Beim Masters 1000 in Paris, dem ersten Turnier als Weltranglistenerster verabschiedete sich Alexander Zverev in der ersten Runde gegen Lorenzo Musetti.
Die Bürde als Nummer 1 der Welt? Am Montag ließ sich Alexander Zverev in Paris noch als 30. Spitzenreiter der ATP-Geschichte feiern, Videogrüße von Rafael Nadal und Pete Sampras inklusive. Am Mittwoch schlich er gefrustet aus der Halle: 6:7 (5:7), 2:6 gegen Lorenzo Musetti, Endstation in Runde zwei und im ersten Match nach einem Freilos. Damit verpasste er überraschend das Achtelfinale. Erst vier Spieler vor Musetti hatten einen Weltranglistenersten in dessen erstem Match an der Spitze besiegt.
Der Tiebreak als Wendepunkt
Lange begegneten sich beide auf Augenhöhe. Zverev wehrte im ersten Satz Breakbälle ab und führte im Tiebreak bereits 5:2, doch dann gewann Musetti fünf Punkte in Serie. Immer wieder zwang der Italiener den 1,98-Meter-Mann mit tiefen Rückhand-Slicebällen in die Knie und nahm ihm so den Rhythmus.
Der verlorene Satz hinterließ Spuren. Musetti breakte früh zum 2:1 und später zum 5:2, während Zverev zunehmend die Schultern hängen ließ. Nach 100 Minuten beendete der Italiener die Partie mit zwei Assen in Folge. Die Statistik passt ins Bild: 29 Winner bei zwölf unerzwungenen Fehlern für Musetti, 25 Winner bei 21 Fehlern für Zverev.
Zverev sucht keine Ausreden
Nach dem Spiel gab sich Zverev selbstkritisch. „Er hat richtig gut gespielt und ich richtig schlecht“, brachte er es auf den Punkt. Es sei womöglich eines seiner schlechtesten Matches der vergangenen Monate gewesen, verbessern müsse er so gut wie alles. Auch den sehr schnellen Platz ließ er nicht als Erklärung gelten: So müsse ein Hallenbelag sein.
Ganz aus heiterem Himmel kam die Niederlage allerdings nicht. Musetti führt im direkten Vergleich nun 4:2 und gewann vier der letzten fünf Duelle. Zudem reiste er als frischgebackener Turniersieger von Lyon an. Im Achtelfinale trifft er nun auf den Franzosen Luca Van Assche.
Fokus auf Turin und Bologna
Von einer Krise kann noch lange nicht die Rede sein. Zverev hat in diesem Jahr die French Open und die US Open gewonnen und beendet die Saison unabhängig vom Ausgang in Paris als Nummer 1. Das frühe Aus verschafft ihm vor den großen Aufgaben sogar zusätzliche Erholung: Vom 15. bis 22. November stehen die ATP Finals in Turin an, die er bereits zweimal gewonnen hat. Direkt danach geht es zur Davis Cup-Endrunde nach Bologna, wo Deutschland am 26. November auf Großbritannien trifft und vom ersten Titel seit 1993 träumt.
Die Bürde der Nummer 1 ist also wohl nicht das Problem. Lorenzo Musetti bleibt es dagegen schon.