Novak Djokovic

Mail aus New York: Vier Novaks an einem Tag

Er litt, quälte sich, kämpfte und präsentierte sich zum Schluss in alter Stärke. Novak Djokovic überlebte in seinem Auftaktmatch bei den US Open die Hitzeschlacht gegen Marton Fucsovics aus Ungarn.



Als Goran Ivanisevic das Wimbledonturnier 2001 sensationell mit einer Wildcard gewann, sagte der Kroate, dass er stets mit fünf Gegnern während eines Matches zu tun habe: Schiedsrichter, Publikum, Ballkinder, Platz und sich selbst. Auch Novak Djokovic kämpfte in seiner Karriere schon häufig einen inneren Kampf gegen sich selbst und äußere Umstände. Heute war wieder einer dieser Tage. Im Arthur Ashe Stadion erlebten die Zuschauer vier verschiedene Novaks an einem Tag: den kontrollierten Novak, den leidenden Novak, den euphorisierten Novak und den erbarbumungslosen Novak.

Djokovic: „Brutale Bedingungen”

Der Serbe siegte in seinem Erstrundenmatch gegen den Ungarn Marton Fuscovics mit 6:3, 3:6, 6:4, 6:0. Auf dem Papier ein recht souveräner Pflichtsieg mit einem kleinen Schönheitsfehler. Doch der „Djoker“ war in großen Schwierigkeiten. Ein Ausscheiden in der ersten Runde: gar nicht mal so abwegig. „Es war hart. Wir beide haben gelitten und waren nicht die einzigen heute. Brutale Bedingungen. Aber es ist, wie ist. Du musst damit klarkommen“, sagte Djokovic. Es sah im größten Tennisstadion der Welt zunächst alles nach Routine aus. Die Zuschauer sahen den kontrollierten Djokovic, der sein gewohntes Programm abspulte und den ersten Satz nach einem frühen Break ohne größere Kraftanstrengung für sich entschied.

Mitte des zweiten Satzes drehte sich das Match. Fucsovics breakte zum 4:2 und bestätigte anschließend dieses. Djokovic schlich wie ein begossener Pudel zur Bank, zog sein Shirt aus und kühlte mit mehreren Eispacks seinen gesamten Körper. Der Serbe wirkte immer mehr gezeichnet, angeschlagen von der Hitze. Als der Arzt kam, um ihm ein paar Pillen zu geben, bat er um einen Eimer in der Nähe – falls er sich übergeben müsste. Der Ungar witterte seine Chance, glich in den Sätzen aus und schien mit der schwülwarmen Bedingungen weitaus weniger Probleme zu haben als sein Kontrahent.

Djokovic denkt nicht an Aufgabe

Der leidende Djokovic fand im dritten Satz seinen Höhepunkt. Er wirkte nicht ganz auf der Höhe des Geschehens. Man musste sich Sorgen machen um den zweimaligen US-Open-Sieger, als er mit 1:3 in Rückstand geriet und einen Breakball zum 1:4 abwehren musste. Für außenstehende Beobachter schien es so, dass Djokovic eines der Hitzeopfer des zweiten Spieltages werden könnte. An eine Aufgabe dachte er jedoch nicht. „Nein, ich dachte nicht, dass ich es nicht beenden könnte. Ich habe gehofft und gebetet, dass ich mich mit Laufe des Matches besser fühlen würde.“ Fucsovics half dabei mit. Der Ungar fuhr nun selbst gegen die Wand namens New Yorker Hitze.

„Ich musste einen Weg finden, um mich aus den Schwierigkeiten zu befreien. Die Wende war bei 4:3 bei seinem Aufschlag, als ich ein gutes Spiel schaffte. Ich habe gesehen, dass er begann, etwas langsamer zu werden. Auch er hatte körperliche Probleme. Da habe ich gespürt, dass es die Chance ist, um ins Match zu kommen.“ Djokovic glich zum 4:4 aus und war wenige Minuten später mit 2:1-Sätzen vorne. Beim Satzball verteidigte der Serbe gewohnt stark und durfte sich auch über die Mithilfe von Fucsovics freuen. Und da war er: der euphorisierte Djokovic, der die Satzführung fast wie einen Grand-Slam-Titel feierte.

„Marton und ich waren nackt im Eisbad”

Nun kam die Heat Policy zum Einsatz. Beide Spieler machten von der zehnminütigen Auszeit Gebrauch. „Marton und ich waren nackt im Eisbad nebeneinander. Es war ein herrliches Gefühl muss ich sagen“, scherzte er im On-Court-Interview. Auf der Pressekonferenz stellt er später klar: „Wir beide waren nicht in einem Eisbad. Das habe ich sehr klar gesagt. Es waren zwei Eisbäder, eines neben dem anderen. Ich war 45 Sekunden oder eine Minute drin. Es war dazu da, um deinen Körper zu schocken. Es war so warm. Es fühlte sich so an, als ob alles in deinem Körper und deinem Gehirn kocht.“

Als beide Spieler zurück auf den Platz kamen, sahen die Zuschauer den erbarmungslosen Djokovic, der Fucsovics den Zahn gezogen hatte und ihn das nun eindeutig spüren ließ. Mit insgesamt zehn Spielgewinnen in Folge zog er in die zweite Runde ein. „Die zehnminütige Pause war offensichtlich das, was mir sehr entgegenkam und was ich brauchte. Ich bin froh, dass wir das hatten. Die ersten drei Sätze war es ein Überlebensmodus für uns beide. Du hast diese Tage, diese Matches, wo du einen Weg finden musst, um drin zu bleiben und mit dem besonderen Umständen umzugehen.“ Es ist sehr wahrscheinlich, dass Djokovic dieses Match eine Menge Selbstbewusstein geben wird in Richtung 14. Grand-Slam-Titel. In der zweiten Runde wartet am Donnerstag Lokalmatador Tennys Sandgren. 33 Grad sind angekündigt. Djokovic hofft auf eine Ansetzung im Schatten in der Night Session.

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