Day One: The Championships – Wimbledon 2016

LONDON, ENGLAND - JUNE 27: Phillip Kohlschreiber of Germany towels off during the Men's Singles first round match against Pierre-Hugues Herbert of France on day one of the Wimbledon Lawn Tennis Championships at the All England Lawn Tennis and Croquet Club on June 27th, 2016 in London, England. (Photo by Clive Brunskill/Getty Images)

Wimbexit: Kohlschreibers bitteres Aus

Kohlschreibers Hüfte

Mehr Golf sah man dann aber nicht von Kohlschreiber. Ursprünglich war verabredet, dass er am Tag darauf mit Kieffer auf die Runde geht. „Geht nicht“, signalisierte Kohlschreiber, „die Hüfte…“

Ist also die Hüftverletzung schuld, die ihn schon in Halle zur Aufgabe vor dem Viertelfinale gegen Dominic Thiem zwang, dass Kohlschreiber bereits im Wimbledon-Auftaktmatch gegen Pierre-Hugues Herbert (5:7, 3:6, 6:3, 3:6) verlor? Eher nicht. Die Vorbereitung auf den Höhepunkt der Saison mag für Kohlschreiber nicht optimal gewesen sein, aber von einer Verletzung war im Match nichts zu sehen. Kohlschreiber ist die Nummer 22 der Welt, der Franzose rangiert an Position 81. In Stuttgart entschied Kohlschreiber dieses Duell noch deutlich – 6:4, 6:1. In Wimbledon benötigte Herbert nicht einmal zwei Stunden, um den Deutschen zu besiegen.

Pierre-Hugues Herbert steht nach dem Erfolg gegen Philipp Kohlschreiber in der zweiten Runde von Wimbledon.

Pierre-Hugues Herbert steht nach dem Erfolg gegen Philipp Kohlschreiber in der zweiten Runde von Wimbledon.

Fakt ist: Kohlschreiber spielte schwach, was er auch selbst so sah. Er nutzte die gute Ausgangsposition als Gesetzter und die gute Auslosung nicht. Herbert in Runde eins war alles andere als ein Hammerlos, auch wenn dem 25-Jährigen respektable 37 von 45 Punkten am Netz gelangen. Erst im Achtelfinale – vermutlich gegen Novak Djokovic – wäre die Hürde wohl zu hoch gewesen.

Nicht über Runde drei bei einem Grand Slam-Turnier

Seit den Australian Open 2015 hat es Kohlschreiber nicht mehr geschafft, die dritte Runde bei einem Grand Slam-Turnier zu überstehen. Macht sechs vergleichsweise frühe Niederlagen in Folge – zu wenig für eine deutsche Nummer eins. Vielleicht sollte Kohlschreiber, der bei kleineren Turnieren zum Teil glänzend agiert, bei diesem langen Zeitraum seine Karriere-Planung hinterfragen. Viel Zeit bleibt dem 32-Jährigen nicht mehr.

Dazu kommt, dass die Pole Position in Deutschland wackelt. Alexander Zverev rangiert nur noch sechs Plätze hinter ihm. Einen kleinen Seitenhieb auf den potenziellen Nachfolger konnte sich Kohlschreiber vor Turnierbeginn nicht verkneifen. Bei der Finalniederlage gegen Florian Mayer in Halle habe man gesehen, was Zverev noch fehlt. „Der Flo gehört ja wie ich zu einer aussterbenden Art, mit ein bisschen mehr Kreativität und Ballgefühl ausgestattet als die jungen Burschen„, sagte Kohlschreiber.

Alexander Zverev rückt Philipp Kohlschreiber in der Weltrangliste immer mehr auf die Pelle. In Wimbledon möchte er wie zuletzt in Halle für Furore sorgen.

Alexander Zverev rückt Philipp Kohlschreiber in der Weltrangliste immer mehr auf die Pelle. In Wimbledon möchte er wie zuletzt in Halle für Furore sorgen.

Nach seiner frühen Niederlage könnte man den Spruch auch so interpretieren: Da hält einer den potentiellen Verfolger zumindest verbal auf Distanz.