Justin Engel

Justin Engel steht derzeit auf Platz 190 im ATP-Ranking.Bild: Imago/Jürgen Hasenkopf

Justin Engel: Jetzt spricht Coach Didi Kindlmann

Bei den Hamburg Open spielt Justin Engel (18) in der ersten Runde im Hauptfeld gegen Ugo Humbert (Nummer 34 der Welt). Vor dem Match hat tennis MAGAZIN mit seinem Coach Didi Kindlmann gesprochen und auch die sich im Juni verändernde Coaching-Situation analysiert.

Herr Kindlmann, Sie betreuen Justin seit Mitte März als Coach…

…ja, aber netto waren das nur vier Wochen.

Wie fit ist Justin?

Justin ist fit. Er freut sich mega auf das Match. Aber es ist aktuell natürlich sehr schwierig, weil er zuletzt sehr wenig gewonnen hat. Und Ugo Humbert ist ein sehr schwieriger Gegner. Aber er ist auf jeden Fall fit und wird morgen spielen. Ich kenne Ugo sehr gut von der Zeit, als ich Dominic (Stricker, d. Red.) betreut habe. Ugo kann unglaubliches Tennis spielen. Aber wir werden alles probieren und ich hoffe, dass wir die richtigen Schlüsse ziehen.

Wie lief die Vorbereitung?

Letzte Woche habe ich ihn in Zagreb betreut. Da hat er früh verloren und dann sind wir sehr früh am letzten Donnerstag nach Hamburg gekommen und haben hier trainiert.

Was genau?

Unterschiedliche Dinge: Schläge, Taktik. Als die Auslosung raus war, haben wir probiert, uns auf den Linkshänder einzustellen. Wir haben mit Lefties gespielt, mit Terence Atmane und Ben Shelton. Wir haben viele Videos angeschaut von Humbert und haben uns so gut wie möglich gegen diesen Topmann vorbereitet. Jetzt freuen wir uns auf das Match. Hamburg ist seine Lieblingsstadt, es ist sein Lieblingsturnier. Er hat schöne Erinnerungen vom letzten Jahr.

Da schlug er in der ersten Runde Jan-Lennard Struff, gewann sein erstes Hauptfeldmatch bei einem 500er.

Ja, das waren super Erfahrungen und deswegen ist es schön, dass wir hier die Chance bekommen haben, mit einer Wildcard mitzuspielen.

Parallel läuft in Paris die Quali für die French Open. Warum spielt er nicht da?

Wie gesagt, er fühlt sich einfach sehr wohl in Hamburg. Er hat letztes Jahr hier eine Runde gewonnen. Da hat er viel Aufmerksamkeit bekommen. Ende letzten Jahres hat er auch das Challenger in Hamburg gewonnen. Es gab nie eine Diskussion, ob er in Paris antritt. Es war für ihn und seine Leute immer klar, dass er in Hamburg spielt.

Dieter Kindlmann

Dieter Kindlmann betreute viele Topspieler im Damen- und Herrentennis. Vor Justin Engel coachte er Dominic Stricker.Bild: Imago/Jürgen Hasenkopf

Ab den Terra Wortmann Open in Halle stößt Carsten Arriens, der frühere Trainer von Jan-Lennard Struff, der ihn in Hamburg noch einmal betreut hat, zum Team. Können Sie das Konstrukt erklären?

Ja, das ist ganz einfach zu erklären. Ursprünglich war Ulf Fischer (früherer Trainer von Florian Mayer und Assistenztrainer im Davis Cup Team, d. Red.) als Cheftrainer vorgesehen. Er sollte die meisten Wochen im Jahr mit Justin reisen. Aus gesundheitlichen Gründen musste er allerdings absagen. Damals habe ich gesagt, dass ich aktuell und wegen meiner privaten Situation, zehn bis 15 Wochen im Jahr dem Team helfen kann. Als Ulf ausfiel, habe ich seinen Part übernommen, aber es war klar, dass Justin eine Fulltime Betreuung braucht. Deswegen war klar, dass wir einen zweiten Mann brauchen, weil Justin über das Jahr gut und konstant betreut werden muss.

Der zweite Mann heißt jetzt Carsten Arriens.

Genau. Ich bin sehr glücklich, dass wir ihn gefunden haben, weil wir jetzt im Tandem mit Justin unterwegs sind. Es war die einzige Lösung, wenn ich weiter im Team bleiben soll.

Gibt es einen Cheftrainer oder sind Sie gleichberechtigt? 

Nein, wir haben jetzt mal die Wochen besprochen. Offiziell ist es sein erstes Turnier in Halle, aber wir haben uns schon in Hamburg ausgetauscht. Er kam zum Training vorbei. Er wird auch in Stuttgart (Boss Open, eine Woche vor Halle, d. Red.)  dabei sein. Wir sind gleichberechtigt. Ich habe null Ego, was das angeht. Wir wollen alle das Beste für Justin. Wir hatten sehr gute Gespräche, wie unsere Philosophien sind, wie der Turnierplan in der nahen Zukunft aussieht. Sicherlich wird es so sein, dass Carsten ab Halle mehr macht, vor allem am Anfang, weil ich bis Halle fest dabei bin. Anschließend werde ich erstmal weniger reisen. Ich war zwei Wochen in München mit ihm. Dann waren wir in Spanien und Kroatien. Ich war schon viele meiner verabredeten Wochen im Einsatz.

Waren Sie bei der Trainerfindung beteiligt?

Ja, ich war bei allen Gesprächen mit möglichen Kandidaten dabei. Ich kenne Carsten von früher, aber wir haben erst jetzt angefangen zu reden und uns auszutauschen. Die Gespräche waren alle sehr positiv und am Schluss muss man dann sehen. Wichtig ist, dass wir gemeinsam in die richtige Richtung gehen und den Jungen weiterentwickeln, was jetzt in den letzten Wochen oder Monaten in der Form nicht passiert ist. Und deswegen freue ich mich eher auf die Wochen nach Hamburg, weil wir jetzt ein Team haben und Justin top versorgt ist.

Charly Steeb, der Manager, war ein Topspieler und Davis Cup-Sieger. Sie sind ein bekannter Tourcoach, Carsten Arriens hat Verdienste als Davis Cup-Chef und Struff-Trainer Ist das Team jetzt optimal aufgestellt? 

Ja und nein. Klar sind wir im Tennisbereich super aufgestellt, aber es sind noch sehr, sehr viele andere Faktoren, weil es ja nicht nur ums Tennis geht, sondern auch um das Körperliche. Der Physio, der Fitnessbereich sind genauso wichtig. Das sind alles Sachen, wo wir gerade dabei sind, Weichen zu stellen. Damit wir wirklich ein Team haben. So wie die Top-Leute auf der Tour. Diese Jungs arbeiten alle extrem im Gym. Es geht darum, Justin in allen Bereichen weiterentwickeln. Als ich reinkam ins Team, war klar, dass man diese Strukturen schaffen muss. Die Findung hat ein bisschen gedauert. Mit Carsten sind wir im Tennisbereich endlich gut versorgt. Aber wir müssen die anderen Bereiche auch angehen. Wenn du heutzutage nicht fit bist, wenn es körperlich irgendwelche Defizite gibt…

Dann?

Dann hast du keine Chance. Wir sind dabei, die richtigen Leute ins Team zu holen. Dann brauchen wir irgendwann keine Wildcard mehr für Hamburg, sondern können direkt mitspielen.