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Federer, Nadal oder Djokovic: Wer wird der GOAT?

In der Endphase ihrer Karrieren spitzt sich der Dreikampf zwischen Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic immer mehr zu. Es geht darum, wer von ihnen als größter Spieler in die Geschichte eingehen wird. Es ist ein Wettstreit, der die drei Legenden zu weiteren Großtaten animieren wird.

Dieser Beitrag erschien in seiner Originalfassung in der tennis MAGAZIN-Printausgabe 11-12/2019

Manchmal ist es ein einziger Punkt oder auch nur ein einzelner Schlag, der den Lauf der Tennisgeschichte so beeinflusst, dass er noch viele Jahre später nachwirkt. Ein Ball kann alles verändern. Er kann für sicher gehaltene Fakten ins Wanken bringen. Zum Beispiel: Wer der größte Spieler aller Zeiten wird. Oder wie es neuerdings verkürzt und „verenglischt“ heißt: Wer der GOAT wird – der „Greatest of all Time“.

US Open 2011, Halbfinale zwischen Novak Djokovic und Roger Federer. Fünfter Satz, Federer führt 5:3, 40:15 und hat Aufschlag. Er serviert nach außen, in die Vorhand von Djokovic. Zurück kommt ein Strahl. Gefühlt noch schneller als Federers erster Aufschlag. Es ist ein Monster-Return, cross-court gespielt, direkt an die Außenlinie.

Beim zweiten Matchball bleibt Federers Vorhand an der Netzkante hängen. Er holt schließlich kein Spiel mehr. Djokovic gewinnt das Halbfinale gegen Federer mit 7:5 im fünften Satz nach der Abwehr von zwei Matchbällen – genauso wie im Jahr zuvor. Nur mit dem Unterschied, dass er dieses Mal auch im Finale siegt: Vier-Satz-Triumph gegen Rafael Nadal. Es ist der erste US Open-Titel von Djokovic und seine vierte Grand Slam-Trophäe insgesamt.

Djokovic mit dem Alles-oder-Nichts-Schuss

Aber was wäre passiert, wenn dieser irre Alles-oder-Nichts-Schuss von Djokovic damals nicht die Linie gekratzt hätte? Federer hätte vielleicht schon bei den US Open 2011 seinen 17. Majortitel eingesammelt. Djokovic wäre bei drei geblieben. Natürlich ist das rein spekulativ: hätte, hätte, Fahrradkette. Es zeigt nur, wie winzig klein die Margen manchmal sind und dass so ein Wahnsinnsmatch tatsächlich an einem einzigen Ball hängen kann.

Ein anderes, jüngeres Beispiel: Wimbledon-Finale 2019, wieder stehen sich Djokovic und Federer gegenüber. Und wieder hat der Schweizer zwei Matchbälle, führt 8:7, 40:15 im fünften Satz bei eigenem Aufschlag. Beim zweiten „Championship-Ball“ stürmt er nach einem nicht gerade zwingenden Angriffsball nach vorne. Djokovic passiert ihn mit einer Vorhand kurz-cross. Wenig später verliert Federer den neu eingeführten Tiebreak bei 12:12 im fünften Satz.

GOAT Federer Nadal Djokovic

MONSTER-MATCH: Das Wimbledon-Finale 2019 zwischen Djokovic (li.) und Federer hat schon jetzt Legendenstatus. Djokovic gewann 13:12 im fünften Satz – und die „GOAT“-Diskussion wurde aufs Neue befeuert.

Geschichte wiederholt sich. Und in diesem konkreten Fall sorgt sie dafür, dass die GOAT-Debatte plötzlich so offen ist wie noch nie. Weil dabei Grand Slam-Titel die härteste Währung sind.

Federer war als GOAT gesetzt – eigentlich

Dass Federer der GOAT wird, war jahrelang gesetzt. Nadal? Wird mit seinem kräftezehrenden Spielstil nicht lange durchhalten können, hieß es früher oft. Mittlerweile ist er der erste Spieler der Historie, der im Alter von über 30 Jahren fünf Grand Slam-Titel gewann. Sein US Open-Titel 2019 hat das GOAT-Rennen zugespitzt: Nadal hat nun 19 Titel und liegt nur einen hinter Federer, der 20 Majortitel gewann – und nicht 21, weil er diese Riesenchance in Wimbledon liegen ließ. So knapp war es bei Federer und Nadal zuletzt vor 16 Jahren, nachdem Federer seinen ersten Grand Slam-Pokal 2003 in Wimbledon entgegennahm.

Und Djokovic? Wurde lange nicht ganz ernst genommen: keine offensichtlichen Waffen, kaum spektakuläre Zauberschläge und weniger Zuspruch von den Fans. Dabei ist er der dominierende Spieler des Jahrzehnts: Zwischen 2010 und 2019 holte er 15 seiner insgesamt 16 Grand Slam-Titel – Nadal kommt in dieser Zeitspanne auf 13, Federer auf fünf. Djokovic bezwang entweder Nadal, Federer oder Andy Murray auf dem Weg zu jedem seiner Majorsiege. Nadal und Federer hatten es da – insbesondere bei ihren ersten großen Titeln – einfacher.

Außerdem schaffte Djokovic es, vier Grand Slam-Turniere hintereinander zu gewinnen (Wimbledon 2015 bis French Open 2016). Nadal und Federer schafften jeweils „nur“ drei in Serie. Der Serbe ist in der Hochphase der „Big 3“ der Konstanteste mit positiven Matchbilanzen gegen seine Dauergegner.

GOAT Federer Nadal Djokovic

DIE „BIG THREE“: Gemeinsame Fotos mit den drei besten Spielern der Neuzeit sind selten. Hier trafen sich Djokovic, Nadal und Federer 2013 bei einer ATP-Feier in New York.

Federer hingegen, der Ende 2010 mit 16 Grand Slam-Titeln weit vor Nadal (9) und Djokovic (1) lag, büßte seinen großen Vorsprung mittlerweile ein. Es ist nicht mehr unwahrscheinlich, dass in den nächsten Jahren alle drei bei 20 und mehr Majortiteln ankommen werden.

Federer, Nadal, Djokovic: der ultimative Dreikampf

Eine solche Dominanz von drei Spielern hat es noch nie gegeben. Wer nun am Ende von ihnen tatsächlich der Allergrößte sein wird, ist ein Wettlauf, der die Fans weltweit elektrisiert.

GOAT Federer Nadal Djokovic

„Ich bin vor sieben Jahren zurückgetreten – zum Glück muss man jetzt sagen. Weil sich diese drei Typen in den letzten sieben Jahren immer weiter verbessert haben“, sagt Andy Roddick, US Open-Sieger von 2003. „Ich bin froh, dass ich den Dreien nun als Fan dabei zusehen kann, wie sie sich in den Geschichtsbüchern mit ihren Rekorden verewigen werden.“

Dabei ist es noch gar nicht so lange her, da galten die 14 Grand Slam-Titel von Pete Sampras als unerreichbar. Als der US-Amerikaner 2003 endgültig zurücktrat, preiste ihn unter anderem Boris Becker als „besten Tennisspieler aller Zeiten.“ Das Wort GOAT war damals noch nicht gebräuchlich. Sampras selbst ging davon aus, dass seine Rekorde „verdammt schwer“ zu brechen sein werden.

Jetzt, 16 Jahre später, ist er in der Bestenliste der Grand Slam-Sieger auf Platz vier abgerutscht. Vor ihm stehen die „Big 3“. Als letzter von ihnen überholte Djokovic mit dem Titel bei den Australian Open 2019 sein großes Idol.

Die Frage ist nun, wie man den GOAT überhaupt definieren soll. Ursprünglich prägte die Boxlegende Muhammad Ali mit seinem Zitat „I am the greatest“ („Ich bin den Größte“) dieses Akronym. Wenn man GOAT überhaupt verwendete, dann in Zusammenhang mit Ali. Erstmals offiziell trat GOAT 1992 in Erscheinung, nachdem Alis Frau die Firma G.O.A.T. gründete, um damit das geistige Eigentum ihres Mannes zu bewahren und zu kommerzialisieren. Als Ali 2016 starb, verselbständigte sich das Kurzwort und wurde auf immer mehr Sportarten übertragen. Es gibt nicht nur im Tennis eine GOAT-Debatte.

Vor diesem Hintergrund sollten nicht nur plump Titel, Bestmarken und Rekorde zählen, um den Tennis-GOAT zu bestimmen. Wichtig ist es auch, den Einfluss des Athleten auf seine Sportart mit in Betracht zu ziehen. Was hat er bewirkt? Welche Inspiration ging von ihm aus? Bleibt man bei den „Big 3“, hat hier wohl Federer die Nase vorn, auch wenn diese Einschätzung stark subjektiv ist. Federer aber ist eine global bekannte Marke. Federer ist Tennis. Zumindest heutzutage.

Borg brachte alles mit für den GOAT

In den 70er-Jahren nahm diese Rolle am ehesten Björn Borg ein, auch wenn er sie anders interpretierte als Federer, nämlich noch leiser und zurückhaltender. Borg gilt als erster Popstar in einer bis dahin elitären und zugeknöpften Sportart. Der schweigsame Schwede machte aus dem Nischen- einen Boomsport, vor allem in den USA und in Europa. Er sorgte für kreischende Mädchen an den Zäunen der Trainingscourts, für mehr Aufmerksamkeit in den Medien und für in die Höhe schnellende Sponsoreneinnahmen.

Borg hatte alles, um eines Tages als GOAT zu gelten, doch er hörte zu früh auf. Vielleicht auch, weil man zu seiner Zeit noch kein so großes Bewusstsein dafür hatte, als Spieler irgendwann einmal als der Großartigste überhaupt gelten zu können. Borg trat 1983 mit nur 26 Jahren zurück, weil er sich nicht mehr motivieren konnte. Mit 24 Jahren war er schon elffacher Grand Slam-Sieger. Zum Vergleich: Federer kam in dem gleichen Alter auf sieben Majortitel.

Was passiert wäre, wenn Borg damals einfach weitergespielt hätte, ist eine dieser Fragen in der GOAT-Diskussion, die man niemals wird beantworten können. Genauso wenig wie jene, warum Andre Agassi nicht schon viel früher bei den Australian Open antrat. Agassi spielte 1995 als 25-Jähriger erstmals in Melbourne und gewann den Titel auf Anhieb. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits neun Jahre als Profi unterwegs.

In seiner Autobiographie „Open“ schrieb er dazu lapidar: „Ich habe keine Ahnung, warum ich so lange mit einem Start in Australien gewartet hatte. Ich mochte die Leute, die Anlage, den Belag – und sogar die Hitze.“ Am Ende seiner Karriere hatte er acht Grand Slam-Titel gewonnen, vier davon in Melbourne.

Rod Laver und das Profi-Problem

Ein noch größeres Fragezeichen schwebt über der Karriere von Rod Laver – dem Mann, der vor 50 Jahren zum letzten Mal den echten Grand Slam gewann, also vier Triumphe bei allen vier Majorturnieren in einem Kalenderjahr. Laver gelang dies auch schon 1962, als er noch ein Amateur war, der kein Geld mit seinem Sport verdienen durfte.

Vermögend konnte man damals als Tennisspieler nur auf den parallel veranstalteten Profitouren werden. Laver wurde im Dezember 1962 Profi. Promoter Jack Kramer holte ihn für eine Jahresgage von 110.000 Dollar in sein Team. Ab 1963 durfte Laver deswegen keine Grand Slam-Turniere mehr spielen.

Als sich Tennis schließlich 1968 öffnete und keine Unterschiede mehr machte zwischen Amateuren und Profis, war Laver immer noch der Beste von allen. Es gibt Tennishistoriker, die davon ausgehen, dass Laver – wenn er kontinuierlich durchgespielt hätte – nicht „nur“ elf Majorsiege sondern mindestens 20 davongetragen hätte.

Es kann nur einen aus den „Big 3“ geben

Auf die GOAT-Frage gibt es letztlich eben nur drei Antwortmöglichkeiten: Federer, Nadal oder Djokovic. In den Tiefen des Netzes gibt es dazu spannende Abhandlungen, etwa die „Open Era Goat List“ auf ultimatetennisstatistics.com. Dort werden die Spieler nach einem bestimmten Punkteschlüssel für alle relevanten Parameter (Titel, Rankings, Rekorde, direkte Vergleiche, etc.) miteinander verglichen. Aktuell steht dort Federer auf Platz eins, gefolgt von Djokovic und Nadal. Der US-Tennisdatenblog „Heavy Topspin“ kommt in einer Wahrscheinlichkeitsrechnung zu dem Ergebnis, dass Nadal und Djokovic jeweils noch zwischen drei bis vier Majortitel in Zukunft holen werden, während Federer bei seinen 20 stehenbleiben wird.

Klar, das sind nur statistische Spielereien. „Woher soll ich wissen, wer von ihnen der Größte sein wird? Wir können diese Frage frühestens beantworten, wenn sie ihre Karriere beendet haben“, sagte John McEnroe beim Laver Cup in Genf auf die Frage, wer von den „Big 3“ der GOAT wird. Der ultimative Dreikampf zwischen Federer, Nadal und Djokovic ist schon längst die größte Story der Tennis-Geschichte. „Wir drei tun Dinge, die es im Tennis noch nie gab. Ich bin stolz darauf, Teil dieses Kampfes zu sein“, sagte Rafael Nadal nach seinem US Open-Triumph.

Jeder der „Big 3“ versucht nun, seine eigene Geschichte fortzuschreiben. Schon seit Jahren gilt ihr Fokus nur den Grand Slam-Turnieren. Dort sind sie nach wie vor unantastbar, die letzten zwölf Majors haben sie unter sich aufgeteilt. „Wenn man auf sie bei normalen Turnieren trifft, hat man Chancen, gegen sie zu gewinnen. Aber bei den Grand Slam-Events sind sie so viel besser, weil sie dann viel konzentrierter sind“, verglich neulich der Spanier Roberto Bautista-Agut.

Auffällig ist, mit wie viel Respekt vor den Mitstreitern der Wettlauf gegen die Zeit geführt wird. Als Djokovic gegen Federer in Wimbledon gewann, hätte er allen Grund gehabt, sich etwas offensiver zu positionieren. Doch Djokovic lobte Federer öffentlich bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Sicher, er sagte auch, dass er daran glaube, eines Tages die meisten Grand Slam-Titel zu haben und die meisten Wochen auf Rang eins in der Weltrangliste zu verbringen, aber wie eine Kampfansage klang das nicht.

Auch Federer ist in seinem Tonfall gewohnt moderat. „Logisch, am liebsten würde man einen Rekord für immer und ewig behalten, aber das ist nicht realistisch. Wenn Nadal und Djokovic mich einholen, habe ich damit kein Problem“, versicherte er vor dem Laver Cup. Ähnlich klingt auch Nadal: „Ich wäre am Ende gerne derjenige von uns, der am meisten Grand Slam-Titel gewinnt. Aber davon ist mein persönliches Glück nicht abhängig. Mir geht es darum, immer das Beste gegeben zu haben.“

Für den US-Autor Roger Simon steht der GOAT jetzt schon fest. Simon hat jüngst das Buch „The GOAT“ veröffentlicht, in dem ein fiktiver Spieler mit der Hilfe eines tibetanischen Schamanen zum großartigsten Spieler der Welt mutiert. Jay Reynolds schlägt sie alle: Djokovic, Nadal und Federer. Es ist eine lustige Lektüre über Träume, Größenwahn und die besten Tennisspieler der Geschichte.

Den echten GOAT werden die „Big 3“ in den nächsten Jahren unter sich ausmachen. Und vielleicht wird die Entscheidung in diesem historischen Wettlauf am Ende nur von einem einzigen Punkt abhängen.

LEGENDEN OHNE GOAT-STATUS

Auch wenn die „Big 3“ alles überstrahlen, sind diese neun Spieler mindestens Kultfiguren der Tennis-Historie

GOAT Federer Djokovic Nadal

BJÖRN BORG: 1980 in Wimbledon

Björn Borg

11 Grand Slam-Titel
41 Wimbledon-Siege in Serie

Borg war der erste Popstar des Tennis. Seine Auftritte, vor allem in Wimbledon, sind legendär. Zwischen 1976 und 1981 gewann er dort 41 Matches hintereinander – ein Bestwert bis heute. Borg hörte viel zu früh auf, schon mit 26 Jahren. Rekordmarken setzte er dennoch einige: Dreimal gewann er das French Open/Wimbledon-Double (1978, 1979, 1980). Und seine Siegquote in Fünf-Satz-Matches liegt bei unfassbaren 88,9 Prozent (24:3).

GOAT Federer Djokovic Nadal

ROD LAVER: 1962 bei den Australian Open

Rod Laver

11 Grand Slam-Titel
2x Kalender-Grand Slam

„The Rocket“ siegte 1962 und 1969 bei allen vier Grand Slam-Turnieren – und holte damit zweimal den echten „Grand Slam“. Sein Pech war, dass er in der falschen Zeit spielte: Als nämlich aus dem Amateursport Tennis eine Profisportart wurde. So trat er von 1963 bis 1967 bei keinem Major-Turnier mehr an, weil er schon als Profi durch die Welt tingelte.

KEN ROSEWALL: Bei der Tennislektüre 1956.

Ken Rosewall

8 Grand Slam Titel
Ältester Grand Slam-Finalist

Dafür, dass Rosewall zwischen 1958 und 1968 45 Grand Slam-Turniere verpasste, weil er früh ins Profilager wechselte, sind seine acht Majortitel eine erstaunliche Ausbeute. Zudem verlor er noch acht Grand Slam-Endspiele, allein vier davon in Wimbledon, wo er nie gewann. Der Australier hatte eine lange Karriere, erreichte mit über 39 Jahren 1974 als ältester Spieler ein Grand Slam-Finale (US Open) und war mit 44 Jahren noch Weltklasse.

ROY EMERSON: 1970 in Wimbledon.

Roy Emerson

12 Grand Slam-Titel
16 Grand Slam-Doppeltitel

Der mittlerweile 82-jährige Australier hat es in den 60er Jahren als bislang einziger Spieler geschafft, alle vier Grand Slam-Turniere sowohl im Einzel als auch im Doppel zu gewinnen. „Emmo“ war außerdem der erste Spieler, der alle Majors zweimal im Einzel gewann. Seine insgesamt 28 Grand Slam-Trophäen sind im Herrentennis (noch) unerreicht.

GOAT Federer Djokovic Nadal

JIMMY CONNORS: 1989 bei den French Open.

Jimmy Connors

8 Grand Slam-Titel
109 Profi-Titel

Nach wie vor sind seine 109 Turniersiege die Bestmarke im Herrentennis. Aber Roger Federer ist „Jimbo“ mit 103 Titeln dicht auf den Fersen. Was auf ewig die Alleinstellungsmerkmale von Connors bleiben werden: Sein unnachahmlicher Einsatz in 24 Profijahren (er trat erst mit 43 Jahren zurück!) und seine US Open-Titel auf drei unterschiedlichen Belägen: Rasen (1974), Sand (1976) und Hartplatz (1978, 1982, 1983).

IVAN LENDL: 1987 in Roland Garros.

Ivan Lendl

8 Grand Slam-Titel
8 US Open-Finals hintereinander

Er hatte nicht den Touch eines John McEnroe, nicht die Aura eines Björn Borgs und auch nicht das Charisma von Publikumsliebling Jimmy Connors. Dennoch war Ivan Lendl ein prägender Profi der 80er Jahre. Mit asketischer Disziplin und unbändigem Willen erreichte er etwa von 1982 bis 1989 acht US Open-Endspiele in Serie, von denen er drei gewann. In Wimbledon siegte er aber nie.

JOHN MCENROE: 1981 bei einem Turnier in London.

John McEnroe

7 Grand Slam-Titel
Fabel-Saison 1984

Auf der Höhe seines Schaffens war „Big Mac“ so gut wie unschlagbar: 1984 verlor er von 85 Matches nur drei (Sieg-Quote: 96,5%) und gewann 13 Turniere. Es ist bis heute die beste Saison im Herrentennis. McEnroe war auch ein exzellenter Doppelspieler. Insgesamt gewann er 155 Profititel (77 im Einzel, 78 im Doppel). Weit über die Tennisszene hinaus bekannt wurde McEnroe vor allem aber durch seine Wutausbrüche.

PETE SAMPRAS: 1999 in Wimbledon.

Pete Sampras

14 Grand Slam-Titel
6x die Nummer 1 am Saisonende

Seine Dominanz Mitte der 90er Jahre drückt sich in dieser Rekord-Statistik aus: Von 1993 bis einschließlich 1998, also in sechs aufeinanderfolgenden Jahren, beendete er die Saison als Nummer 1 der Welt. Sampras bestimmte damals auch das Geschehen in Wimbledon: Er erreichte dort sieben Finals – und gewann alle. Seine Siegquote an der Church Road liegt bei 90 Prozent (63:7). Sein Makel: Bei den French Open kam er nicht übers Halbfinale hinaus.

ANDRE AGASSI: 1990 in Paris.

Andre Agassi

8 Grand Slam-Titel
1x Career Golden Slam

Für die Popularität des Tennissports war Paradiesvogel Agassi vielleicht wichtiger als sein ewiger Widersacher Sampras – auch wenn er nicht so erfolgreich war. Ein Grund: Agassi trat bei den Australian Open erst ab 1995 an – zehn Jahre nach seinem Profidebut. In Melbourne gewann er schließlich viermal. Agassi holte auch die Titel der drei anderen Majors sowie Olympisches Gold (1996). Den „Career Golden Slam“ schnappte sich sonst nur Rafael Nadal.