Davis Cup – Rafael Nadal

Davis Cup vs. Saisonvorbereitung

Unser Kolumnist Alexander Waske hat genaue Vorstellungen, wie eine Saisonvorbereitung auszusehen hat. Doch die späte Davis Cup-Endrunde birgt nun neue Gefahren für ein ganzes Jahr.

Ein Tennisprofi muss nach einer fast elfmonatigen Saison zehn bis 14 Tage Urlaub machen.  Anschließend muss eine Vorbereitungszeit von vier bis sechs Wochen absolviert werden. Wenn man bei den Australian Open fit sein will, muss man eigentlich spätestens Anfang Dezember anfangen. Zusätzlich muss ein Spieler zwei bis drei Zeiträume während der Saison herauspicken, in denen er nochmals pausiert, um konditionell nachzubessern. Topspieler wie Roger Federer können diese Pausen am besten planen, weil sie bei fast allen Events weit kommen. Die Spieler dahinter haben weniger Erfolg und dementsprechend mehr Ranking- und Gelddruck – für sie ist die Auswahl der Pausen schwerer zu wählen. 

Letzte Woche birgt Gefahr 

Der Turnierkalender per se ist vollgepackt. Profis können theoretisch jede Woche spielen. Trotzdem müssen Trainer und Spieler diese Pausen planen. Bei mir als aktiver Spieler war das immer der Zeitraum nach dem Turnier in Miami. Da habe ich pausiert und trotz Beginn der Sandplatzsaison nochmal einen Konditionsblock eingebaut. Ein Sandplatzspezialist würde sicher einen anderen Termin wählen. Dazu habe ich nach den US Open nochmal einen Block eingelegt. Andere Termine kamen für mich nicht in Frage, da ich mit meiner Rankingposition neben den Turnieren im Sommer auch immer noch Bundesliga gespielt habe. Es ist also immer eine ganz individuelle Entscheidung, aber einfach wie bei den Fußballern, deren Sommerpause automatisch vorgegeben ist, ist es im Tennis nicht.

Noch schwieriger wird die Planung dadurch, dass der Kalender immer weiter in den späten November verschoben wird. Durch das neue Davis Cup-Format schlagen in der Woche nach den ATP Finals noch viel mehr Akteure auf. Jetzt müssen Spieler mehr denn je entscheiden: Wollen sie das Flair und das Prestige genießen, für das eigene Land zu spielen und Geld zu verdienen – dafür aber eine Woche Pause zu verlieren? Für die Akteure, die sich in der Regel nicht für die ATP Finals qualifizieren, bedeuten die Davis Cup Finals sogar, dass die Saison bis zu drei Wochen länger geht. Wenn man dann danach zu wenig Zeit zur Regeneration und zur Saisonvorbereitung hat, spürt man das unter Umständen die ganze Saison 2020. Die letzte Woche 2019 birgt eine Gefahr für die Vorbereitung.

Showkämpfe nicht so belastend wie Davis Cup

Es wird auch viel über die gleichzeitig stattfindenden Showkämpfe von Alexander Zverev und Roger Federer in Südamerika diskutiert. Viele betrachten das meiner Meinung nach falsch und zu kritisch: Ein Showkampf bringt zwar Reisestrapazen mit sich wie jetzt im Falle der Beiden. Die nervliche Belastung, die man bei Turnieren wie dem gleichzeitig stattfindenden Davis Cup empfindet, hat man bei so einer Reise nicht. Das ist eher positiver Stress. Man kann nicht einfach behaupten, nur weil Zverev mit Federer jetzt drei Showkämpfe in der Woche des Davis Cups spielt: „Das ist die gleiche Belastung. Dann hätte er auch dort spielen können.“ Das stimmt so nicht. Denn die Wettkampfbelastung ist etwas, was mehr an den Kräften zehrt. Ich bin mir sicher, dass beide Spieler diese Woche nutzen und ihre Fitnesstrainer dabei haben werden. Damit sie nach dem Urlaub nicht bei null starten müssen. Das ist eine individuelle Lösung, die jeder für sich finden muss. Schließlich verdienen diese Spieler viel Geld mit diesen Showkämpfen.

Was den Turnierkalender betrifft: Ich bin ein Fan von Teamevents und bin sehr gespannt auf die Premiere des ATP Cups in Australien. Ich glaube, es ist wie der Laver Cup eine große Chance für das Tennis. Schwierig wird es allerdings für Länder, die keinen guten zweiten Spieler haben. Als Beispiel wäre Stefanos Tsitsipas für Griechenland zu nennen, der in der Konstellation auf verlorenem Posten steht. Gleiches gilt übrigens für die Turnierverantwortlichen für das parallel geplante ATP-Turnier in Doha. Welche Spieler können die noch verpflichten? Durch diese Neuerungen gibt es einige ungeklärte Fragen.