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Eklat zwischen Williams und Thiem – die Hintergründe

Am Samstagabend herrschte im Pressezentrum der French Open kurzzeitig Aufregung, weil Dominic Thiem für Serena Williams seine Pressekonferenz abbrechen musste. Als der Finalist von 2018 erfuhr, warum er den Raum verlassen musste, verließ er verärgert das Pressezentrum.

Pressekonferenzen bei den vier Grand Slams, also bei den vier größten Tennisturnieren der Welt, folgen alle einem Protokoll, an das Spieler, Verantwortliche wie Journalisten gewohnt sind. Eine Spielerin oder ein Spieler bekommt nach seinem Match in Abstimmung mit den Turnierverantwortlichen eine Uhrzeit und eine Räumlichkeit zugewiesen. Dementsprechend versammeln sich Medienvertreter.

Zur vereinbarten Uhrzeit trifft der Akteur (manchmal mit etwas Verspätung) ein. Dann gibt es ein Zeitfenster für Fragen auf Englisch. Anschließend folgt ein in der Regel etwas längerer Teil in der Muttersprache der Spielerin oder des Spielers. Anschließend werden noch Anfragen von Radio- und Fernsehsendern abgearbeitet. Dieser Ablauf passiert dutzende Male an einem normalen Grand Slam-Tag.

Am Samstagabend herrschte kurzzeitig Aufregung im aufgrund der Umbauarbeiten provisorisch eingerichteten Pressezentrum im eigentlichen French Open-Museum. Serena Williams wollte nach ihrer überraschend glatten Zweisatzniederlage gegen Sofia Kenin ihre Pressearbeit möglichst schnell erledigen und erschien rasch nach Ende der Partie im Medienzentrum.

Dort hielt Dominic Thiem planmäßig gerade seine Pressekonferenz im Hauptraum ab. Der Finalist von 2018 befand sich bereits im nationalen Teil. Serena Williams, die auch ihr Management um sich hatte, drängte auf eine schnelle Lösung, wie ein Augenzeuge dem tennis MAGAZIN berichtete. „Sie wollte, dass ihre Pressekonferenz sofort startet und setzte den Verantwortlichen des Turniers an ihrer Seite sehr unter Druck. Gleichzeitig wollte sie nicht, dass Thiem wegen ihr den Raum verlassen muss“, sagte der Augenzeuge.

Auf einem TV-Bildschirm habe Williams demnach dann erkannt, dass der Interviewraum zwei frei war. Daraufhin fragte sie die Turnierverantwortlichen, warum sie nicht einfach ihre Pressekonferenz in diesem Raum abhalten könne. Am Sonntag bestätigte ein Verantwortlicher der ITF, dass sich zu diesem Zeitpunkt Karen Khachanov noch in Raum zwei befand und TV-Interviews gab. Die Verlegung war zu diesem Zeitpunkt nicht möglich.

Da Williams aber auf eine Entscheidung drängte, trafen die in diesem Moment Verantwortlichen Akteure der ITF, die hier für die French Open agieren, die Entscheidung, die Pressekonferenz von Dominic Thiem zu unterbrechen. Thiem stimmte dem zunächst zu und verließ den Raum. Als er beim Verlassen aber Serena Williams sah und merkte, warum er gehen musste, wurde er ungehalten.

Um seine Pressekonferenz fortzusetzen, wurde er zunächst noch in den Interviewraum zwei gebeten (nach Khachanov). Zu einer Befragung kam es aber nicht mehr. Thiem stellte stattdessen die Verantwortlichen zur Rede. Auf einem Video ist zu sehen, wie er unter anderem auf Englisch sagt: „Was zur Hölle, das ist ein Witz.“ Wenige Sekunden später fügte er an: „Ich werde dann auch gehen. Ich kann auch machen, was ich will“. Beim Verlassen des Raums ergänzte er unter anderem noch: „Ich bin ja kein Junior mehr.“

Am Nachmittag meldete sich Thiem selbst zu Wort. Gegenüber Eurosport sagte er: „Ich war eigentlich nur die ersten Minuten richtig verärgert. Aber es geht auch nicht darum, ob ich da gesessen habe. Es ist egal, wer da sitzt. Da habe ich auch ein Fehler gemacht mit meiner ,bin kein Junior‘ mehr. Selbst wenn ein Junior in dem Raum sitzt, hat jeder zu warten. Für mich ist das zum einen eine Selbstverständlichkeit zu warten. Zum anderen zeugt es auch von einer schlechten Persönlichkeit, wenn man das macht. Ich bin sicher, dass das ein Federer oder Nadal nie machen würden.“

Ein offizielles Statement von Seiten der ITF oder der French Open gab es bisher nicht. Auch auf tennis MAGAZIN-Anfrage gab es keine offizielle Aussage zu dem Vorfall. Laut österreichischen Medien hat sich der Turnierdirektor Guy Forget mittlerweile bei Thiem entschuldigt.

Für Außenstehende mag das wie eine Lapalie klingen. Allerdings: Die Grand Slam-Turniere haben bekanntlich ein striktes Protokoll. Zu dem sich am Sonntag auch Roger Federer äußerte. Nach seinem Sieg gegen Leonardo Mayer bekannte Federer zunächst: „Dominic ist bei den Männern ein Superstar.“ Dann erklärte er: „Ich weiß nicht genau, was schief gelaufen ist. Aber etwas ist schief gelaufen.“ Normalerweise habe der Spieler, der noch im Turnier ist Vorrang.  „Das ist normalerweise die Art und Weise, wie es gehandhabt wird. Ich bin mir sicher, dass es ein Missverständnis gab. Vielleicht hätte man Serena auch besser in der Umkleidekabine warten lassen sollen und nicht im Pressezentrum. Ich weiß nicht genau, was passiert ist. Aber ich verstehe die Frustration von Dominic.“