Alexander Zverev, Boris Becker

Becker über Zverev: „Im Ausland wird er als Star gefeiert“

Boris Becker nimmt im Interview mit der Stuttgarter Zeitung Alexander Zverev in Schutz und kritisiert die vielen Fußballübertragungen im deutschen Fernsehen.

Die bisherige Saison von Alexander Zverev lief für die hohen Erwartungen des 21-Jährigen wenig zufriedenstellend. Zwar konnte Zverev beim ATP-Turnier in Acapulco sein 16. Finale auf der ATP-Tour bestreiten, in der Jahresweltrangliste liegt der Deutsche allerdings derzeit nur auf Platz 22. Die Erwartungen an Zverev seitens der deutschen Medien und Öffentlichkeit sind riesig.

Boris Becker nahm den Weltranglistendritten im Interview mit der Stuttgarter Zeitung in Schutz. „Sascha ist 2018 ATP-Weltmeister geworden, ein Titel, von dem 99,9 Prozent der Tennisspieler nur träumen können“, sagt Becker und bremst die hohe Erwartungshaltung an Zverev. „Ich bin immer wieder erstaunt, was die deutsche Öffentlichkeit als Erfolg oder Misserfolg definiert. Schauen Sie: Sascha ist 21 und spielt im dritten Jahr unter den ersten fünf der Welt. Er ist mit Abstand der beste Spieler seiner Generation und hat drei Mastersturniere gewonnen. Er hat nur ein kleines Problem – das heißt Federer, Djokovic und Nadal. Damit ist er aber nicht alleine. Das ist alles erst mal hervorragend.“

Becker über Tennis im TV: „Es liegt an den Fernsehschaffenden”

Becker wünscht sich einen fairen Umgang mit Zverev und dessen Leistungen. „Ich weiß, dass Sascha in Deutschland kritischer gesehen wird, weil er noch kein Grand-Slam-Turnier gewonnen hat. Und ich weiß jetzt schon: Nach seinem ersten Titel wird es heißen: Warum hat er nicht schon zwei Grand Slams gewonnen? Ich halte dies für fehl am Platze. Im Ausland wird er als Star gefeiert.“

Auch wenn Zverev Grand-Slam-Titel gewinnen sollte, glaubt Becker nicht daran, dass Tennis in Deutschland wieder ähnlich populär wird wie in den Achtzigern und Neunzigern. Der sechsmalige Grand-Slam-Sieger nimmt dabei das Fernsehen in die Pflicht. „Es liegt an den Fernsehschaffenden. Solange lieber ein Drittligaspiel im Fußball live im öffentlich-rechtlichen Fernsehen übertragen wird als ein Wimbledon-Finale – so lange wird sich daran wenig ändern. Da hat keine andere Sportart eine Chance“, sagt Becker und ergänzt: „Was vor 30 Jahren war, wird es nie wieder geben. Ich will auch gar nicht von den guten alten Zeiten sprechen – vielleicht waren die ja gar nicht so gut, man hatte nur weniger Alternativen.“