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German Open: Ein Tag auf der Anlage am Hamburger Rothenbaum

Die traditionsreichen German Open in Hamburg locken jedes Jahr zahlreiche Tennisbegeisterte an. Unser Reporter hat die Anlage besucht und geschildert, was man an einem Turniertag alles erleben kann.



Hamburg erlebt dieses Jahr einen ungewöhnlich heißen Sommer. Bei Temperaturen von bis zu 35° Celsius möchte der kaltwettererprobte Norddeutsche ungern an seinem Schreibtischstuhl kleben (wortwörtlich) – es ist einfach zu warm. Da besucht man doch lieber das Traditionsturnier am Hamburger Rothenbaum.

Lieber Tennis statt Arbeit

„Musst du nicht arbeiten?“, fragt jemand seinen Kumpel an der Schlange vor dem Haupteingang. Gleich beginnt das erste Spiel des Tages auf dem Center Court. „Ich habe gestern gearbeitet, aber heute setze ich Prioritäten“, antwortet der Mann. Recht hat er!

Nach einem kurzen Sicherheitscheck befindet man sich auf der Anlage, wo die Sponsoren des Turniers ihre Zelte bereits aufgeschlagen haben. Überall gibt es etwas zu gewinnen oder zu kaufen. Diverse Essens- und Getränkestände sorgen außerdem dafür, dass die Grundbedürfnisse erfüllt werden.

Die Trainingsplätze: Profispieler hautnah

Neben einem Burgerstand befindet sich ein schmaler Weg, über den man zu den Trainingsplätzen gelangt. Auf dem vordersten Platz bereiten sich gerade Julio Peralta und Horacio Zeballos auf ihr anschließendes Doppelmatch vor. Der penetrante Geruch nach Bratfett, Burgern und Pommes kommt bei diesen Temperaturen besonders zur Geltung. Kann man sich da noch auf das Training konzentrieren?

Auf der Suche nach Profispielern klappere ich auch die weiteren Trainingsplätze ab. Am hintersten Platz hat sich eine kleinere Traube von Menschen gebildet. Durch die geschlossene Gittertüre kann man Pablo Carreno Busta, Nummer 13 der Weltrangliste, beobachten, wie er seinen Aufschlag trainiert. Der Coach macht dabei immer wieder die Kick-Bewegung mit dem Handgelenk vor. Ein wichtiges Mittel auf Sand.

Der Center Court

Nun möchte ich auf den Center Court. Das Spiel zwischen Thiago Monteiro und Fernando Verdasco läuft bereits, weswegen die Schlange nicht sehr lang ist. Generell ist das Stadion während der Erst- und Zweitrundenpartien nur etwa zur Hälfte gefüllt, sodass man sich seinen Sitzplatz relativ frei aussuchen kann. Dabei fällt auf, dass vor allem die schattigen Plätze in der Süd- und Westtribüne gefüllt sind. Kein Wunder bei der Hitze.

Thiago Monteiro bezwingt Fernando Verdasco mit 3:6, 6:2, 7:5. (Photo by Buda Mendes/Getty Images)

Nach dem Spiel füllen viele ihre leeren Wasserflaschen in den Toiletten auf. Eine sparsame Lösung, denn am Haupteingang wurden einem die Getränke abgenommen, was bei diesen Temperaturen eigentlich eine Frechheit ist. Der Besucher soll schließlich für jeden halben Liter Wasser 3 (!) Euro bezahlen, bevor er verdurstet. Na ja, immerhin darf man kostenlos auf die Anlage.

Court Nr. 1

Nachdem Diego Schwartzman Daniel Masur in zwei Sätzen abfertigt hatte, blieb etwas Zeit, um einen Abstecher auf Court Nr. 1 zu machen. Hier werden vor allem Doppel-Partien ausgetragen. Die Besucher können sich das Spektakel auch ohne Center Court-Ticket anschauen.

Court Nr. 1.

Danach ist die 17-jährige Nachwuchshoffnung Rudolf Molleker, der in der Runde zuvor einen Überraschungserfolg gegen den spanischen Topspieler David Ferrer feiern konnte, auf dem Center Court im Einsatz. Die euphorisierten Erwartungen der Zuschauer werden allerdings schnell gedämpft. Molleker unterliegt dem Slowaken Jozef Kovalik deutlich mit 4:6, 0:6.

Trainingseinheit von Dominic Thiem

Etwas enttäuscht schlendere ich durch die Anlage. Plötzlich tut sich etwas auf den Trainingsplätzen. Die Menschentraube vor einem der hinteren Plätze ist deutlich größer als am Vormittag. Das kann nur eines bedeuten: Dominic Thiem, der Weltranglistenachte, French Open-Finalist und Turnierfavorit ist auf dem Platz. Die Bilder verdeutlichen, dass der Österreicher die Attraktion der diesjährigen German Open ist.

Viele Besucher schauen Dominic Thiem beim Training zu.

Tennis am Rothenbaum: Ein geschichtsträchtiges Turnier

Der Tag neigt sich dem Ende zu. Doch ein Highlight steht noch bevor. Der Titelverteidiger Leonardo Mayer spielt gegen den französischen Showman Gael Monfils. In den Katakomben vor der Südtribüne werden die Gewinnerinnen (bis 2002 wurden in Hamburg auch Damenturniere ausgetragen) und Gewinner des Turniers, namentlich und mit Portrait, verewigt. Dort ist auch das Gesicht von Leonardo Mayer zu finden, der den angeschlagenen Monfils mühelos mit 6:1, 7:5 besiegt. Die Siegerstrecke zeigt, wie geschichtsträchtig das Turnier am Rothenbaum ist. Darunter befinden sich Namen wie Rod Laver, Stefan Edberg, Michael Stich, Roger Federer und Rafael Nadal.

Siegerportrait von Leonardo Mayer.

Die Temperaturen sind mittlerweile wieder etwas gesunken und die Zuschauer verlassen die Anlage. Am nächsten Tag steht wieder die Arbeit an – oder noch ein Tag am Rothenbaum.

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