Iga Swiatek erklärt ihre Krise: „Ich habe mich nicht sicher gefühlt“
Nach Wochen voller Zweifel spricht Iga Swiatek offen wie nie: über fehlendes Selbstvertrauen, den Trainerwechsel und eine Öffentlichkeit, die sie zunehmend kritisch sieht.
Selbstkritisch, reflektiert und kämpferisch: Iga Swiatek hat sich nach schwierigen Wochen auf der WTA-Tour ausführlich zu ihrer sportlichen und mentalen Lage in einem Interview mit der polnischen Tageszeitung Gazeta Wyborcza geäußert. Im Zentrum stehen dabei Zweifel an sich selbst, die Trennung von ihrem Trainer Wim Fissette und eine deutliche Kritik an Öffentlichkeit und Medien.
Auslöser der jüngsten Diskussionen war die Niederlage gegen Magda Linette beim Turnier in Miami. Doch Swiatek machte klar: Eine einzelne Partie erkläre ihre Krise nicht. „Im Leben gibt es selten nur eine Lösung für ein komplexes Problem“, sagte die 22-Jährige. Vor allem ihr Selbstvertrauen habe zuletzt gelitten – und genau das sei auf dem Platz sichtbar geworden. „Ich habe mich nicht besonders sicher gefühlt, was meine Fähigkeiten angeht.“
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Gleichzeitig betonte die Polin, dass die emotionale Reaktion auf Niederlagen für sie auch etwas Positives hat. „Ich hätte mehr Angst gehabt, wenn ich nichts gespürt hätte“, beteuerte sie. Stattdessen habe sie nach den jüngsten Rückschlägen neue Motivation verspürt, um gezielt an ihrem Spiel zu arbeiten.
Trainerwechsel als bewusste Entscheidung
Für zusätzliche Unruhe sorgte die Trennung von Trainer Wim Fissette. Swiatek widersprach jedoch dem Eindruck einer Kurzschlussreaktion. Die Entscheidung sei das Ergebnis eines längeren Prozesses gewesen, der bereits Wochen vor Miami begonnen habe. „Ich treffe solche Entscheidungen nicht impulsiv“, stellte sie klar.
Schon nach der Niederlage gegen Maria Sakkari in Doha habe es intensive Gespräche gegeben. Zwar habe es zwischenzeitlich Fortschritte gegeben, etwa vor Indian Wells, doch letztlich sei sie zu dem Schluss gekommen, dass ein Neuanfang nötig sei. Was sie ausdrücklich betont: Swiatek suchte während dieser Phase bewusst nicht aktiv nach einem neuen Coach. Loyalität gegenüber ihrem Team habe für sie oberste Priorität gehabt. „Wenn man mit jemandem arbeitet, muss man dieser Zusammenarbeit eine Chance geben.“
Die Rolle von Rafael Nadal
Gerüchte über mögliche neue Impulse halten sich dennoch hartnäckig. Immer wieder fällt dabei der Name von Rafael Nadal. Der Spanier sei ihr Idol und eine wichtige Bezugsperson, bestätigt Swiatek. Man habe bereits während seiner aktiven Karriere Kontakt gehabt, er habe ihr Tipps gegeben. Ob Nadal jedoch konkret bei der Trainersuche geholfen hat, lässt sie offen.

Tauschten sich auf Mallorca aus: Iga Swiatek und Rafael Nadal.Bild: Screenshot
„Ich möchte das für mich behalten“, sagte sie. Feststeht inzwischen: Swiatek hat sich in der Rafa Nadal-Academy auf die anstehende Sandplatzsaison vorbereitet und erhielt dabei auch Tipps von Nadal höchstpersönlich. Als neuen Coach hat sie aber nun Francisco Roig verpflichtet, der lange zum Trainer-Team von „Rafa“ gehörte.
Swiatek übt Kritik an Medien und Internet
Neben sportlichen Themen findet die Weltranglistenerste ungewöhnlich klare Worte zur öffentlichen Wahrnehmung. Besonders das Internet bereite ihr zunehmend Sorgen. „Es lässt keinen Raum für Fehler und keine Zeit, etwas zu verstehen. Es urteilt einfach – und das sehr streng. Es macht mir immer öfter Angst, was die Leute im Internet veröffentlichen. Ich habe den Eindruck, dass das in eine sehr schlechte Richtung geht“ Auch Teile der Berichterstattung sieht sie kritisch. Viele Artikel entstünden „aus geschäftlichen Gründen – wegen Klicks und reißerischer Überschriften“, behauptete sie. Gleichzeitig beklagte die sechsfache Grand Slam-Siegerin mangelnde Fachkenntnis in der Tennis-Berichterstattung in Polen. „Die meisten, die in den Medien zitiert werden, waren noch nie bei einem Turnier.“
Rückendeckung für Psychologin Abramowicz
Ein weiterer Diskussionspunkt: die Rolle ihrer Psychologin Daria Abramowicz. Kritik an deren Einfluss weist Swiatek entschieden zurück. Viele Vorwürfe seien „Fake News“ und frei erfundene Theorien. Dabei machts sie deutlich, dass sie sich selbst als Führungspersönlichkeit ihres Teams versteht: „Ich treffe die Entscheidungen.“ Die Zusammenarbeit mit Abramowicz sei weiterhin ein zentraler Bestandteil ihres Erfolgsmodells – auch in schwierigen Phasen.
Every pointer from Rafa is definitely a goldmine of information 😁 Vamos! 💪🏻@rnadalacademy #swiatek #nadal pic.twitter.com/zq8OAPLTgQ
— Lukasinho (@LukasFCB321) April 6, 2026
Abseits des Courts setzt die Polin auf ein eher ungewöhnliches Mittel zur mentalen Stabilisierung: Bücher. Sie spielen für Swiatek eine zentrale Rolle. Schon als Kind habe sie durch Literatur neue Perspektiven gewonnen, sagte sie. „Die Tribute von Panem“ bis hin zu Klassikern wie „Vom Winde verweht“ seien große Inspirationsquellen gewesen. Lesen helfe ihr nicht nur beim Abschalten, sondern auch bei der Konzentration. „Wenn ich den Rhythmus finde, ist es wie auf dem Platz“, erklärt sie – ein Zustand, in dem alles scheinbar mühelos läuft.
Swiatek mit Neustart auf Sand in Stuttgart
Sportlich richtet sich der Blick nun nach vorn: auf das Turnier in Stuttgart, dem traditionellen Auftakt der europäischen Sandplatzsaison bei den Damen. Swiatek schätzt die besondere Atmosphäre des Hallenturniers und sieht es als Chance für einen kontrollierten Neustart. „Man kann gut in den Rhythmus kommen und ein Gefühl für den Belag entwickeln“, sagte sie. Nach Wochen voller Zweifel und Diskussionen geht es für die Polin nun vor allem darum, wieder zu sich selbst zu finden – spielerisch wie mental.
