February 2, 2026: 1st seed CARLOS ALCARAZ of Spain poses with the The Norman Brookes Challenge Cup at a photocall at the

Zufrieden beim Happy Slam: Carlos Alcaraz mit dem Norman Brookes Challenge Cup für seinen ersten Australian Open-Titel. Bild: IMAGO

Carlos Alcaraz spielt schon jetzt für die Geschichtsbücher – mit 22 Jahren

Carlos Alcaraz ist der jüngste Spieler, der alle Grand Slam-Turniere gewinnen konnte. Dabei hat seine Karriere doch gerade erst begonnen.

Die Schnelllebigkeit des Sports überholt selbst die größten Stars. Während der letzten Jahre wurden im Profitennis bei den Herren in steter Regelmäßigkeit immer wieder Rekorde gebrochen – natürlich von den Big Three. Die meisten Grand Slam-Titel, die meisten Wochen auf Platz eins der Weltrangliste, die längsten Siegesserien und noch viel, viel mehr: Alles ist fest in den Händen von Roger Federer, Rafael Nadal und vor allem von Novak Djokovic. Und natürlich sind sich Fans und Experten gleichermaßen sicher: Diese ganzen Bestmarken würden auf ewig – oder zumindest für einen langen Zeitraum – Bestand haben. Inzwischen kann man sich da nicht mehr so sicher sein.

Carlos Alcaraz hat am Sonntagabend in Melbourne nun einen besonderen Rekord aufgestellt: Er ist der jüngste Spieler, der alle vier Grand Slam-Turniere mindestens einmal gewinnen konnte. In der Regel beziehen sich solche Bestmarken auf eine Zeitspanne, die 1968 anfängt. Damals wurde Tennis von einem Amateur- zu einem Profisport – die Open Era begann. Bleibt man in dieser Zeitskala, dann hat Alcaraz mit seinen 22 Jahren und 272 Tagen seinen Landsmann Rafael Nadal klar geschlagen. Nadal war 24 Jahre und 88 Tage alt, als er 2010 seinen „Career Grand Slam“ bei den US Open komplettierte.

Im Fall von Alcaraz kann man das Zeitfenster aber noch weiter öffnen – und er bleibt der Rekordhalter. 1938 vollendete nämlich US-Spieler Don Budge zwei Tage vor seinem 23. Geburtstag im Stade Roland Garros seinen „Career Grand Slam“. Alcaraz hat in Melbourne streng genommen also einen 87 Jahre alten Rekord gebrochen.

Carlos Alcaraz: unterwegs in anderen Dimensionen

Allein anhand dieses Beispiels lässt sich erahnen, in welchen Dimensionen sich der Spanier inzwischen bewegt. Dazu noch ein paar weitere Statistiken: Alcaraz ist der erste Spieler überhaupt, der im Alter von 22 Jahren schon sieben Grand Slam-Titel einsammeln konnte. Er übertrumpft in dieser Kategorie Björn Borg, der seinen siebten Major-Triumph 1979 in Paris holte – kurz nach seinem 23. Geburtstag. Zum Vergleich: Im Alter von 22 Jahren hatten Nadal (6), Federer (3) und Djokovic (1) jeweils zum Teil wesentlich weniger Grand Slam-Titel als Alcaraz.

Und jetzt kommt es: Carlos Alcaraz kann 2027 bei den Australian Open, also gut drei Monate vor seinem 24. Geburtstag, den sogenannten „Double Career Grand Slam“ eintüten. Heißt: Jedes Grand Slam-Turnier mindestens zweimal zu gewinnen. Das haben in der Open Era bei den Herren nur Rafael Nadal (mit 35 Jahren!) und Novak Djokovic (mit 34 Jahren!) geschafft. In der gesamten Tennishistorie gibt es im Herrentennis nur noch zwei weitere Spieler, die diesen Meilenstein erreichen konnten: die Australier Roy Emerson (1967 mit 30 Jahren) und Rod Laver (1969 mit 31 Jahren).

Carlos Alcaraz: Ausnahmestellung im Herrentennis

Man könnte jetzt noch weitere Zahlen, Daten und Fakten bemühen, um die Ausnahmestellung von Carlos Alcaraz im Herrentennis zu verdeutlichen. Oder man zitiert an dieser Stelle einfach Novak Djokovic, der nach seiner 6:2, 3:6, 3:6, 5:7 Final-Niederlage gegen Alcaraz am Sonntag seinen Gegner in den höchsten Tönen lobte: „Das beste Wort, um deine Leistung zu beschreiben, lautet: historisch. Es ist historisch und legendär, was du leistest. Du wirst noch in vielen Endspielen stehen.“

Wenn einer sich mit den Rekorden der Tennisgeschichte gut auskennt, dann ist es Novak Djokovic. Er weiß genau, auf welchen Pfaden der Spanier wandelt. Und er ist sich darüber im Klaren, dass Alcaraz durchaus dazu in der Lage ist, seine schier unglaublichen Rekorde zu brechen. Schon am Sonntag entbrannte in der Tennis-Bubble auf X, ehemals Twitter, eine Diskussion darüber, wie viele Grand Slam-Titel Alcaraz in seiner Karriere wohl holen könnte.

Tenor: Selbst 30 sind ihm zuzutrauen. Noch hält Djokovic mit 24 den Bestwert. Angesichts der Fire-Power von Alcaraz – und auch Sinner – wird es immer unwahrscheinlicher, dass der Serbe noch die 25 vollkriegt, auch wenn er nun in seinem elften Australian Open-Finale stand.

Mit 22 Jahren spielt Alcaraz also schon für die Tennis-Geschichtsbücher. Wer hätte das vor drei oder vier Jahren für möglich gehalten? Klar, Alcaraz setzte früh seine ersten Duftmarken und wurde 2022 mit nur 19 Jahren die jüngste Nummer eins im Herrentennis. Sechsmal hat er sich schon auf den Thron zurückgekämpft, zuletzt im November 2025. 20 Grand Slam-Turniere hat er bislang bestritten, achtmal kam er bis ins Endspiel, siebenmal holte er den Titel. Wieder: absurde Zahlen.

Carlos Alcaraz: Kann er den Grand Slam holen?

Der Weltranglistenerste ist sich seiner Sonderstellung im Herrentennis bewusst. Als er während der Australian Open gefragt wurde, wo er 2026 lieber gewinnen würde, in Melbourne oder bei den anderen drei Grand Slam-Events, antwortete er: „In Melbourne!“ Er wollte den Rekord. Und womit wird er sich nun pushen? Woraus zieht er seine Motivation? „Ich hasse es zu verlieren“, sagte der Spanier. „Das ist meine Motivation. Zu versuchen, so wenig zu verlieren, wie ich kann.“

Angesichts seiner Dominanz und seinem ersten Titel in Melbourne stellt sich nun zwangsläufig die Frage, ob Alcaraz den echten Grand Slam holen kann – sprich: die vier großen Titel in einer Saison zu gewinnen. Das hat Rod Laver 1969 zuletzt bei den Herren geschafft. 1962 gelang ihm dieses Kunststück ebenfalls. Den allerersten Grand Slam holte Don Budge 1938. Das sind jetzt also die Namen, mit denen Alcaraz schon verglichen wird. Verrückt.

Alcaraz geht das wohl selbst zu schnell. „Der Grand Slam ist eine große Herausforderung“, sagte er.  „Ich möchte mich kurz nach diesem tollen Triumph hier in Melbourne nicht zu sehr unter Druck setzen. Tennis ist ein wunderbarer Sport, aber seine schlechte Seite ist, dass es Woche für Woche Turniere gibt. Und deshalb realisiert man manchmal gar nicht, was man gerade geschafft hat.“

Bislang scheint er eine gute Balance zwischen der Erwartungshaltung und dem Druck einerseits sowie seinem Spielwitz und einer gewissen Lockerheit andererseits gefunden zu haben. Sollte er diese Ausgewogenheit beibehalten, ist ihm alles zuzutrauen.