trennt sich die Top 100 von dem Rest noch deutlicher ab.

US Open: Finanzieller Druck der Durchführung

Dass die US Open nun mit aller Gewalt durchgeführt werden sollen, liegt für mich nicht daran, dass die Tour nun endlich wieder starten soll, sondern in erster Linie am finanziellen Druck. US Open ohne Zuschauer mit TV-Einnahmen bringt den Veranstaltern noch deutlich mehr als gar keine US Open. Solange es immer noch Reisebeschränkungen in zahlreichen Ländern gibt, ist eine Wiederaufnahme der Tour schwierig. Einer meiner Akademiespieler, der Inder Prajnesh Gunneswaran, wäre für das Hauptfeld bei den US Open qualifiziert, kommt derzeit nicht aus Indien raus und darf nicht innerhalb Indiens reisen. Er kann nicht zu mir in die Akademie nach Offenbach reisen, um sich auf die US Open vorzubereiten. Wie soll er dann vernünftig bei einem Grand Slam- Turnier spielen?

Ich kann schwer ein Turnier durchführen, bei dem nicht alle Spieler teilnehmen können. Das ist unfair all den Spielern mit Reiserestriktionen gegenüber. Solange der Flugverkehr nicht überall läuft, wird es keine normale Profitour geben. Leider.