Tennis 2026: BNP Paribas Open – March 12, 2026

Fair Play beim Handshake: Wegen eines "Hindrance-Calls" gab es zuvor Diskusionen zwischen Jack Draper und Daniil Medvedev. Bild: IMAGO

Der nächste “Hindrance-Call”: Was die Tennis-Regel genau bedeutet

Eine Schiedsrichterentscheidung sorgte im Match zwischen Jack Draper und Daniil Medevdev in Indian Wells für Diskussionen – was hinter der „Hindrance“-Regel steckt. 

So viele „Hindrance Calls“ wie in der laufenden Saison gab es selten im Profitennis. Zuletzt betraf es das Viertelfinale von Indian Wells zwischen Jack Draper und Daniil Medvedev. Beim Stande von 6:1, 5:5 und 0:15 aus der Sicht von Medvedev breitete Draper nach einem Vorhandschlag die Arme aus, es war eine zuckende Geste mitten im Ballwechsel. Der Brite hatte einen langen Ball von Medvedev im Aus gewähnt, aber es ertönte kein Aus-Ruf. Also ging der Ballwechsel weiter.

Darper und Medvedev spielten noch sieben weitere Schläge. Nachdem Medvedev aber eine Rückhand verschlug und den Punkt eigentlich verlor, ging er auf die Stuhlschiedsrichterin Aurélie Tourte zu. Medvedev erzählte später in seiner Pressekonferenz, dass er Tourte gefragt habe, wie er in Zukunft mit so einer Situation umgehen solle. Die Frage ist: Sofort abbrechen oder weiterspielen, wenn man durch den Gegner abgelenkt wird.

„Ich denke, ich hätte es in dem Moment machen sollen, als es passiert ist, also nicht bis zum Ende des Punktes warten. Dann wäre es wahrscheinlich klarer gewesen“, sagte Medvedev. „Aber wenn man sich meinen ersten Vorhandschlag nach Jacks Reaktion anschaut, hätte ich mehr riskieren können. Ich war ein bisschen abgelenkt. Also habe ich die Schiedsrichterin gefragt: ‚Was soll ich machen? Soll ich das nächste Mal sofort reagieren?‘ Und sie meinte: ‚Wenn du willst, kannst du einen Videobeweis verlangen.‘ Ich sagte: ‚Okay, Videobeweis.‘ Und was auch immer sie entscheidet, sie entscheidet, und sie entschied, dass der Punkt an mich geht. Also nehme ich ihn. Das war es im Grunde.“

War es zu wenig „Hindrance“?

Titelverteidiger Draper war damit nicht einverstanden. Sein Argument: Seine Geste hätte nicht wirklich ablenkend gewesen sein können, da der Punkt danach weitergespielt wurde. Tourte aber blieb beim Videobeweis und entschied dann auf Punkt für Medvedev. Wirklich entscheidend für den weiteren Matchverlauf war die Entscheidung nicht. Dafür hatte Medvedev die Partie zu sehr unter seiner Kontrolle. Draper wirkte nach dem hart erkämpften Drei-Satz-Sieg gegen Novak Djokovic ziemlich platt.

Aber dennoch wurde über die Entscheidung diskutiert – auch zwischen Draper und Medvedev, nachdem der Russe 6:1, 7:5 gewonnen hatte. Beim Handshake am Netz sagte Draper: „Ich glaube nicht, dass es dich genug abgelenkt hat.“ Und fügte dann hinzu, dass es dennoch eine „faire Entscheidung“ gewesen sei. Medvedev legte daraufhin die Hand auf die Brust, zeigte Mitgefühl mit seinem Gegner und meinte, dass er sich mit der Situation nicht wohl fühle. „War ich sehr abgelenkt? Nein. Fühle ich mich gut dabei? Nicht wirklich. Aber ich habe auch nicht das Gefühl, betrogen zu haben, Ich war ein bisschen abgelenkt. Ich habe es laufen lassen und die Schiedsrichterin entscheiden lassen“, sagte Medvedev danach.

Keine Gesten, Rufe oder Ablenkungsmanöver

Was aber besagt die „Hindrance“-Regel genau? Sie wurde eingeführt, um zu verhindern, dass die Konzentration eines Profis während eines laufenden Ballwechsels durch äußere Umstände beeinträchtigt wird. Ausgangspunkt war das zunehmende Stöhnen auf der Tour, was viele Spieler und Spielerinnen ablenkte. Es ist den Profis letztlich untersagt, während eines Ballwechsels seinem Gegenüber mit Ablenkungsmanövern, Gesten oder Rufen zu beeinflussen, weil dadurch der nächste Schlag negativ beeinträchtigt werden könnte. Diese Beeinträchtigung – oder dieses „Hindernis“, englisch: „Hindrance“ – muss nicht zwingend vom Gegner ausgehen. Die Beeinträchtigung kann auch von Zuschauern, den Linienrichtern oder etwa einem vorbeifliegenden Vogel ausgehen. Selbst Vogelfedern, die sanft auf den Court niedergingen, haben schon „Hindrance“-Calls ausgelöst.

Wie das Match danach fortgesetzt wird, hängt davon ab, wie die „Hindrance“ zu Stande kam. Wenn ein Vogel den Ballwechsel stört, wird die Rally wiederholt. Wenn der Schiedsrichter aber in den Aktionen eines Profis Absicht erkennt, bekommt der Gegner den Punkt zugesprochen – wie im Fall von Medvedev im Match gegen Draper. Nun ist Absicht nicht immer wirklich zu erkennen und am Ende liegt es im Ermessen des Schiedsrichters, ob der Ballwechsel wiederholt wird oder eben nicht.

Die Häufigkeit der „Hindrance“-Calls nimmt gefühlt zu, allein in Indian Wells gab es mindestens schon drei. Luciano Darderi versuchte beim Matchball gegen sich, seinem Gegner Rinky Hijikata eine „Hindrance“ anzuhängen, weil dieser angeblich etwas gerufen hatte. Hijikata hatte jedoch nichts gesagt – es war jemand aus dem Publikum, der gerufen hatte. Es kam zum Videobeweis, Darderi verlor den Punkt und das Match. Im Herrendoppel zwischen Rinderknech/Vacherot und Tsitsipas/Djokovic gab es ein klares Ablenkungsmanöver: Arthur Rinderknech fuchtelte wild mit dem Schläger, als Stefanos Tsistipas zu einer Vorhand aus dem Halbfeld ansetzte und den Ball verschlug. Novak Djokovic intervenierte sofort und Tsitsipas/Djokovic bekamen den Punkt zugesprochen.

Der Fall Lajovic/Altmaier

Einen anderen spektakulären Fall gab es in Rio im Februar: Dusan Lajovic hatte Matchball gegen Daniel Altmaier. Der Deutsche setzte zu einem Stopp an, dachte dabei aber wohl, dass er ihm missraten würde und stöhnte auf – der Stopp aber kam. Er war sogar so gut, dass Lajovic ihn nicht mehr erreichte. Weil Altmaier aber mitten im Ballwechsel aufgeschrien hatte, entschied der Schiedsrichter auf „Hindrance“ – und Lajovic hatte gewonnen.