Day Three: The Championships – Wimbledon 2018

Coronakrise: 22 Millionen Euro für die Rettung des britischen Tennis

Der britische Tennisverband LTA gab am Freitag bekannt, dass heimische Tennis mit über 22 Millionen Euro vor den Folgen der Coronakrise zu schützen.

Schutzschirme sind in der Coronakrise ein fast schon normales Tool der Politik, um die schlimmsten wirtschaftlichen Folgen der Pandemie abzufedern. Ungewöhnlich und bislang weltweit einmalig ist des Rettungspaket des englischen Tennisverbandes LTA, mit dem das britische Tennis vor den ärgsten Auswirkungen des weiter um sich greifenden Coronavirus bewahrt werden soll.

20 Millionen Pfund, also mehr als 22 Millionen Euro, stellt die LTA zur Verfügung. Damit sollen Spieler, Trainer, Funktionäre, Clubs und Spielstätten finanziell unterstützt werden. „Wir wollen die Basis unseres Sport in Großbritannien schützen“, stellte der LTA-Geschäftsführer Scott Lloyd am Freitag klar.

LTA: Geld für die am stärksten Betroffenen

Laut der LTA wird das Unterstützungspaket durch „erhebliche Einsparungen“ innerhalb des Verbandes und durch die Nutzung eigener Reserven (rund 66 Millionen Pfund) finanziert. So verzichten der LTA-Geschäftsführer Lloyd und die komplette Führungsetage auf 20 Prozent ihres Einkommens. Keiner der 282 LTA-Beschäftigten soll um seinen Job fürchten müssen. In einer Erklärung der LTA hieß es, das Geld werde „denjenigen helfen, die am stärksten von der Pandemie betroffen sind.“

Die Coronavirus-Pandemie hat Großbritannien mit voller Wucht getroffen, das Land befindet sich im „Lockdown“. Am Mittwoch wurden dort erstmals mehr als 500 Todesfälle in einem Zeitraum von 24 Stunden durch das Coronavirus verzeichnet. Nach Angaben der Johns Hopkins Universität sind derzeit 38.690 Menschen an Covid-19 erkrankt. Es gibt in Großbritannien 3.611 Tote durch das Coronavirus (Stand: 4. April, 11:30 Uhr). Am Sonntagabend wird die Queen eine Fernsehansprache halten.

Natürlich ist von diesen Entwicklungen auch die Tennisszene betroffen. Spieler, Trainer und auch Turnierfunktionäre haben für die Dauer der Sperrzeit meist keine Einkommensquelle mehr. Viele persönliche Coaches können von ihren Spielern nicht weiter bezahlt werden.

„Wir wissen, dass viele, die in Großbritannien mit dem Tennissport zu tun haben, über ihre Zukunft besorgt sind und vor großen Herausforderungen stehen. Daher ist es unser vorrangiges Ziel, mit unseren beispiellosen Maßnahmen sicherzustellen, dass die Vereine lebensfähig bleiben und Trainer sowie Funktionäre nicht verloren gehen“, sagte LTA-Geschäftsführer Lloyd.

Hilfsfond für Trainer

Konkret sollen etwa bei der LTA akkreditierte Trainer mit vier Millionen Pfund unterstützt werden. Hinzukommt ein Hilfsfond, über den zinsfreie Darlehen von bis zu 5.000 Pfund abgerufen werden können. Für Vereine und Turnierorte soll ebenfalls ein Hilfsfond mit einem Volumen von 13,5 Millionen Pfund aufgesetzt werden.

Auch das Profitennis bekommt Hilfe: Für britische Einzelspieler, die zwischen den Weltranglistenpositionen (ATP/WTA) 101 und 750 stehen, sowie für Doppelspieler der Positionen 101 bis 250 werden zusätzliche Zuschüsse gewährt. Bei Trainingszentren und nationalen Akademien drohen keine Kürzungen. „Diese Pandemie hat das Potenzial, den Tennissport erheblich zu gefährden“, begründete die LTA schließlich ihren umfangreichen Maßnahmen-Katalog.

DTB: Kein Geld für Hilfsmaßnahmen

In Deutschland sind derartige Hilfsprogramme illusorisch, denn dem Deutschen Tennis Bund fehlen dafür die finanziellen Mittel. Der englische Verband ist dagegen einer der reichsten überhaupt, weil er maßgeblich vom wichtigsten Tennisturnier der Welt in Wimbledon finanziert wird, das 2020 erstmals seit dem zweiten Weltkrieg aufgrund der Coronakrise nicht ausgerichtet wird.

Coronakrise Tennis

NETZE WEG: Wimbledon wird aufgrund der Coronakrise 2020 nicht stattfinden.

Um sich eine Vorstellung der finanziellen Ausstattung des britischen Tennis zu machen, muss man sich folgende Zahlen vergegenwärtigen: Wimbledon erwirtschaftete 2018 einen Umsatz von mehr als 256 Millionen Pfund, das sind knapp 290 Millionen Euro. Etwa die Hälfte davon kommt über TV-Verträge zu Stande. Weitere Einnahmequellen sind der Ticketverkauf, Sponsorengelder und Erlöse durch den Verkauf von Merchandise-Artikeln.

Seit Dezember 2008 gilt zwischen Wimbledon und der LTA die Vereinbarung, dass 90 Prozent der ausschüttungsfähigen finanziellen Überschüsse des Turniers an den englischen Verband abfließen. Allein 2018 soll die LTA vom Wimbledon-Turnier 40 Millionen Pfund, also etwa 45 Millionen Euro, erhalten haben, berichtet die Daily Mail.

Auch wenn die Wimbledon-Gelder für den Verband 2020 aufgrund der Turnierabsage geringer ausfallen werden: Angesichts der Summen aus den letzten Jahren kann sich die LTA ihr Hilfsprogramm also auch leisten. Dennoch ist es in diesen Zeiten genau das richtige Signal, vorhandenes Geld an diejenigen weiterzugeben, die es jetzt am ehesten nötig haben.