2019 US Open – Day 1

Koepfer jetzt gegen Opelka: Pitbull vs. Aufschlagmonster

Dominik Koepfer hat nach einer großen kämpferischen Leistung die 2. Runde der US Open erreicht. Dort trifft er nun auf den Service-Giganten Reilly Opelka.

Es war ein Match voller Hochs und Tiefs, mit vielen einfachen Fehlern und mit fantastischen Ballwechseln. Am Ende aber, nach mehr als 3:30 Stunden Spielzeit, setzte sich der deutsche Qualifikant Dominik Koepfer (ATP# 118) gegen den spanischen Top 100-Spieler Jaume Munar (ATP# 97) mit 6:4, 7:6, 5:7, 7:5 in der ersten Runde der US Open durch.

Koepfer mit einem Kampfsieg

Koepfer war nicht unbedingt der bessere Spieler. Es war ein Kampfsieg. Und ein gutes Beispiel dafür, was ein Spieler wie Koepfer mit der richtigen mentalen Einstellung erreichen kann. Nur zu Erinnerung: Vor einem Jahr stand er noch jenseits der Top 200. Jetzt befindet sich der ehemalige US-Collegemeister kurz vor den Top 100 und gewann nach Wimbledon 2019 schon sein zweites Match auf Grand Slam-Level.

Im ersten Satz genügte Köpfer ein frühes Break zum 1:0, um den Satz am Ende mit 6:4 zu gewinnen. Wirklich souverän war das aber nicht: Der Deutsche musste sechs Breakbälle abwehren und produzierte 24 einfache Fehler. Doch in den wichtigsten Momenten war Koepfer da, holte die entscheidenden Punkte und pushte sich selbst nach vorne. Er machte seinen Spitznamen „Pitbull“ dabei alle Ehre: nie aufgeben, immer dranbleiben, sich festbeißen in so ein Match.

Genau das demonstrierte er auch in Satz zwei. Mit 0:3 und 2:5 lag Koepfer hinten, aber er kämpfte sich noch in den Tiebreak, den er 7:2 gewann. Jetzt gab es kein Halten mehr: Der 25-Jährige jubelte seinem Anhang auf der kleinen Tribüne von Court 8 zu, die ihn entsprechend feierten. Neben Familienangehörigen schauten vor allem Spieler und Coaches der Tulane University von New Orleans zu, für die Koepfer vier Jahre lang im Tennis-Collegeteam auflief. „Aus New Orleans sind einige gekommen, vielleicht 20, 25 Stück. Das ist ein Riesenzusammenhalt bei den Unis hier in Amerika“, sagte er nach dem Match dem Sport-Informationsdienst (SID).

Koepfer mit feinem Lob beim Matchball

Als er schließlich mit 5:2 im dritten Satz vorne lag, glaubte niemand mehr an eine Rückkehr seines Gegners. Doch Munar kam zurück und schnappte sich den Durchgang noch mit 7:5. Für kurze Zeit machte sich Ernüchterung breit. Aber Koepfer sammelte sich, ging im vierten Satz 3:1 in Führung. Munar jedoch konterte erneut, holte sich drei Spiele in Folge zur 4:3-Führung. Am Ende kämpfte sich Koepfer irgendwie durch und beendete das Match mit einem feinen Lob.

Natürlich: Was zählt, ist nur Sieg, der Einzug in die zweite Runde von Flushing Meadows. Aber die Match-Statistik sollte Koepfer zumindest zu denken geben: 88 leichte Fehler (inkl. 11 Doppelfehlern) ist eine Menge, auch wenn er andererseits 73 Winner erzielte. Was schließlich überwiegt: Koepfer ist seiner Linie treu geblieben und hat gegen den spanischen Grundlinienspezialisten mit vielen offensiven Aktionen selbst die Entscheidung gesucht.

Sein nächstes Match nun wird ein komplett anderes werden. Koepfer trifft auf den US-Aufschlaggiganten Reilly Opelka, der in Runde eins immerhin den an elf gesetzten Fabio Fognini in vier Sätzen vom Platz schoss. Opelka, 2,11 Meter groß, servierte dabei 26 Asse und feuerte Geschosse mit bis 230 Stundenkilometern ab. Er zeigte aber auch, dass er nicht nur sensationell gut aufschlägt. Fünfmal nahm er Fognini den Service ab. Opelka kann mittlerweile mächtig Dampf von der Grundlinie machen und bewegt sich für so einen langen Athleten erstaunlich schnell und geschmeidig.

Für Koepfer heißt das: Er muss ähnlich offensiv spielen wie gegen Munar. Aber er darf sich dabei nicht so viele leichte Fehler leisten, um endlich mal gegen den US-Hünen zu gewinnen. Denn von drei Partien, die alle bei Challenger-Turnieren in den USA stattfanden, gewann der Deutsche bislang keine einzige. Beim letzten Duell im April 2019 in Dallas war er allerdings kurz davor: Koepfer hatte insgesamt sechs Matchbälle, verlor dann aber noch 6:7, 6:3, 6:7.

Insofern hat der „Pitbull“ noch eine Rechnung mit dem „Aufschlagmonster“ offen, die ihn sicherlich nur noch zusätzlich anstacheln wird.