2021 Australian Open: Day 13

Brady über Osaka: „Sie ist eine Inspiration für uns alle“

Naomi Osaka hat bei den Australian Open ihren vierten Grand-Slam-Titel gewonnen. Gegen Jennifer Brady spielte sie ihre Erfahrung auf der großen Bühne aus.

Melbourne (SID) Naomi Osaka gab dem mächtigen Silberpokal ein zärtliches Küsschen, dann drehte sie unter dem Jubel der Fans eine Ehrenrunde in der Rod-Laver-Arena. „Es fühlt sich unglaublich an“, sagte die Japanerin, nachdem sie im Finale der Australian Open ihren Status als Superstar im Frauentennis eindrucksvoll untermauert und ihren vierten Grand-Slam-Titel gewonnen hatte.

Die 23-Jährige setzte sich in einem teilweise nervös geführten Endspiel mit 6:4, 6:3 gegen Finaldebütantin Jennifer Brady aus den USA durch und bleibt in Majorfinals unbesiegt. In Melbourne ist es für Osaka der zweite Triumph nach 2019. Brady, die vom Regensburger Michael Geserer trainiert wird, verpasste dagegen ihren ersten großen Titel. Das Männer-Endspiel bestreiten am Sonntag (9.30 Uhr/Eurosport) Rekordsieger Novak Djokovic aus Serbien und der Russe Daniil Medwedew.

Osaka über Brady: „Sie wird zu einem Problem werden“

Osaka kümmerte sich in ihrer Siegesrede zuerst um die Verliererin. „Ich habe allen schon bei den US Open gesagt: Sie wird zu einem Problem werden“, sagte Osaka in Richtung Brady, ehe sie ihrem Team und den Fans für die Unterstützung dankte. Brady lobte ihre Bezwingerin: „Sie ist eine Inspiration für uns alle.“

Osaka schaffte wie Angelique Kerber 2016 das Kunststück, im Turnierverlauf Matchbälle abzuwehren und das Event zu gewinnen. Im Achtelfinale hatte sie gegen Vorjahresfinalistin Garbine Muguruza (Spanien) vor dem Aus gestanden. Durch den Erfolg rückt Osaka, die 2018 und 2020 auch die US Open gewonnen hat, in der Weltrangliste auf Rang zwei vor. Auch Brady machte einen großen Sprung, sie wird künftig als 13. geführt.

Die Rollen waren vor dem Finale klar verteilt. Osaka ging nach ihrem dominanten Halbfinalerfolg gegen die 23-malige Grand-Slam-Siegerin Serena Williams und mit ihrer Erfahrung auf größter Bühne als klare Favoritin in das Match. Für Brady war bereits das Erreichen des Endspiels ein großer Erfolg. Sie hatte die ersten zwei Wochen in Melbourne wie Kerber in strikter Quarantäne verbracht. Die Kielerin war in Runde eins gescheitert, Brady ließ sich die komplizierte Vorbereitung nicht anmerken.

Becker über Osaka: „Der nächste Superstar“

„Mein Tipp ist und bleibt Osaka“, hatte Bundestrainerin Barbara Rittner dennoch vor dem ersten Aufschlag gesagt, und Boris Becker stimmte ihr zu. „Für mich ist sie die Nachfolgerin von Serena Williams, der nächste Superstar“, sagte der sechsmalige Grand-Slam-Champion und Eurosport-Experte. Aber er erinnerte auch an das Halbfinale bei den US Open, das Osaka vor ihrem Titelgewinn im letzten Jahr nur knapp in drei Sätzen gegen Brady gewonnen hatte.

Doch die Außenseiterin, die sich in Regensburg auf die Saison vorbereitet hatte, begann mit vielen Fehlern und einem etwas unsicheren Aufschlag. Osaka dagegen fühlte sich vor dem Publikum wohler und blieb auch im zweiten Satz am Drücker. Brady wehrte sich, doch in den entscheidenden Momenten war ihre Kontrahentin konsequenter und beendete das Match nach nur 77 Minuten.

Die deutschen Spielerinnen hatten bei dem Turnier enttäuscht, erstmals seit den French Open 2010 fand die dritte Runde eines Grand-Slam-Turniers ohne Vertreterin des Deutschen Tennis Bundes (DTB) statt. Einzig Mona Barthel erreichte die zweite Runde. Die dreimalige Grand-Slam-Siegerin Kerber, Andrea Petkovic und Laura Siegemund waren schon an ihren Auftakthürden gescheitert.