Novak Djokovic

Novak Djokovic: Der ungeliebte König

Novak Djokovic polarisiert. Auch unser Kolumnist Alexander Waske ist sich bei der Bewertung des Serben nicht ganz sicher. Denn es gibt den guten Novak und den, der in den „Darth Vader“-Modus umschaltet.

Bei Novak Djokovic muss ich immer an die Star Wars-Saga denken. Einerseits ist der Serbe der gute Jedi-Ritter, fair und sportlich. Aber „Nole“ kann auch in den Darth Vader-Modus schalten. Er ist dann in der Rolle des mächtigen Bösen, dessen Mission es ist, die Gegner zu vernichten. Nur, dass er nicht mit einem Laserschwert kämpft, sondern mit seinem Racket.

Und dieser Darth Vader-Djokovic hat auch kein Problem, gegen 15.000 Zuschauer auf der Tribüne anzukämpfen. Im Gegenteil: Er zieht seine Energie aus diesem Kampf gegen alle. Seine Botschaft, die sich auch immer wieder in seinen Gesten und seiner Mimik ausdrückt: „Ihr brecht mich nicht!“

Djokovic: Ich biete euch meine schwache Stelle

Interessant an seiner Körpersprache ist, dass er sich anders verhält als beispielsweise ein Boxer, der sein Kinn im Hals vergräbt und praktisch aus den Augenbrauen nach oben guckt. Hinter diesem archaischen Verhalten steckt: Man will dem Gegner keine Angrifffläche bieten. Das Kinn muss auf jeden Fall geschützt werden.

Bei Djokovic ist das anders. Achten Sie einmal darauf: Er reckt das Kinn geradezu provozierend nach oben. Er sagt damit: Ich biete euch meine schwache Stelle, aber ihr habt keine Chance, da ranzukommen. Er atmet dabei durch die Nase wie ein Pferd, das die Nüstern aufbläht und hebt den Kopf. Das wirkt arrogant, hochnäsig, ja, unsympathisch.

Damit mich niemand falsch versteht. Djokovic ist ein untadeliger Sportsmann. Er hat Charme, er hat Witz. Er spendet Geld für wohltätige Zwecke. Er engagiert sich uneigennützig für schlechter platzierte Spieler und kämpft gegen das System, das die Starken belohnt. Dabei hätte er selbst mehr Preisgeld, wenn alles beim Alten bliebe.

Ein Schrei nach Anerkennung

Und dennoch: Der Darth Vader in ihm sorgt dafür, dass die Sympathien seinen Gegnern zufliegen. Darin ähnelt er Ivan Lendl, der von der US-Zeitschrift Sports Illustrated mal despektierlich als „Champion, für den sich niemand interessiert“, bezeichnet wurde.

Klar hat Djokovic seine Fans, in Serbien vergöttern sie ihn. Aber gegen Roger Federer und Rafael Nadal hat er in Sachen Beliebtheit keine Chance. Federer ist der Gentleman. Er ist elegant, eloquent, ein Liebling der Massen. Genauso Rafael Nadal. Er ist ein Fighter, der aber niemals seinen Gegner vernichten will.

Was der Schweizer und der Spanier perfekt verkörpern – und das versuche ich auch immer, meinen Schülern in der Akademie zu vermitteln: Demut. Die Bodenhaftung nicht verlieren. Roger und Rafa neigen ihr Haupt, wenn sie in die Arena treten, Nole reckt das Kinn. Auch sein martialisches Auftreten kommt nicht immer an. Der Fan hat dafür ein Gespür.

Dabei will Djokovic unbedingt geliebt werden. Wenn er nach gewonnenen Matches sein Herz mit beiden Händen praktisch ins Publikum trägt, ist das ein Schrei nach Anerkennung.

Djokovic mutiert zum mächtigen Bösewicht

Respektiert wird er. Er ist die Nummer eins. Keiner stand länger an der Spitze als er. Gut möglich, dass Nole auch den ewigen Grand Slam-Rekord mit mehr als 20 Majortiteln knackt. Wenn Djokovics Spiel funktioniert – und das tut es meistens –, ist es nahezu perfekt.  

Mich erinnert das an ein 0:0 zwischen dem FC Bayern und Paris Saint-Germain. Da schwärmen die Trainer, weil es eine taktische Meisterleistung ist, aber für die Fans fehlt es an Spielfreude, an Überraschungsmomenten und Begeisterung. Es ist perfekt durchgeplant, aber nicht faszinierend und  der Funke springt nicht über. 

Djokovic ist so etwas wie der ungeliebte König. Roger holt die Geige raus. Sein Feuerwerk auf dem Platz gleicht einem Symphonieorchester. Rafa ballt die Faust. So jemanden will man in seinem Team haben. Immer positiv. Noles Körpersprache wirkt oft negativ, er mutiert zum mächtigen Bösewicht und das ist schade, weil er es gar nicht böse meint. Ich wünsche ihm von Herzen, das er auch mal die Herzen erobert. Möge die Macht mit ihm sein! 


    • Biglewbowski

      Was ein Müll. So etwas kann nur jemand schreiben, der Komplexe hat. Djokovic ist einfach nicht sympathisch, da können seine ganzen Marketing – Anschmeichelaktionen nichts dran ändern, machen es eher schlimmer. Wenn er die Situation einfach akzeptieren würde, käme er auch nicht so künstlich freundlich rüber. Aber er ist bei weitem nicht so schlimm wie Murray, dem Kind aus der Gosse. Dieses Gelaber von Waske von wegen Demut, Kinn hoch runter kann man aber auch vergessen. Wenn man vielleicht der GOAT ist, darf man auch so auftreten. Sich dann zu wundern, daß man nicht geliebt wird, ist dann doch sehr naiv.

  1. MS

    Vorab: Ich habe RIESENRESPEKT vor FEDERER; NADAL und auch DJOKOVIC.
    Aber wenn diese drei über Jahre die Tuniere dominieren u. die Weltrangliste ausmachen wird diese Sportart einfach langweilig und erzeugt Frustation bei den Zuschauern. (Im Fußball ist das ähnlich mit den Bayern).
    Ich glaube, dass DJOKOVIC „diesen Preis“ bezahlt und darum als „ungeliebter König“ abqualifiziert wird.


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