Australian Open

Australian Open: Zurück zur 16er-Setzliste?

16er- statt 32er-Setzliste, Best-of-three statt Best-of-five, On-Court-Coaching, Abschaffung der Linienrichter. Es wird viel diskutiert, um Tennis attraktiver zu machen.

Wer in den ersten Turniertagen bei einem Grand-Slam-Turnier vor Ort ist, sollte mittlerweile die großen Arenen meiden. Bei den Australian Open wurde im Herrenwettbewerb in der Rod Laver Arena nicht allzu viel spannendes Tennis geboten. Sechs von acht Partien waren zügig in drei Sätzen beendet. Zu groß ist meist die Dominanz der topgesetzten Spieler, die in den ersten zwei Runden häufig auf Spieler treffen, die zumindest Novak Djokovic, Rafael Nadal und Roger Federer hoffnungslos unterlegen sind.

Bis 2001 16er-Setzliste bei den Grand Slams

Die 32er-Setzliste bei den Grand-Slam-Turnieren hat zur Folge, dass es den Topstars in den ersten beiden Runden leichter gemacht wird. Doch das war nicht immer so. Bis zum Jahr 2001 war es üblich, dass bei den vier „Major“-Turnieren eine 16er-Setzliste gab, sowohl bei Damen als auch Herren. Im Jahr 2018 war es bereits beschlossene Sache, dass die Grand-Slam-Turniere mit Beginn der Australian Open 2019 zur 16er-Setzliste zurückkehren werden.  Doch das Grand Slam Board, das alle vier Major-Turniere vertritt, entschied sich noch mal um. „Nach einem vollen Jahr der Grand-Slam-Analyse mit Feedback von allen Konstitutionen, besonders von Spielern und Übertragungspartnern, haben die Grand-Slam-Turniere beschlossen, dass es keinen zwingenden Grund gibt, um auf 16 Gesetzte zurückzukehren“, hieß es in einem Statement nach den US Open 2018.

Nach den recht eindeutigen Siegen der Topstars bei den diesjährigen Australian Open in den ersten beiden Runden stellt sich mal wieder die Frage: Sollte man nicht doch die 16er-Setzliste wieder einführen? „Ich wäre ein Fan davon“, sagte Boris Becker bei einer Presserunde in Melbourne über diese Idee. „Dann wären die ersten Runde etwas spannender, vor allem für die Topspieler. Es ist ein Riesenunterschied, ob man in der ersten Runde im schlimmsten Fall gegen die Nummer 33 oder die Nummer 17 spielen kann. Ich finde nicht jede Regeländerung, die in den letzten 20 Jahren passiert ist, vorteilhaft. Ich bin da von der alten Schule“, sagte Becker.

Alex Corretja bevorzugt 16er-Setzliste

Ähnlich wie Becker sieht es Alex Corretja, zweifacher Finalist bei den French Open und ATP-Weltmeister von 1999. „Ich finde die Idee gut. Die erste Woche ist für die Topspieler häufig eine Vorbereitung auf die zweite Woche. Als Spieler hätte ich dies aber gehasst. Wenn ich die Nummer 17 der Welt bin, will ich nicht in der ersten Runde gegen die Nummer eins spielen können. Ich glaube aber, dass es schwer zu ändern wird, weil die Spieler total dagegen sind.“

Auch über die Verkürzung der Sätze bis auf 4 wird immer wieder diskutiert, um Tennis noch spannender zu machen. Ein weiterer Vorschlag ist, in den ersten drei Runden bei den Grand-Slam-Turnieren bei den Herren nur über zwei Gewinnsätze zu spielen. „Wenn die erste Woche bei einem Grand Slam über zwei Gewinnsätze ausgetragen wird, hätten wir vielleicht mehr Überraschungen und würden sehr einseitige Matches vermeiden“, erklärte Corretja.

Mats Wilander offen für Best-of-three bei Grand Slams

„In einem Best-of-three-Match haben niedrig platzierte Spieler gegen die Topstars vielleicht eine Chance zu gewinnen. Bei einem Best-of-five-Match können sie nicht 100 Prozent von Beginn an bringen, weil sie sonst sterben würden auf dem Platz. Viele Spieler hätten wohl nichts dagegen, die ersten Runde bei einem Grand Slam über zwei Gewinnsätze zu spielen, auch nicht die Topspieler, weil man damit auch Energie sparen kann“, sagte Corretja weiter.

Auch Mats Wilander zeigt sich offen für eine Regeländerung. „Ich finde es gut, wenn man über Best-of-three nachdenkt. Jedes Zählsystem, das mehr Spielern erlaubt zu gewinnen, wäre großartig für Tennis. Umso mehr neue Gesichter wir bei den Grand Slams haben, umso interessanter finde ich es“, sagte Wilander. Der Schwede möchte neue Duelle bei den Topturnieren sehen. „Manchmal wünschte ich mir, dass ich Novak und Rafa nicht im Finale sehen muss. Wir haben es gesehen. Wir müssen es nicht noch mal sehen. Ich bin interessiert in etwas Neuem, sei es Best-of-three mit Sätzen bis 6 oder Best-of-five mit Sätzen bis 4.“

Boris Becker wünscht sich On-Court-Coaching

Ein weiteres viel diskutiertes Thema ist das On-Court-Coaching, was auf der WTA-Tour bereits seit Jahren praktiziert wird. Becker möchte dies auch unbedingt auf der ATP-Tour sehen. „Ich finde es bemerkenswert, dass Tennis der einzige Sport in der Welt ist, in dem Coaching nur teilweise erlaubt ist. Die Qualität des Tennis würde durch On-Court-Coaching besser werden, auch die Rolle des Trainers würde wichtiger werden. Alle guten Spieler sagen, wie wichtig der Trainer ist. Deshalb sollte er auch eine Rolle auf dem Platz spielen dürfen.“

Völlig anderer Meinung sind dagegen Corretja und Wilander. „Ich mag On-Court-Coaching nicht, außer in Teamwettbewerben. Unser Job als Tennisspieler ist es, eigene Lösungen zu finden. Das ist auch die Stärke unseres Sports. Wenn man nicht genug im Training arbeitet, ist es deine Schuld. Es ist ähnlich wie mit Krämpfen. Wenn du Krämpfe hast, solltest du nicht behandelt werden dürfen. Das ist Teil des Sports, das ist ein Kampf. Das ist nicht Bambi“, sagte Corretja. Der Spanier wünscht sich aber eine Anpassung der Regel. „Ich bin aber dafür, dass der Coach aus der Box heraus dem Spieler etwas zurufen kann. Das ist derzeit nicht erlaubt, aber sollte erlaubt werden, damit der Schiedsrichter nicht zum Polizisten wird und die Trainer kontrolliert. Das sollte nicht seine Aufgabe sein.“

Wilander: „On-Court-Coaching ist ein absolutes Desaster”

Noch deutlicher formuliert Wilander seine Abneigung. „On-Court-Coaching ist ein absolutes Desaster. Ich bevorzuge On-Court-Smoking“, sagte der siebenmalige Grand-Slam-Sieger. „Tennis füllt einen Platz in der Gesellschaft, dass es dir als Spieler erlaubt, deine eigenen Probleme zu lösen. Wenn du das nicht magst, dann spiele Fußball. Oder spiele American Football. Da gibt es null Probleme, die du lösen musst, weil dir gesagt wird, was du zu tun hast. Für mich ist es okay, wenn jemand was von der Seitenlinie zuruft. Aber die Verantwortung muss beim Spieler liegen.“

Auch die mögliche Einführung von Technologie, um den Linienrichter überflüssig zu machen, mag Wilander überhaupt nicht. „Es nimmt etwas vom Match, wenn es keine Linienrichter gibt. Die Leute mögen Interaktion. Ich finde, das sollte man nicht machen. Menschliche Fehler sollten dabei sein. Fußball ist mit großem Abstand der beliebteste Sport der Welt. Und im Fußball gibt es in der Geschichte die meisten Fehlentscheidungen, sei es Tor, Abseits oder Elfmeter.” Eines ist sicher. Es wird weiter gestritten werden über die Regeln im Tennis. Und das ist auch gut so.

Podcast zum fünften Tag der Australian Open

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