ARAG World Team Cup Day 7

Waskes Welt: So harmonieren Trainer und Spieler

Alexander Waske hatte ein enges Verhältnis zu seinen Trainern. Dennoch dauerte es lange, bis er Vertrauen zu ihnen aufbaute. Manche Situationen als Spieler helfen ihm heute als Trainer.

Alexander Waske leitet die gleichnamige Tennis University in Offenbach und berichtet in seiner Kolumne Waskes Welt monatlich im tennis MAGAZIN zum aktuellen Geschehen.

Die Beziehung eines Spielers zu seinem Trainer ist etwas Besonderes, da der Trainer gleichzeitig Angestellter und Chef ist. Vertrauen ist natürlich einer der wichtigsten Faktoren. Bei mir startete das, als mich Gideon Hilb  im Alter von zwölf übernahm. Er blieb bis zum Karriereende mein Heimtrainer. Er war es, der mir meine katas-trophale beidhändige Rückhand austrieb und mir die einhändige Technik beibrachte. Wenn man sich so lange kennt, braucht es oft nicht viel, um einen wieder auf die Spur zu bringen. So war das bei uns beiden.

Generell war ich unglaublich dickköpfig gegenüber Trainern. Das wurde besser, je länger die Karriere andauerte.Ich ließ mich mehr auf Ideen ein. Mit zunehmendem Alter gab ich einer neuen Zusammenarbeit eine gewisse Zeit, ließ mich auf neue Methoden ein und analysierte dann, ob ich wirklich besser spielte oder eben nicht. In meinen 14 Profijahren hatte ich insgesamt fünf Tourcoaches –  von allen habe ich etwas gelernt. Heute, da ich selbst als Coach arbeite, würde ich sagen, dass 75 Prozent von dem, was ich lehre, von meinen Trainern rührt.

Im Davis Cup gab es tolle Momente mit Patrik Kühnen, der Tommy und mir am Abend vor dem Doppel oft Anekdoten vergangener Jahre preisgab. Beim Davis Cup 2004 in der Slowakei erzählte er uns, wie sein Doppelpartner Boris Becker bei einem Turnier nach einer längeren Nacht nicht zum Einspielen erschien und sich auch im Spiel nicht sonderlich kommunikativ zeigte. Schließlich habe Kühnen zum Matchgewinn servieren müssen, und Becker sei bei 6:4, 5:4, 15:40, ohne eine Miene zu verziehen, zu ihm gegangen und habe gesagt: ,Jetzt zeig mir mal, ob du ein guter Spieler bist‘, drehte um und ließ Patrik damit stehen. Sie gewannen das Spiel und das Match. Als wir am nächsten Tag im fünften Satz das Break zum 5:3 schafften, sagte Tommy zu mir: „So, ich will, dass du mir jetzt sofort zeigst, was für ein guter Spieler du bist.“ Wir lachten beide, mein Arm wurde lockerer. Wir gewannen.

Der persönliche Bezug zum Coach war mir immens wichtig. Deshalb hatte ich auch ein wahnsinnig inniges Verhältnis zu meinem Fitnesscoach Christian Rauscher, der für mich viel getan hat. In meiner letzten Saison 2012 spielte ich richtig mies und managte nebenbei die Tennis-University in Offenbach mit Angelique Kerber und Andrea Petkovic und weiteren tollen Athleten. Ich habe alles gemacht, außer mich auf mein Training  zu fokussieren. Beim ATP-Turnier in Bukarest verlor ich 1:6, 2:6 mit dem jungen Marius Copil und habe kein einziges Aufschlagspiel gewonnen.

Völlig am Boden zerstört war ich bereit, meine Karriere zu beenden. Ich sagte Christian, dass ich mich für meine Leistung schäme und sofort aufhören würde. „So hört mein Lieblingsspieler nicht auf. Gib mir jeden Tag eine Stunde im Fitnessraum und eine konzentrierte Einheit auf dem Platz, kein Handy, Gedanken nur beim Tennis, alles andere kann warten“, sagte er. Ich  war am Boden, aber vertraute ihm blind. Er schliff mich umgehend ins Gym. Christian sorgte dafür, dass ich in der kommenden Woche sehr fokussiert mein Training absolvierte. Er war der festen Überzeugung, dass das reichen würde, um mich auf mein altes Niveau zu heben. Ich erklärte ihn für verrückt.

Eine Woche später stand ich im Halbfinale der BMW Open mit Dustin Brown. Christian hatte mir neues Leben eingehaucht. Er gab mir die Energie, in Würde abzutreten. Ich beendete die Saison ordentlich mit guten Ergebnissen – dank meines Trainers, aber vor allem für meinen Trainer. Dafür bin ich ihm sehr dankbar. Er war bis zu meinem letzten Match in Wien dabei, als mich Jürgen Melzer, nachdem er mich besiegt hatte, noch auf dem Court fragte, ob ich sein Trainer werden könnte. Es war ein total verrückter Start und fließender Übergang in meine Trainerkarriere. Aber ich wusste, dass ich Hilfe benötigte mit der Intensitätssteuerung: Also bat ich Christian nochmals um Hilfe und betreute fortan mit ihm zusammen Jürgen Melzer.