2018 French Open – Day Five

Mail aus Paris: Maxi Marterer statt Next Gen

Die Vertreter der gehypten Next Gen haben sich bei den French Open größtenteils verabschiedet. Der Deutsche Maximilian Marterer ist noch im Turnier. Am Samstag spielt er um den Einzug ins Achtelfinale gegen den 30-jährigen Esten Jurgen Zopp, die Nummer 136 der Welt.



Es war ein interessantes Bild, am Donnerstag nach dem Match zwischen Maximilian „Maxi“ Marterer und Denis Shapovalov. Der 19-jährige Next Gen-Star stand mit seinem Vater vor dem großen Presseraum. Die beiden steckten die Köpfe zusammen. Als der Aufruf des ITF-Mannes kam, dass die Pressekonferenz beginnt, rief ihm sein Daddy, ein Schrank von einem Mann, noch zu: „Humble“.

Der Sohn sollte also bescheiden auftreten. Was er auch tat. Es war ein blitzsauberer Auftritt des Kanadiers. Er lobte seinen Gegner für die starke Leistung, bat um Zeit für sich und seine sportliche Entwicklung. Er formulierte erstaunlich gut für einen Teenager. „Ein richtig guter Typ“, entfuhr es einem Reporter, als die Audienz beendet war. Das kann man so stehen lassen.

Aber Shapovalov, Typ Surfer, Typ Mädchenschwarm, ist nicht die Geschichte. Auch nicht Stefanos Tsitsipas, der gutaussehende Grieche, Typ Gustavo Kuerten, ebenfalls 19 Jahre alt. Tsitsipas verlor am gleichen Tag wie Shapovalov – gegen Dominic Thiem.

Marterer? „Dass er eine Chance hat, davon bin ich ausgegangen“

Eine Story aber ist Marterer, der eine Topleistung gegen Shapovalov ablieferte. Eine Überraschung? „Ja schon. Aber ,dass er eine Chance hat, davon bin ich ausgegangen“, sagt Michael Kohlmann, der Davis Cup-Kapitän und persönliche Trainer von Marterer. Kohlmann sitzt inzwischen nicht mehr auf einem der Hartschalensitze, auf denen er drei Stunden und elf Minuten auf Court 1, dieser wunderbaren „Stierkampfarena“, ausharren musste, sondern in der Players Lounge, weiße Designer-Möbel, leicht gekühlt, Geräusche schluckende beige Teppiche und eine dekorative Palme im oberen Stockwerk.

Maximilian Marterer steht zum zweiten Mal in Serie in der dritten Runde eines Grand Slams.

Michael Geserer, der Coach und Manager von Julia Görges, kommt vorbei, gratuliert. Kurzes Fachsimpeln über die Chancen von Marterer in der nächsten Runde gegen Jurgen Zopp, die Nummer 136 der Welt. Kohlmann dämpft die Euphorie: „Gegen Tennys Sandgren in Melbourne zu spielen, war auch eine gute Chance.“ Beim ersten Major des Jahres kam das Aus in der dritten Runde, diesmal winkt wieder das Achtelfinale und damit die Aussicht, voraussichtlich gegen Rafael Nadal zu spielen. Kein Vergnügen, wenn man bedenkt, was Nadal bisher mit seinen Gegnern veranstaltet hat, aber ein riesiges Erlebnis in jedem Fall.

Marterer klarer Favorit gegen Zopp

Ohnehin geht der Weg nach oben für den Nürnberger, der in der Tennisbase in Oberhaching trainiert und dort, im Bundesstützpunkt, sämtliche Annehmlichkeiten genießt: Physio, drei Konditionstrainer, die sich abwechseln, optimale Trainingsmöglichkeiten. Kohlmann sagt: „Er hat keine unglaublichen Sprünge gemacht wie Sascha Zverev, aber er hat sich stetig weiterentwickelt. Er ist ein sehr guter Arbeiter.“ Von Platz 500 ging es über Rang 250 auf 120 in den letzten Jahren. Aktuell ist er die Nummer 70 der Welt und auf dem Papier der klare Favorit gegen Zopp.

Und auch von den Schlägen. Der erste Aufschlag, den er konstant mit 200 km/h über das Netz drischt, ist bärenstark und die Vorhand ist brandgefährlich. Dazu kommt, dass Marterer Linkshänder ist, was vielen Gegnern nicht gefällt. Kohlmann sagt: „Das sind unglaubliche Waffen.“ Man habe sie aber erst „aus ihm rausholen“ müssen. Es hat etwas gedauert, bis Marterer wusste, dass sein Spiel ist, das Match zu diktieren.

Gegen Shapovalov begann der 1,91-Meter-Mann sehr nervös. Als der Kanadier ihn bei 0:1-Satzrückstand und 1:3 im zweiten Durchgang wieder ins Spiel ließ, fing Marterer an, richtig gut zu spielen.

Marterer läuft unterhalb des Next Gen-Radars

Das beste Match seiner Karriere bislang? „Nein“, sagt Kohlmann, „gegen Ryan Harrison in der ersten Runde hat er zweieinhalb Sätze besser gespielt.“ Kohlmann findet es gut, dass Marterer „sich unter dem Radar“ entwickeln kann. Für die Next Gen, die die ATP hypt, ist er der 22-Jährige, der im Juni 23 wird, zu alt. Im deutschen Herrentennis fällt er aber noch in die Kategorie Hoffnungsträger – mit Spielern wie Rudi Molleker und Marvin Möller.

Unter dem Radar – es passt zur Persönlichkeit des eher ruhigen Marterers, der akribisch seine Karriere plant, sehr genau an seiner Technik feilt. Dass ihm sein Ranking – ihn viele Hauptfelder kommt er jetzt rein – Planungssicherheit gibt, passt ebenfalls ins Bild. „Die Turnierplanung ist jetzt viel einfacher“, sagt Kohlmann. Wo die Reise für Marterer einmal hingeht? „Schwer zu sagen, was möglich ist, ein Ranking zwischen Top 30 und 50 in jedem Fall.“

Vaterer Materer spielt wichtige Rolle

In der Regel begleitet Kohlmann Marterer zu allen Turnieren, in Sofia ließ er sich allerdings von Tobias Summerer, ebenfalls Coach der Base, vertreten. Wer immer dabei ist: Vater Michael, der früher einmal eine Spedition hatte, und oft auch Freundin Sophia.

Und was sagte Marterer selbst nach seinem Coup gegen den an Position 24 gesetzten Shapovalov: „Das Match habe ich sehr genossen. Was heute schon wieder alles passiert ist, ist hart in Worte zu fassen.   Ich muss das erstmal sacken lassen.“ Sollte er im Match gegen Zopp siegen, wäre es das beste Resultat seiner bisherigen Karriere.

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