2014 Shanghai Rolex Masters 1000 – Day 8

Federer: Davis Cup muss wichtiger sein als Platz eins

Roger Federer sitzt in der Zwickmühle. Der Schweizer erlebt sportlich aktuell seinen x-ten Frühling. Durch den Triumph beim Masters-Turnier in Shanghai schob sich der 33-Jährige in der Weltrangliste an Rafael Nadal auf Platz zwei vorbei. Plötzlich ergibt sich für Federer die vor Wochen noch undenkbare Chance, sogar in diesem Jahr zurück auf den Tennisthron zu steigen. Der Rückstand auf seinen Dauerrivalen und Weltranglistenersten Novak Djokovic beträgt nur noch 990 Punkte. Theoretisch kann er diesen bei den anstehenden Turnieren vor heimischen Publikum in Basel (500 Punkte für den Turniersieg), In Paris-Bercy (1.000) und beim abschließenden ATP-Finale in London (max. 1.500) wettmachen. Neben dem sportlichen Fame würde ihm der Weltranglistenplatz eins nebenbei auch noch fünf Millionen US-Dollar an Bonuszahlungen seiner Sponsoren einbringen.

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Erlebt seinen x-ten Frühling: Superstar Roger Federer.

So weit, so gut. Wäre da im Terminkalender aber nicht noch ein weiteres Highlight: Das Davis-Cup-Finale in Frankreich vom 21. bis 23 November. Neben einer Einzelgoldmedaille bei den Olympischen Spielen ist der Teamwettbewerb der einzige Titel, den „FedEx“ noch nie gewinnen konnte. Gerade weil sein Teamkollege Stan Wawrinka derzeit schwächelt, wäre es für die Schweizer wichtig, dass Federer auch am Ende der langen Saison noch in Topform ist. Das Problem: Um in Lille im Vollbesitz seiner Kräfte zu sein, benötigt Federer mit Sicherheit eine kleine Spielpause für die optimale Regeneration. Schon jetzt hat er 71 Partien in dieser Saison – mehr als jeder andere Profi auf der Tour – auf seinem mit Verlaub nicht mehr jungem Buckel. Und so gerät der Schweizer nun in ein Dilemma. Die Frage, die er sich stellen muss: Davis Cup oder Tennisthron?!?

Spielt er Basel, Paris-Bercy und London und damit bis zum Davis Cup-Finale quasi durch, läuft er Gefahr, gegen die Franzosen nicht in Vollbesitz seiner Kräfte zu sein. Zumindest die nötige Frische könnte ihm fehlen. Da er auf sein Heimturnier in Basel sicherlich ebenso wenig wie auf das ATP-Finale verzichten wird, bietet sich lediglich ein Paris-Verzicht für eine Verschnaufpause an. In Hinblick auf seinen Heldenstatus sollte er dies tun und den Davis Cup im Fokus haben.

Auf die Millionen-Bonuszahlung kann der Schweizer, der alleine an Preisgelder schon rund 75 Millionen Euro verdient hat, ohnehin verzichten. Geld braucht sein Antrieb schon lange nicht mehr zu sein. Dass er mit 33 Jahren und zum sechsten Mal nach 2004 bis 2007 und 2009 als dann jetzt ältester Spieler aller Zeiten ein Jahr als Nummer 1 beenden könnte, wäre lediglich ein weiterer Eintrag in seiner ohnehin ellenlangen Rekordliste. Der Triumph beim Davis Cup und der Gewinn der „hässlichsten Salatschüssel der Welt“ würde hingegen auch den letzten weißen Fleck in seiner sportlichen Vita füllen. Der Davis Cup muss für Federer wichtiger sein als Platz eins in der Weltrangliste.

Die Video-Highlights von Federer aus Shanghai:

Finalkrimi gegen Simon

Federer bringt Gegner zum Weinen

 

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