Die WTA-Finals in Indian Wells starten am 8. November. Mit dabei: Aryna Sabalenka. Im März triumphierte sie schon einmal in der kalifornischen Wüste. Kehrt die 28-Jährige zum Saisonende zu alter Stärke zurück?
Im Format „Die Saison von …“ findet Ihr alle Infos über die besten acht Spielerinnen der Saison: Als zweite Spielerin qualifizierte sich Aryna Sabalenka. Die Saison der vierfachen Grand Slam-Siegerin könnte man als Mischung aus Triumph, Frustration, Glitzer und Glamour bezeichnen.
Solider Start in Australien
Sabalenka startete als Nummer eins erfolgreich in die Saison 2026. In Brisbane konnte sie beim WTA-500-Turnier ihren Titel verteidigen. Mit 6:4 und 6:3 setzte sich die Belarussin gegen die Ukrainerin Marta Kostyuk durch. Bei den Australian Open spielte sie sich in Melbourne bis ins Finale. In der Rod Laver Arena musste sie sich mit 4:6, 6:4 und 4:6 Elena Rybakina geschlagen geben.
Sunshine-Double für Sabalenka
Im März feierte Sabalenka den wohl größten Erfolg der laufenden Saison, indem sie das prestigeträchtige Sunshine-Double komplettierte. In Miami besiegte sie Coco Gauff in drei Sätzen (6:2, 4:6 und 6:3). In Indian Wells revanchierte sich Sabalenka für das Australian Open-Finale. Mit 3:6, 6:3 und 7:6 setzte sie sich gegen Rybakina durch.
Bild: ImagoGewann im März in der kalifornischen Wüste: Aryna Sabalenka.
Frustration auf Sand und Gras
In den darauffolgenden Monaten hatte Sabalenka mit einer Formkrise zu kämpfen. Die 28-Jährige, die normalerweise mit ihrem aggressiven und kraftvollen Spiel überzeugt, musste sich ungewöhnlich früh geschlagen geben. Bei den Madrid Open, die sie 2021, 2023 und 2025 gewonnen hatte, unterlag sie im Viertelfinale knapp der US Amerikanerin Hailey Baptiste. In Rom verlor sie in Runde drei gegen die Rumänin Sorana Cirstea.
Auch bei den French Open war im Viertelfinale Endstation. In einem emotionalen Match gegen die Russin Diana Shnaider zeigte sich Sabalenka deutlich frustriert. Der starke Wind während der Partie ließ die Emotionen noch höher kochen.
Mit ihrer Aussage in der anschließenden Pressekonferenz in der französischen Hauptstadt „Keine Gedanken, keine Emotionen. Ich würde Tennis gerade gerne aufgeben“, sorgte Sabalenka nicht nur für diverse Schlagzeilen, sondern ging auch in den Sozialen Medien viral.
Nicht nur auf dem roten Sand, sondern auch auf dem heiligen Rasen in Wimbledon zeigte sich die Sunshine-Double-Siegerin frustriert. „Ich möchte mich betrinken, Tennis vergessen und versuchen in eine bessere Form zu kommen“, sagte Sabalenka, nachdem sie auf dem Centre Court an der Church Road mit 2:6 und 6:7 gegen die ehemalige Nummer eins, Naomi Osaka, verloren hatte.
„Zu viel Tik Tok, zu wenig Tennis“
Ihre anschließende kurze Sommer-Pause in Griechenland dokumentierte die Belarussin auf ihrem YouTube-Kanal. In dem Format „Aryna‘s Arena“ teilt sie immer wieder Einblicke von ihrem Leben auf und neben dem Court.
Tennisfans kritisierten die 28-Jährige im Laufe der Saison des Öfteren für ihre Präsenz in den Sozialen Medien. „Zu viel Tik Tok, zu wenig Tennis“, schrieb ein User. „Deshalb verliert sie“, kommentierte ein anderer.
Sabalenka selbst beschrieb die Sozialen Medien als eine Art Hobby. In einem kürzlich veröffentlichten YouTube-Video mit dem Titel „Warum ich von TikTok besessen bin“ erklärte sie: „Ich mache gerne ein paar TikToks, um mich zu beschäftigen, Spaß zu haben und um für eine Weile zu vergessen, was man macht.“ Außerdem: „Alle meine Social Media-Plattformen dienen dazu, mich auszudrücken, mich mit anderen Menschen zu verbinden und meine andere Seite zu zeigen.“
Sabalenka verzeichnet aktuell als aktiver Profi, abgesehen von Serena Williams, die in dieser Saison zeitweise zurück auf die Tour gekehrt war, die meisten Instgram-Follower (5,7 Millionen). Auf TikTok sind es 1,8 Millionen.
In der Welt des Glamours
Den Vorwurf, sie sei nicht auf den Sport, sondern auf ihre Off-Court-Aktivitäten fokussiert, musste Sabalenka sich in dieser Saison mehr als nur einmal anhören. Sowohl in Pressekonferenzen als auch in den Sozialen Netzwerken wurde am laufenden Band diskutiert.
Im Mai war Sabalenka auf dem Cover des wohl bekanntesten Modemagazins der Welt, der Vogue, abgebildet. „Ein Traum ist wahr geworden“, schrieb Sabalenka und teilte das Cover auf Instagram. Das Vogue-Porträt zeigt Sabalenka zum einen als Kämpferin auf dem Court, der ihre eigenen Emotionen manchmal im Weg stehen, zum anderen gab die 28-Jährige im Interview einen Einblick hinter die Fassade. Sabalenka sprach über Verluste, Online-Hass und die Kritik an ihrer Person.
Ihre Begeisterung für Mode ist ebenfalls Thema. Fashionbegeistert zeigt sich die Belarussin sowohl auf als auch neben dem Court. Auf dem Platz fiel sie vor allem durch ihren auffälligen Diamantenschmuck auf. Im September tauschte Sabalenka dann kurzzeitig den Court gegen den Catwalk. Die Markenbotschafterin von Gucci gab bei dem Event „Vogue World: Milano“ ihr offizielles Laufsteg-Debüt als Model. Die Show fand zum Auftakt der Mailänder Fashion Week statt. Feststeht: In den Punkten Social Media und Vermarktung ist Sabalenka ganz vorne mit dabei.
Schichtwechsel an der Spitze
Auf dem Court musste sie sich jedoch von ihrem Nummer eins-Status verabschieden. Nach vielen frühen Niederlagen kehrte Sabalenka bei den US Open zu alter Stärke zurück. Fast. Im Finale musste sie sich im Arthur Ashe-Stadium der neuen Nummer eins, Elena Rybakina in drei Sätzen (6:4, 5:7 und 6:2) geschlagen geben. Durch den Einzug ins Halbfinale im Big Apple sicherte sich die Kasachin genug Punkte, um Sabalenka an der Spitze der Weltrangliste abzulösen.
Bild: ImagoFrustration beim Seitenwechsel im Arthur Ashe-Stadium: Aryna Sabalenka.
In Flushing Meadows erntete Sabalenka erneut Kritik. Nach dem verlorenen Dreisatz-Match zeigte sich die zweifache US Open-Siegerin sichtlich frustriert und zerschlug unter anderem nach dem Matchball einen Schläger auf dem Court. „Sie muss lernen zu verlieren“, schrieben User im Netz. Trotz des kontroversen Verhaltens gratulierte Sabalenka ihrer Kontrahentin. „Glückwunsch zu einem großartigen Turnier und einer großartigen Performance. Einfach unglaubliches Tennis“, schrieb die Belarussin auf Instagram.
Es wurde deutlich, weshalb die Rivalität zwischen Elena Rybakina und Aryna Sabalenka immer wieder mit den Elementen Feuer und Eis verglichen wird. Während Rybakina mit einem „Pokerface“ auf dem Platz steht, sieht man Sabalenka an, wie es in ihr aussieht. Sie trägt ihr Herz auf der Zunge. „Wenn ich alles in mir behalte, zerstört es mich“, sagte Sabalenka im Mai im Vogue-Interview.
Comeback in Indian Wells?
Im vergangenen Jahr standen sich Sabalenka und Rybakina im Endspiel der WTA-Finals in Riad, der Haupstadt von Saudi Arabien, gegenüber. Mit 6:3 und 7:6 setzte sich die Kasachin durch und gewann erstmals das prestigeträchtige Abschlussturnier der Saison.
Könnte es in diesem Jahr zu einer Revanche kommen? Rybakina reist als Nummer eins an, Sabalenka an Position zwei. Im März triumphierte sie schon einmal auf dem Hartplatz in der kalifornischen Wüste. Die Bedingungen liegen ihr. Hardcourt, auf dem sie alle vier Grand Slam-Titel gewann, ist ihr stärkster Belag.
Bild: ImagoSchafft sie den Turnaround zum Saisonabschluss? Hartplatz liegt ihr: Aryna Sabalenka.
„Die Rückschläge werden mich nur stärker machen. Es ist nur eine Frage der Zeit für mich, bis ich zurückkomme“, sagte Sabalenka bevor sie ihre „Kampagne“ in New York gestartet hatte. Nach dem US Open-Finale verlor Sabalenka sowohl in Peking als auch in Wuhan früh. Ihre letzte große Chance in dieser Saison sind somit die WTA-Finals. Sabalenka-Fans wünschen sich ein Comeback zum Saisonabschluss.
Die 28-Jährige spielt in Gruppe zwei. Ebenfalls in Gruppe zwei treten an: Mirra Andreeva, Elina Svitolina und Karolina Muchova.