Next Gen ATP Finals Auslosung

Mail aus Mailand: Sexismus bei den Next Gen ATP Finals

Heute um 14 Uhr fällt mit der Partie Karen Khachanov gegen Daniil Medvedev der Startschuss bei den Next Gen ATP Finals in Mailand – der sogenannten U21-WM. Die ATP und der italienische Tennisverband haben es geschafft, dass über die Veranstaltung bereits vor dem ersten Ballwechsel intensiv gesprochen wird. Und das liegt nicht nur an den getesteten neuen Regeln, sondern vor allem an der Auslosungszeremonie. Der Vorwurf des Sexismus steht im Raum.

Hat sich die ATP mit dieser Präsentation ein Eigentor geschossen oder ist es ein cleverer Marketingschachzug, um noch mehr Aufmerksamkeit für die Next Gen ATP Finals zu generieren? Mit dem Slogan „The future is now“ wird für die U21-WM geworben. Die Netzgemeinde war sich nach der Auslosung überwiegend einig: Die Szenen, die sich in Mailand abspielten, hatten mit der Zukunft nicht viel zu tun, sondern waren ein peinlicher Schritt zurück.

Mit Models auf dem Catwalk

Die ehemalige Weltranglistenerste Amélie Mauresmo bezeichnete es als „Schande“. Für Judy Murray war es „furchtbar“. Alizé Cornet verpasste der Auslosung den Hashtag „zurückaufnull“.

Was war passiert?

Andrey Rublev und Karen Khachanov sind in Mailand als Gruppenköpfe gesetzt. Die beiden Russen betraten mit Models im Arm den Catwalk. Gleichzeitig wurde der Buchstabe der Gruppe vom jeweiligen Model präsentiert: A für den Topgesetzen Rublev, B für den an zwei gesetzten Khachanov. Die Nummern drei, fünf und sieben der Setzliste, Denis Shapovalov, Jared Donaldson und Daniil Medvedev, mussten, bevor sie auf die Bühne kamen, zwischen zwei Models wählen. Die Damen trugen dabei entweder den Buchstaben „A“ oder „B“ irgendwo auf ihrem Körper. Das Geheimnis der zugelosten Gruppe enthüllten die Models schließlich im wahrsten Sinne des Wortes. Der Südkoreaner Hyeon Chung, als Asiat sehr zurückhaltend in seiner Art, sollte dem Model ihren Handschuh sogar mit den Zähnen ausziehen.

ATP bittet um Entschuldigung

Die Kritik an der Form der Auslosung, die auch vom Getränkehersteller Red Bull veranstaltet wurde, fiel nicht nur bei Mauresmo & Co. heftig aus. Der Tenor: seltsam und sexistisch, wie ein Junggesellenabschied in einem Striplokal. Die Zeremonie war anscheinend als Hommage an die Modeindustrie in Mailand gedacht. Der Schuss ging jedoch nach hinten los. Der italienische Tennisverband distanzierte sich von der Auslosung und gab an, dass er dabei nicht involviert war.

Die ATP und Red Bull baten schließlich in einer gemeinsamen Erklärung um Entschuldigung und bezeichneten die Durchführung der Zeremonie als „geschmacklos“ und „inakzeptabel“. Eine Wiederholung ähnlicher Art sei ausgeschlossen.

Neue Regeln: Fast4-Modus, Shot Clock, keine Linienrichter

Die Next Gen ATP Finals werden vom 7. bis 11. November in Mailand im Round-Robin-System in zwei Vierergruppen ausgetragen. Spielberechtigt sind die sieben besten U21-Spieler des Jahres und ein italienischer Qualifikant (Gianluigi Quinzi). Alexander Zverev sagte wegen seiner Teilnahme an den ATP World Tour Finals ab, tritt aber in einem Schaukampf gegen Ersatzspieler Stefanos Tsitsipas an). Bei der Veranstaltung, bei der es insgesamt 1,275 Millionen US-Dollar Preisgeld, aber keine Weltranglistenpunkte zu verdienen gibt, werden zahlreiche neue Regeln getestet.

Gespielt wird im Fast4-Modus (Satz bis vier, Tiebreak bei 3:3) über drei Gewinnsätze, mit der No-Ad-Regel (bei Einstand entscheidet der nächste Punkt) sowie ohne die Let-Regel (keine Wiederholung des Netzaufschlages). Hinzu kommen eine Shot Clock auf dem Platz, On-Court-Coaching, ein verkürztes Warm-up und die Möglichkeit für die Zuschauer, zu jeder Zeit die Halle zu betreten und zu verlassen. Die revolutionärste Neuerung ist der Einsatz des Systems „Hawk Eye Live“, das automatisch einen Aus-Ruf generiert und Linienrichter überflüssig macht. Die Next Gen ATP Finals werden auf Amazon Prime Video übertragen.


  1. Bonhomme Richard

    Schon beim Anschauen des Twitter-Clips bekommt man den Eindruck: das Event hat offenbar das Niveau einer Dorfkirmes noch unterboten. Unterirdisch! Was haben sich die Organisatoren nur dabei gedacht, vermutlich gar nichts. Einfach so frei aus der Hüfte raus mit primitiver machohafter Grundeinstellung das Ding geschmissen nach dem Motto „Is Paaadie, ist doch nur Spass“. Ich kann die Aufregung der Spielerinnen verstehen, die sich dazu geäußert haben! Und ich möchte lieber nicht wissen, was in Sachen Sexismus hinter den Kulissen der Fashionbranche nicht nur in Mailand, sondern weltweit so abgeht, ich schätze man muss sich nicht hinter der Filmindustrie verstecken. Aber Tennis sollte sich von dieser dekadenten Szene deutlich abgrenzen. Und Mateschitz soll seine Brausedöschen besser woanders vermarkten.


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